Black Death - Die Nekromantie in den Zeiten der Pest

Sean Bean macht sich in Mittelalter-Streifen Black Death auf die Suche nach einem Nekromanten, um den Schwarzen Tod zu bekämpfen.

von Christian Mester,
10.09.2010 14:30 Uhr

Als Ex-Bond Bösewicht Sean Bean das letzte Mal mit Schwert und Schild durch die Gegend rannte, half er noch Achilles, Troja zu erobern. 2010 ist das sechs Jahre her. Genau so lange wie das Filmdebüt des Regisseurs seines neuen Films, Christopher Smith, der sich damals mit dem gruseligen Creep als interessanter Neuling vorstellte.

Es folgten Severance - Blutiger Betriebsausflug und Triangle - Die Angst kommt in Wellen. Beides Filme, die unter Genre-Fans für Aufmerksamkeit sorgen konnten. Black Death hat nun zwar auch seine schaurigen Elemente, ist aber erstmals kein Horrorfilm. Das Schaurigste darin ist das Zeitalter selbst, in dem an jeder Ecke fiese Raubmörder lungerten und die todbringende Pest die Bevölkerung dahinrafft. Fünf Monate nach Robin Hood also der nächste Mittelalterfilm, allerdings hatte Smith für sein Werk gerade einmal den Bruchteil des Budgets der Mammutproduktion zur Verfügung. Trotzdem liefert er hier einen spannenden Ritter-Thriller ab.

Die Story

Im Jahre 1348 steht der junge Mönch Osmund (Eddie Redmayne) vor einem Dilemma. Einerseits weiß er die sicheren Mauern seines Klosters zu schätzen, andererseits muss er eiligst hinaus. Eine hübsche junge Frau schwebt in Lebensgefahr, da es in der Gegend gerade in wird, Frauen Hexen zu nennen und sie grausame Tode sterben zu lassen – man sucht Sündenböcke für die vielen Pestopfer. Da es sich bei dem Mädchen um seine heimliche Freundin handelt, ergreift er demnach die erstbeste Gelegenheit, das Kloster verlassen zu dürfen.

Als Wegweiser für ein paar vorbei ziehende Ritter hilft er diesen durch den tiefen Wald, nur um sich kurz darauf alleine abzusetzen. Am vereinbarten Treffpunkt findet Osmund jedoch nur noch blutverschmierte Kleidungsfetzen seiner Freundin, worauf er verzweifelt aufgibt und den Kämpfern seine Treue schwört. Unter der Führung des rauen Ulrich (Sean Bean) beabsichtigen die Männer, einen berüchtigten Nekromanten zu fangen, der in der Lage sei, Tote wieder zum Leben zu bringen.

Moloch Mittelalter

Am ehesten lässt sich Black Death wohl als Ritterfilm mit Mystery-Elementen beschreiben, da es lange Zeit unklar bleibt, ob die übernatürlichen Elemente des Totenerweckers und der Hexerei nun wahr sind oder nicht.

Smith spielt sehr geschickt mit den Erwartungen und spannt seine Zuschauer lange effektvoll auf die Folter. In erster Linie wird diese Spannung durch den finsteren Ton des Films geschaffen, da Smith sich darauf konzentriert, die Welt dieser Epoche möglichst realistisch darzustellen. Tod und Verderben lauern hier sichtlich an jeder Ecke, was angenehm unbequem und sehr atmosphärisch inszeniert ist.

Gleichermaßen weiß aber auch die Story selbst zu überzeugen, die bis zum spannenden Finale gelungen unvorhersehbar bleibt. Smith jongliert dabei mit Elementen mehreren Genres, indem er mal dramatisch, mal actionreich, mal schaurig oder auch nachdenklich wird. Was auch passiert, der Regisseur versucht stets, das Szenario möglichst glaubwürdig darstellen, was auch selbstredend Einfluss auf die Action hat.

Ganz nah dran

In nahezu jedem Film mit Männern mit Schwertern treffen irgendwann zwei verfeindete Parteien aufeinander, bis von den einen irgendwann nicht mehr viel übrig ist. Das ist natürlich auch in Black Death der Fall, und wer Smiths vorherige Filme kennt, weiß längst, dass der Brite gescheites Blutvergießen auf der Leinwand nicht scheut. Überraschenderweise wälzt sich der Film jedoch keine Minute lang in ausschweifenden Gewaltorgien. Die verschiedenen Auseinandersetzungen sind zwar hart, werden jedoch relativ stumpf und trocken dargestellt. Smith versucht möglichst nichts zu verherrlichen oder zu romantisieren, weswegen es in diesem Fall keinerlei lässige Oneliner oder nur vermeintlich cool anmutende Kämpfe gibt.

Black Death - Bilder ansehen

Das Poster des Films ist etwas irreführend, zeigt es doch mit Sean Bean (Herr der Ringe) den wohl bekanntesten Darsteller des Films, aber eben nicht den eigentlichen Hauptdarsteller, den jungen Eddie Redmayne. Als ängstlicher Mönch mit ständigen Gewissensbissen macht Redmaynes Figur eine interessante Entwicklung durch, die den gesamten Film trägt. Smith spielt hier geschickt mit Glaubensfragen, Aberglaube und packender Mystery. Bean und seine Gefährten bleiben hingegen Nebenfiguren, überzeugen aber als raubeinige Recken, die ihre Menschlichkeit trotz der schwierigen Umstände bewahren konnten.

Fazit

Christian Mester (bereitsgesehen.de): Nach dem Tamtam-Mittelalterfilm Robin Hood ist Black Death zwar merklich kleiner, muss sich aber dennoch keineswegs verstecken. Spannend, atmosphärisch und gut gespielt, ist der Film ein Pflichtbesuch für jeden, der authentisch wirkende Schwert- und Schildfilme mag.


Kommentare(27)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.