AMD bewirbt Average CPU Power - ACP so sinnvoll wie TDP

Die von AMD eingeführte Messung der Average CPU Power (ACP) hat sich bisher nicht wirklich gehen die seit Jahren bekannte und von Intel benutzte Thermal Design Power durchsetzen können.

von Georg Wieselsberger,
09.02.2009 13:31 Uhr

Die von AMD bereits 2007 eingeführte Messung der Average CPU Power (ACP) als neuer Standard für den Energieverbrauch von Prozessoren hat sich bisher nicht gegen die seit Jahren allgemein bekannte und von Intel benutzte Thermal Design Power durchsetzen können. Das liegt wohl auch daran, dass die ACP-Werte der AMD-Prozessoren per Definition niedriger sein müssen als die entsprechenden TDP-Werte, was dem Vorschlag von AMD in den Augen mancher Beobachter zumindest den Anschein eines Marketing-Manövers verlieh.

Nigel Dessau, der Senior Vice President und Chief Marketing Officer von AMD, hat in einem Blog-Beitrag nun die Gründe für ACP nochmals dargelegt. Weder TDP noch ACP sei die "bessere" Möglichkeit, den Verbrauch von Prozessoren anzugeben. Während ACP den durchschnittlichen Verbrauch angibt und so den typischen Energiebedarf berechenbar macht, zeigt die TDP den absoluten Extremfall bei voller Last an. Dies wiederum sei wichtig zur Berechnung der thermischen Limits von Systemen, auf deren Grundlage eine Kühlung ermittelt werden kann, die in jeder Situation ausreichend ist. Daher gebe AMD auch beide Werte an. Ergänzen sich also ACP und TDP im Grunde perfekt? Jein. Für reine AMD-Vergleiche trifft dies zu, sind jedoch auch Intel-Systeme mit im Spiel, wird es verwirrend.

Nicht nur, dass Intel keine ACP-Werte angibt und vermutlich auch kein Interesse hat, dies zu ändern,, auch die auf den ersten Blick einem "Standard" entsprechenden TDP-Wertelassen sich nicht zwischen Intel und AMD vergleichen. Denn die TDP-Angaben von AMD entsprechen dem Verbrauch eines Prozessors bei gleichzeitig maximal erlaubter Kernspannung, maximal zulässiger Betriebstemperatur und 100% Last in allen Bereichen der CPU. Letzteres ist in der Praxis faktisch unmöglich und bedarf spezieller Tools. Kühlungen, die diese Tortur überstehen, sind mit Sicherheit ausreichend angelegt.

Intel hingegen verwendet nicht diesen absoluten Extremfall, sondern berücksichtigt die Energiespar-Features und Sicherheitsschaltungen wie Thermal Monitor, die die Prozessoren bei Erreichen bestimmter Temperaturen heruntertakten und die Spannung senken. Damit wird das theoretische Verbrauchsmaximum niemals erreicht und die CPU erhält von Intel einen tatsächlich maximal möglichen, niedrigeren TDP-Wert, der aber wegen der unterschiedlichen Ermittlung keine gemeinsame Basis mit AMD-TDP-Werten besitzt. Im Grunde gibt es also drei Standards: ACP, TDP à la AMD und TDP nach Intel-Rezept.

Gänzlich unvergleichbar werden die Angaben dadurch, dass in letzter Zeit Prozessoren der gleichen Serie trotz unterschiedlicher Taktraten die gleiche TDP erhalten. Hier wird der Wert des schnellsten Modells für alle Versionen angegeben, die dann für die anderen Varianten logischerweise zu hoch ist. Erfreulicher "Nachteil"dabei: der Stromverbrauch liegt bei den langsameren Prozessoren immer unterhalb der Herstellerangabe, die aber weiter an Aussagekraft verloren hat. Bleibt zu hoffen, dass die CPU-Hersteller nicht noch auf die Idee kommen, statt Watt (oder VA, Voltampere) eine eigene Einheit für elektrische Leistung zu definieren, in der dann die ohnehin unterschiedlich ermittelten Werte angeben werden.

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