20 Jahre GameStar: Michael Obermeier - Peinliche Geständnisse eines großen Fans

Manche Dinge scheinen einfach vorherbestimmt sein. Zum Beispiel, dass Michi zur GameStar gehen würde.

von Michael Obermeier,
12.09.2017 00:00 Uhr

Mit diesem Anblick fing 1997 alles an. (Dramatisierung)Mit diesem Anblick fing 1997 alles an. (Dramatisierung)

Ein Glück, dass ich an diesem sonnigen Nachmittag im September 1997 nicht die Bravo oder die Wendy, sondern die GameStar gekauft habe. Dieser schicksalhafte Tag in einem HL-Supermarkt im bayrischen Kaff Poing sollte nämlich mein gesamtes späteres Leben prägen. Denn dann würde ich heute nicht täglich einem Millionenpublikum was über Videospiele erzählen, sondern für kleine Mädchen über wiehernde Pferdegesichter schreiben. Oder bei der Wendy arbeiten.

Inzwischen arbeite ich im elften Jahr für GameStar und war damit fast genau so lange Fan wie aktives Mitglied des Teams. Denn als Jugendlicher waren GameStar-Redakteure meine Helden. Ein Haufen Irrer mit dem gleichen Hobby, die gemeinsam mit mir Monat um Monat die ganze Welt der PC-Spiele erlebt haben. Tests, Previews und »Raumschiff GameStar« waren nämlich deutlich spannender als der Großteil dessen, was die Dorfjugend in Bayern zu bieten hatte. Das Bizarre daran: Ich dachte natürlich, dass wenn ich diese Leute und ihre nerdigen Insider-Gags in- und auswendig kenne, sie mich auch kennen würden. Aber damals war die Kommunikation zwischen Redaktion und Leser technisch bedingt noch eine Einbahnstraße.

Michael Obermeier

Über den Autor: Michael Obermeier
@GameOvermeier
Michi moderiert als Host & Producer nicht nur die tägliche News-Show auf YouTube, sondern auch sonst fast jeden Livestream oder Videoinhalt, der auf Twitch und GameStar.de zu sehen ist. Als GameStar-Fan der ersten Stunde war's für Michi Ehrensache, sein Print-Abo erst drei Jahre nach seiner Festanstellung zu kündigen. Es hat also absolut nichts damit zu tun, dass er es einfach drei Jahre lang verbummelt hat.

Umso bahnbrechender war's deshalb auch für mich, gemeinsam mit GameStar die ersten Gehversuche im Internet zu unternehmen. Denn schon zu 56k-Modem-Zeiten (die in Poing deutlich länger andauerten als in der zivilisierten Welt) war ich im GameStar.de-Forum aktiv. Zusammen mit dem ersten DSL-Anschluss habe ich mir dann zusätzlich zum Heft-Abo auch einen GameStar-Premium-Zugang gegönnt - und innerhalb von wenigen Stunden die Demoversion von Aquanox 2 von GameStar.de heruntergeladen. Ein Spiel an nur einem Abend aus dem Internet herunterzuladen - für mich damals reinste Science-Fiction.

Das wichtigste an dieser Zeit waren aber (wie eigentlich immer) nicht die Spiele, sondern die Menschen. Nicht nur gab's bei GameStar Premium mit Forum-Fragestunden und Redaktions-Webcam (rückblickend betrachtet etwas creepy) einen direkten Draht zu den Redakteuren, sondern auch eine engagierte Community Gleichgesinnter. Auch wenn der Kontakt heute größtenteils abgerissen ist, erinnere ich mich gerne an hitzige Wertungsdebatten, zig gemeinsame Multiplayer-Matches oder LAN-Partys mit den anderen Premium-Usern zurück. An dieser Stelle ein ganz spezieller Gruß an die »Münchner Riege«!

Mit 56k-Modem surft der kleine Michi auf GameStar.de. Ja, Websites haben früher mal so ausgesehen.Mit 56k-Modem surft der kleine Michi auf GameStar.de. Ja, Websites haben früher mal so ausgesehen.

So vorbelastet wird's also auch niemanden verwundern, dass der erste »Promi«, den ich im Leben getroffen habe natürlich bei der GameStar arbeitet. Denn eines Nachmittags geht die jetzige Kollegin Petra Schmitz ausgerechnet in dem Supermarkt einkaufen, in dem ich neben der Schule gejobbt habe. Während ich noch so überlege, ob und was ich zu ihr sage, kommt plötzlich die Erkenntnis: »Die kennt dich doch gar nicht!« Angesprochen habe ich sie also nicht und Petra die peinliche Anekdote auch erst diese Woche erzählt.

