Apple iCloud - Durchsucht und löscht Apple E-Mails von Kunden? (Update)

Ein Drehbuch-Autor war nicht in der Lage, sein Skript per iCloud zu verschicken – anscheinend wegen einer darin beschriebenen Szene.

von Georg Wieselsberger,
02.03.2013 09:03 Uhr

Update: MacWorld hat eine Antwort von Apple zu dem beschriebenen Problem erhalten. Apple verweist nur darauf, dass automatisierte Spam-Filter auch legitime E-Mails fälschlicherweise blockieren können. Sollte ein Kunde »das Gefühl haben«, dass dies bei ihm der Fall sei, solle er AppleCare kontaktieren. MacWorld bezeichnet das als »fürchterliche Antwort«, denn wie solle man wissen, dass man eine E-Mail nicht erhalten habe, die niemals ankommt. Das sei nur bei erwarteten E-Mails möglich. iCloud sei damit unzuverlässiges Angebot.

Das Problem sei nicht der Spam-Filter an sich, sondern die Tatsache, dass sich Apple anscheinend so sicher ist, das Richtige zu tun, dass E-Mails einfach kommentarlos gelöscht werden. Andere Dienste würden hier wenigstens die Kunden informieren und die Möglichkeit einräumen, falsch aussortierte Nachrichten zu markieren. Außerdem wäre es für Kunden nicht wirklich annehmbar, bei AppleCare anzurufen und sich dort zu beschweren, dass E-Mails mit zweideutigen und deswegen aussortierten Begriffen nicht ankommen.

Im Web gibt es inzwischen auch Hinweise, dass Apple anscheinend einige Filter wohl wegen der negativen Berichterstattung vermutlich vorübergehend deaktiviert hat.

Originalmeldung: Es ist bekannt, dass Apple Probleme mit Bildern oder Texten hat, die aus Sicht des US-Unternehmens »pornografisch« sein könnten und aus diesem Grund sogar Apps aus iTunes entfernt oder diese nicht zulässt. Steve Jobs hatte dies als »Freiheit vor Pornografie« verteidigt. Neu ist allerdings der Verdacht, dass Apple E-Mails, die über die iCloud verschickt werden, nicht nur nach Viren, sondern auch nach unliebsamen Inhalten scannt.

Wie Infoworld schreibt, wollte ein Drehbuch-Autor seinen Entwurf per iCloud an einen Regisseur mit einem Gmail-Konto schicken. Doch auch nach mehreren Versuchen kam die E-Mail mit dem Skript nicht an. Auch das Versenden als komprimierte ZIP-Datei half nicht. Erst nach dem Verschlüsseln des ZIP-Archivs erreichte die E-Mail den Empfänger, allerdings mit dem Hinweis, dass kein Viren-Scan möglich gewesen sei. Daraufhin hatte der Autor den Verdacht, dass der Inhalt seines Skripts eine Ursache für das Problem sein könnte und teilte sein Skript auf und verschickte nur Teile.

So fand er heraus, dass eine einzige Zeile in seinem Drehbuch, die beschreibt, wie ein Charakter eine pornografische Anzeige auf einem Bildschirm ansieht, der Grund für die verschwundenen E-Mails war. Nachdem er diese Zeile löschte, lief der Versand der E-Mail ohne Probleme. Ein Test mit einem PDF mit einer provokanten Zeile sorgte erneut dafür, dass die Apple iCloud die E-Mail kommentarlos verschwinden lies.

Laut Infoworld scheint Apple also nicht nur nach Viren zu suchen, sondern auch nach unliebsamen Inhalten und E-Mails ohne Rückmeldung oder Verschieben in einem Spam-Filter zu löschen. Tatsächlich findet sich in den Nutzungsbedingungen der iCloud laut der Meldung sogar ein Absatz, in dem sich Apple das Recht einräumt, Inhalte ohne Benachrichtigung nach eigenem Gutdünken zu löschen, wenn sie »unerwünscht« sind. Eine Nachfrage bei Apple durch Infoworld blieb bisher ohne Antwort.


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