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Amoklauf in Winnenden - Interview mit Angela Ittel - »Gewalt in den Medien führt nicht zu Gewalttaten«

Im Interview mit GameStar spricht die Professorin für Pädagogische Psychologie Angela Ittel über den Einfluss von Gewalt in den Medien auf Jugendliche.

von GameStar Redaktion,
16.03.2009 13:34 Uhr

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Angela Ittel, Professorin für Psychologie an der TU BerlinAngela Ittel, Professorin für Psychologie an der TU Berlin

Angela Ittel studierte in den USA (Miami und Santa Cruz) Psychologie und ist nun Professorin für Psychologie an der TU Berlin. Dort sind ihre Forschungschwerpunkte: Problemverhalten von Kindern und Jugendlichen, Familiäre Bedingungen des Aufwachsens, Geschwisterbeziehungen, Kinder und Medien, Professionalisierung von Lehrpersonen und Lehr- Lernprozessen. GameStar hat Angela Ittel anlässlich des Amoklaufs in Winnenden befragt.

GameStar: Wieder einmal ist es in Deutschland zu einem Amoklauf gekommen. Gibt es dafür wirklich einen auslösenden Faktor (z.B. Spiele), der einen Menschen zu einer solchen Tat motiviert, oder sind die Gründe doch vielfältiger, als die Massenmedien uns glauben machen wollen?

Angela Ittel: Natürlich ist es nicht so einfach und natürlich sind die Gründe vielfältiger. Es wird immer versucht, eine mehr oder weniger plausible Ursache für eine solche Tat zu finden, da man in den in Massenmedien üblichen Formate (Interviews, hochkarätig besetzte Diskussionsrunden, usw.) keine komplexen Zusammenhänge darstellen kann und diese beim Zuschauer/Zuhörer auch in der Kürze der üblichen Sendezeiten gar nicht aufgenommen werden könnten. Aber zurück zur eigentlichen Frage: Es gibt ganz viele Personen, die mehr oder weniger häufig Killerspiele spielen und nicht gewalttätig werden. Das Spielen allein macht also eigentlich niemanden zum Amokläufer.

Aber: Exzessives Computerspielen ist durchaus ein möglicher Risikofaktor, die Hemmschwelle zur Gewalt zu reduzieren. Vor allem, wenn es in Kombination mit anderen Faktoren wie Einsamkeit, wenig Kommunikation mit Eltern und Freunden, Hilflosigkeit und generell dem Gefühl, nicht genügend Beachtung zu erhalten, einhergeht.

GameStar: Wenn man sich die Amokläufe der letzten Jahre vor Augen führt, lassen sich -- zumindest oberflächlich -- zwischen den Tätern gewisse Parallelen feststellen. Halten Sie es für wahrscheinlich, dass es Persönlichkeitsstrukturen gibt, die sozusagen eine Disposition zur exzessiven Gewalt in sich tragen?

Angela Ittel: Nein, aber es gibt möglicherweise bestimmte Strukturen oder Ereignisse im persönlichen Umfeld, die diese Neigung zu Gewalttaten verstärken. Die so genannte dispositionelle Neigung mag eventuell ein genereller Hang zu Sucht sein. Manche mögen diese Neigung zur Sucht als Teil der Persönlichkeit sehen, doch ich denke, dass diese Neigung eben nicht angeboren ist, sondern sich in der Interaktion mit der Umwelt erst ausbildet. Daher ist es in Interventions- und Präventionsmaßnahmen auch so wichtig, sich nicht nur auf einen Kontext (z.B. Medien) als Risikofaktor in der Ausbildung gewalttätiger Neigungen zu beschränken, sondern einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen; also das gesamte Umfeld der Täter in der Suche nach den Ursachen in Betracht zu ziehen.

GameStar: Welche Rolle spielen Medien ihrer Meinung nach bei der Entwicklung eines jungen Menschen zum Amokläufer? Ist es schlimmer, ein Computerspiel zu spielen bei dem Tötungshandlungen im Vordergrund stehen, als sich einen Actionfilm im Fernsehen oder eine Dokumentation über Kriegsgebiete anzuschauen?

Angela Ittel: Medien können die Hemmschwelle senken, da sie gewalthaltige Inhalte unbegrenzt und ohne reflektierende Kommentierung präsentieren. Personen, die sich also vielen gewalthaltigen Inhalten im Fernsehen oder am Computer aussetzten, empfinden Gewalt als eher »normal« und zum täglichen Leben gehörend als andere Personen. Das heißt aber nicht, dass die Beobachtung von Gewalt in den Medien zu Gewalttaten führt. Wie bereits oben erwähnt müssen hier viele (negative) Faktoren zusammen auftreten, um letztendlich einen Zusammenhang zwischen gewalthaltigen Medienkonsum und aktiver Gewalt feststellen zu können. Zudem haben viele Studien gezeigt, dass eben die Personen die von vorneherein zu Gewalt neigen auch eher gewalthaltige Inhalte in Medien suchen.

Medien machen also nicht gewalttätig, aber sie bedeuten ein Risiko für diejenigen Personen, die sich diesen Inhalten gegenüber nicht genügend schützen können. Der Computer -- im Gegensatz zu anderen Medien -- birgt das besondere Risiko, dass man typischerweise allein und auch unbegrenzt davor sitzen kann, ohne dass die Personen im persönlichen Umfeld genau wissen, was man da tut. Man muss auch nicht drüber sprechen. Was man da am Computer macht untersteht also nicht der gleichen sozialen Kontrolle, wie etwa das Fernsehverhalten und birgt daher größere Risiken für ohnehin gefährdete Personen.

Lesen Sie auf Seite 2 mehr über Vorzeichen, Mithilfe in der Bevölkerung und Spiele-Verbote

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