Die Kassette ans Ohr!

Trotzdem sollte Petra maßgeblich daran beteiligt sein, dass ich heute hier sitze. Denn in meiner Abiturphase beginne ich zu bloggen, also online Texte über Dorfjugend, Spielesatire und Film-Klugscheißerei zu schreiben. Und weil auch Petra (genau wie Ex-Kollege Fabian Siegismund) bloggt, kommt man in Kontakt. Ich gewinne bei einer Verlosung in ihrem Blog einen Haufen Spiele-Merchandise, das sie mir sogar persönlich drei Dörfer weiter vorbeibringen will. Zum Treffen kommt's allerdings wieder nicht, weil ich die Türklingel nicht höre, nur mein kleiner Bruder an die Türe geht und Petra erklärt, ich sei gar nicht zu Hause.

Erst 2006 sollte es dann klappen - aber auch nur um Haaresbreite. Denn ich bin gerade mit dem Abitur fertig und im Begriff mich für ein verhasstes Politikwissenschaftsstudium einzuschreiben. GameStar lädt im Sommer zum Tag der offenen Tür, für den ich tatsächlich eingeladen werde - aber nur als Nachrücker, weil jemand anderes kurz vorher abgesagt hat. Von diesem Besuch existieren (leider) heute noch fremdschämige Fotos, von den geführten Unterhaltungen aber (zum Glück) keine peinlichen Mitschnitte.

Große Pläne Michi (der bartlose Bubi hinten rechts) schmiedet bereits als Besucher beim »Tag der offenen Tür 2006« kühne Weltherrschaftspläne. Sie wurden alle übertroffen.

Die heilige Ausgabe Noch heute hält Michi die am Tag der offenen Tür signierte GameStar 07/2006 in Ehren. Unten rechts aufgeklebt die Namensschilder (von unten nach oben) als Besucher, vom ersten Entwicklerbesuch und als Teilnehmer beim Redakteurs-UT-Turnier.

Neben Petra drücke ich nämlich auch Fabian, Christian Schmidt, Heiko Klinge, Markus Schwerdtel und dem Rest der Belegschaft eine Kassette ins Ohr, dass ich unbedingt ein Praktikum bei GameStar machen will.

Petra willigt (zu ihrem Verhängnis) ein, mir beim Probetext für die Bewerbung zu helfen und bekommt von mir in den folgenden Wochen zum Korrekturlesen insgesamt drei furchtbare und eine passablen Version eines Testartikels zu Hitman: Blood Money. Meine Geheimwaffe geht dagegen völlig nach hinten los: Ich schneide extra für die Bewerbung ein Hitman-Testvideo inklusive Fazit-Teil vor selbstgebautem Greenscreen. Die beilegte DVD guckt sich aber niemand an.

Trotzdem bekomme ich im Dezember 2006 tatsächlich ein Praktikum im Online-Team von GameStar.de - und breche nach nur zwei Vorlesungen mein Politikwissenschaftsstudium ab. Das ist bis heute redaktionsinterner Rekord.

Was ich in den folgenden zehn Jahren erlebt habe, kann ich stellenweise selbst kaum fassen. Ich habe schöne Spiele gesehen und noch schönere Flecken dieser Welt bereist. Ich war (mal kurz) ein (kleiner) YouTube-Star. Ich habe mit Luke Skywalker Lichtschwerter gekreuzt. Ich bekomme von wildfremden Menschen auf der Straße Lob für meine Arbeit. Zweimal gab's sogar in Bars Freibier. Ich habe vor kreischenden Menschenmassen auf Gamescom-Bühnen Autogramme gegeben und Jenga gespielt. Und ich habe unglaublich tolle Leute kennengelernt, von denen viele gute, einige wenige sehr gute Freunde geworden sind.

Denn auch wenn sich mein Job zwischen Online-Redaktion, Content-Management, Spiele-Redaktion und schließlich Video-Unit ungefähr alle zwei Jahre geändert hat, bleibt eine Sache vom ursprünglichen Team bis zur neuen Generation heute konstant: Alles coole Menschen, bei denen ich stolz bin mit ihnen zusammenarbeiten zu dürfen. Und wer weiß: Vielleicht kann einer von euch ja zum 30. Jubiläum die gleiche Geschichte nochmal erzählen. Dann wäre ich ja letztlich doch für eine »Geschichte vom Pferd« verantwortlich.

Star Citizen: Squadron 42 - GameStar am Set mit Mark Hamill 8:00 Star Citizen: Squadron 42 - GameStar am Set mit Mark Hamill


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