Batman: The Telltale Series - So macht Telltale endlich Spaß!

Verbesserte Engine, coole Story und schwierige Entscheidungen, die sich endlich auch so anfühlen: Batman: The Telltale Series macht Jochen Hoffnung auf eine neue Generation von Telltale-Spielen.

von Jochen Redinger,
15.12.2016 14:30 Uhr

Vorab: die Telltale-Spiele und ich haben ein schwieriges Verhältnis. Als interaktive Geschichten mag ich The Walking Dead und The Wolf Among Us - Tales from the Borderlands liegt leider noch auf meinem Pile of Shame. Gleichzeitig fiel es mir mit jedem weiterem Titel schwerer, die Kluft zwischen der vollmundigen Ankündigung der großen Konsequenzen und ihren Auswirkungen in den Spielen auszublenden.

Mein persönlicher Tiefpunkt war Game of Thrones: A Telltale Game Series, weil es mir am deutlichsten unter die Nase reibt, wie wenig sich der größere Story-Verlauf um meine Entscheidungen schert, indem sie durch Deus-Ex-Machina-Momente am Ende der Episoden einfach ausgehebelt werden.

Ende schlecht, alles schlecht? Game of Thrones: A Telltale Game Series im Test

Das war auch der Grund, warum ich gegenüber Batman: The Telltale Series seit der Ankündigung skeptisch war. Ich wollte nicht noch ein Feld, in dem ich mich als Fan wohlfühle, an die fragwürdigen Twists der Telltale-Geschichtenerzähler verlieren! Aber im Gegenteil: Batmans Kampf um sein Gotham hat mich nicht enttäuscht, sondern sogar wieder Hoffnung für Telltale schöpfen lassen!

Der Autor
Jochen ist in Sachen Batman vielleicht nicht so bewandert wie die Comic-Nerds Dimi oder Michi, ist dafür aber als mindestens genauso hart wie Judge Dredd bekannt. Gerechtigkeit in Spielen ist für ihn ein großes Thema, inhaltlich und mechanisch. Wer Entscheidungen anpreist, sollte also besser dafür sorgen, dass die sich im Spiel dann glaubwürdig (!) auswirken! Kein Wunder, dass ihn mit den Telltale-Spielen eine innige Hassliebe verbindet.

Ein neuer Batman, ein neuer Anfang

Steckt Bruce Wayne hinter der Bat-Maske oder ist es umgekehrt? Die Frage nach Batmans Identität ist eins der zentralen Motive des Spiels.Steckt Bruce Wayne hinter der Bat-Maske oder ist es umgekehrt? Die Frage nach Batmans Identität ist eins der zentralen Motive des Spiels.

Das beginnt schon mit der Lebensgeschichte des Fledermausritters, die angenehm von der in den Comics und Filmen abweicht. Der Playboy-Lebensstil mit der geheimen Identität bleibt, Bruce mischt sich jedoch auch aktiv in die Politik Gothams ein - oder versucht es zumindest, bis die Vergangenheit seiner Familie das Bild der Waynes effektvoll entgleisen lässt.

Das mag seltsam klingen, aber mehr Bruce tut Batman gut! Die Freundschaft zu Harvey Dent, die Verstrickungen in die Politik und die Aufsichtsratsspielchen bei Wayne Enterprises, das alles ist in anderen Batman-Umsetzungen nur Füllmaterial. Hier hingegen macht es mir großen Spaß, ohne Kampfanzug die alltäglichen Gotham-Probleme zu lösen.

An manchen Stellen geht das Spiel sogar einen Schritt weiter und lässt uns die Wahl, ob wir eine Situation als Bruce oder Batman angehen. Das ändert natürlich die Herangehensweise, weil wir uns ohne Bat-Technologie auf Menschenkenntnis und Gesprächsgeschick verlassen müssen, wo wir andernfalls einfach mit dem Batarang und den Fäusten die Lage geklärt hätten. Diese »Batman oder Bruce«-Sequenzen erhöhen auch den Wiederspielwert enorm.

Wie viel Spiel steckt drin?
Abseits der Telltale-typischen Quicktime-Events, die diesmal dank häufigerer Aktionen und mehr Tasten spannender und dynamischer inszeniert ausfallen als bei Batmans Cousins, arbeiten wir an Tatorten immer im dem Detektiv-Modus. Darin lassen sich Objekte verknüpfen und logische Aktionsketten herleiten.

Allzu schwierig ist das nie, die Spurensuche macht aber durchaus Spaß. In manchen Kampfsequenzen verknüpfen wir QTE und Detektivmodus auch miteinander, um mehrere Gegner mithilfe der Umgebung schnell unschädlich zu machen. Auch spielerisch ist Batman: The Telltale Series also besser als seine Vorgänger.

Endlich Entscheidungen

Die Interaktionen zwischen Batman und der übrigen Gotham-Prominenz sind interessant und ziehen uns wirklich in die Geschichte.Die Interaktionen zwischen Batman und der übrigen Gotham-Prominenz sind interessant und ziehen uns wirklich in die Geschichte.

Hinzu kommt, dass die Entscheidungen, die ich Telltale-typisch treffen muss, wirklich etwas verändern und sich authentisch anfühlen. Vor allem beim Versuch, die Vergangenheit der Waynes zu ergründen und gleichzeitig nicht zum Buhmann der gesamten Stadt zu werden, musste ich mich immer wieder zusammenreißen, kluge politische Schachzüge nicht durch aufschäumende Emotionen zu verderben, genau wie Bruce im Spiel.

Auch die Interaktionen mit den anderen Figuren wirken glaubwürdiger als früher, weil sie nicht von jetzt auf gleich eine geskriptete Wendung durchlaufen, die alle meine früheren Bemühungen zunichte macht. Klar, es gibt auch Momente, an den die Geschichte ohne viel Zutun meinerseits ihren Lauf nimmt, aber innerhalb der Situation kann ich dennoch meinem größeren Bild von Bruce und Batman folgen. Je nachdem wie ich mich entscheide, sind komplette Abschnitte des Spiels im Anschluss anders!

Warnung: der folgende Absatz enthält Spoiler

Am deutlichsten wird das in der Dreiecksbeziehung zwischen Bruce, Harvey und Selina. Während sich Harveys Zukunft als geisteskranker Two-Face abzeichnet, kann ich trotzdem bis zum Schluss versuchen, zum »echten« Harvey durchzudringen und sogar bereits relativ früh im Spiel verhindern, dass sein Gesicht durch die ikonischen Narben entstellt wird! Ich habe meinen Freund Harvey Dent nie aufgegeben und das Spiel hat mich darin nie behindert!

Am Ende hat es Batman: The Telltale Series geschafft, dass ich sogar entgegen meiner Gewohnheit unbedingt wissen will, wie sich die anderen Entscheidungen wohl auf das Spiel ausgewirkt hätten. Ein zweiter Durchlauf steht also irgendwann über die Weihnachtsfeiertage bevor, verknüpft mit der Hoffnung, dass Telltale diesem Weg auch für das neu angekündigte Guardians of the Galaxy: The Telltale Series treu bleibt, denn à la Batman können sie mir ihre Spiele gern servieren!

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