AMD - CEO und Athlon-Erfinder geht von Bord (Update)

Dirk Meyer, AMD-Boss und seinerzeit Chef der Entwicklungsmannschaft rund um den ersten Athlon-Prozessor, verlässt AMD. Finanzchef Thomas Seifert übernimmt kommissarisch die Leitung des Konzerns.

von Hendrik Weins,
13.01.2011 10:00 Uhr

Dirk Meyer räumt seinen Posten als Chef von AMD.Dirk Meyer räumt seinen Posten als Chef von AMD.

Es hat nicht sollen sein: AMDs Chef Dirk Meyer verlässt in gegenseitigem Einvernehmen den Chip-Hersteller AMD und räumt seinen Posten. Anno 1996 war Dirk Meyer Chef der Entwicklungseinheit rund um den ersten Athlon-Prozessor und übernahm im Juli 2008 die Führung des Konzerns. Zwar schaffte es Dirk Meyer, AMD im schwierigen Marktumfeld zu stabilisieren, doch aus den roten Zahlen hat auch er AMD nicht holen können. Unter seiner Führung spaltete AMD die Chipfertigung ab und verkaufte diese unter dem Namen Global Foundries an internationale Investoren. Zudem gelang in diesem Jahr, was sich sein Vorgänger Hector Ruiz mit dem milliarden-schweren Kauf von ATI versprochen hatte – die Integration von Prozessor und Grafikeinheit auf einem Silikonplättchen. Doch all das half nicht AMD endlich permanent in die Gewinnzone zu wuchten.

Verwaltungsratschef Bruce Claflin erklärte, dass Dirk Meyer außerordentliches geleistet habe, es nun aber an der Zeit sei, AMD breiter aufzustellen, wachsen zu lassen und mehr Geld zu verdienen. Er und sein Kontrollgremium seien der Ansicht, dass nur ein neuer Mann an der Spitze von AMD diesen Schritt ermöglichen könne. Die Börse reagierte mit weniger Verständnis und der Aktienkurs verlor gut vier Prozent.

Update 13.01.2011

Der wahre Grund für den Wechsel an der Spitze von AMD ist laut Wall Street Journal, dass Dirk Meyer nach Ansicht des Aufsichtsrates zu wenig Interesse und Motivation für den Bereich der mobilen Geräte gezeigt hat.

So hatte Meyer im Oktober 2010 gegenüber Investoren erklärt, dass AMD im Notebook-Bereich noch eine so kleine Rolle spiele, dass es keinen Sinn mache, auch noch Geld für die Forschung im Bereich Tablet-Rechner auszugeben. Das habe Zeit, bis dieser Markt groß genug sei.

Auch auf der CES 2011, bei der Tablets und Nvidias Tegra 2 das wichtigste Thema waren, sagte Dirk Meyer, dass der Markt für Tablets und Smartphones zwar groß sei, aber weniger abwerfe als der Markt für PCs. Vermutlich dürfte diese Aussage die Geduld des Aufsichtsrates erschöpft haben, der sich schon seit einem Jahr wegen der Einstellung Meyers zu diesen Bereichen Sorgen gemacht haben soll.


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