Bayerns Innenminister hetzt erneut gegen Computerspiele - »Stehen auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie«

Im Vorfeld der Verleihung des Deutschen Computerspielepreis hat der bayerische Innenminister Joachim Herrmann die Ächtung von bestimmten Computerspielen gefordert.

von Rene Heuser,
01.04.2009 12:44 Uhr

Eigentlich sollte die gestriege Verleihung des von der Bundesregierung ausgelobten ersten Deutschen Computerspielpreises eine harmonische Zusammenkunft der Politik und Spieleindustrie werden. Jedoch nutzte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erneut die Gelegenheit, um gegen die Branche zu wettern und die so genannten »Killerspiele« an den Pranger zu stellen.

»Killerspiele widersprechen dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft und gehören geächtet. In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand in Frage stellt«, heißt es in einer Pressemitteilung vom 31. März.

»Ich fordere die Computerspielbranche auf, den schönen Worten endlich Taten folgen zu lassen und auf Herstellung und Vertrieb von Killerspielen in Deutschland freiwillig zu verzichten. Killerspiele gehören bislang zu den intensiv beworbenen Hauptumsatzträgern der Branche. Mit derartiger Tötungstrainingssoftware, die zum Beispiel von der US-Army zur Vorbereitung von Soldaten auf Kampfeinsätze verwendet wird, dürfen in Deutschland keine Geschäfte mehr gemacht werden«, wird Herrmann zitiert.

Für Herrmann sei es wissenschaftlich klar erwiesen, dass der andauernde Konsum derartiger Spiele, in denen Gewalt und Brutalität anders als bei Filmen aktiv ausgeübt und gesteuert wird, die Gewaltbereitschaft fördert und die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, verkümmern lasse. »Damit sind derartige Spiele eine der Ursachen für die erschreckende Jugendgewalt und auch für Amokläufe, in den Szenen aus Killerspielen in die Realität übertragen werden.« Mit großer Sorge sehe Herrmann auch die Suchtgefahr, die von derartigen Spielen ausgeht, heißt es weiter. »Immer mehr Kinder und Jugendliche versinken täglich stundenlang in dieser virtuellen Gewaltwelt. Für Schule und Ausbildung haben sie keine Zeit mehr und drohen, so für unsere Gesellschaft verloren zu gehen. Leider haben viele Eltern überhaupt keine Vorstellungen davon, welchen dauerhaften Schaden ihre Kinder hier nehmen«.

Killerspiele müssen geächtet werden"Killerspiele müssen geächtet werden"

Herrmann hat bereits in den vergangenen Jahren mehrfach das Herstellungs- und Verbreitungsverbot von bestimmten Computerspielen gefordert. Auch sein Vergleich von »Killerspielen«, worunter wohl alle aktuellen Ego-Shooter wie Counter-Strike, Far Cry 2, Crysis oder Call of Duty 4 fallen dürften, mit Kinderpornografie ist nicht neu. Dabei übernimmt der CSU-Politiker regelmäßig die Forderungen und Erklärungsansätze von Professor Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen, der zu den bekanntesten Computerspiele-Kritikern gehörte.

Neu bei Herrmann ist jedoch die Erwähnung der Suchtproblematik und der Drogen-Vergleich im Zusammenhang mit Computerspielen. Dies dürfte eine direkte Auswirkung auf die kürzlich von Pfeiffer vorgestellte Jugendstudie sein, die herausgefunden haben will, dass zehntausende Jugendliche in Deutschland spielsüchtig (vor allem nach World of Warcraft) sind. Dass selbst das KFN gewalthaltige Spiele und suchgefährdende Spiele nicht in einen Topf wirft, scheint Herrmann da egal zu sein. Im Kampf gegen »Killerspiele« scheint mittlerweile jedes Argument und Mittel recht zu sein.


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