Bloodline: Champions - Arena-Action ohne Rollenspiel-Schnickschnack

Bloodline: Champions zelebriert erbitterte und wilde Arena-Kämpfe, in denen nichts dem Zufall überlassen wird. Klingt erst mal spannend. Aber reicht dieses Konzept, um einen eigenständigen Titel auf Dauer unterhaltsam zu machen?

von Nico Stockheim,
26.11.2010 10:00 Uhr

Ist es das? Das Erfolgsrezept für einen neuen Stern am Online-Himmel? Grundlage ist eine Brühe aus World of Warcraft -Arena mit einem Schuss Age of Conan -Kampfdynamik. Abgeschmeckt mit einer ordentlichen Portion Defense of the Ancients (DotA) und angerichtet in einer isometrischen Perspektive à la Warcraft 3 : Bon Appetit – Bloodline: Champions ist serviert! Entwickelt wird das durchaus schmackhafte Konzept von den jungen und ambitionierten Entwicklern des Studios Stunlock aus Schweden. Das ist übrigens erst im Mai 2010 von Hochschulabsolventen der Universität Skövde gegründet worden.

16 Heldenklassen und strikte Vorgaben

Im Grunde bietet Bloodline: Champions nicht viel Neues. Trotzdem ist das Online-Gekloppe überraschend unterhaltsam; ein Titel vor allem für PvP-Fans. Stunlock hat etablierte, erfolgreiche Konzepte und aktuelle Ideen im Erstlingswerk vereint und sorgt durch das geradlinige Spieldesign für faire und ausgeglichene Spielerduelle. Zwar gibt es gibt theoretisch auch die Möglichkeit allein gegen Computergegner zu spielen, Spaß und Lerneffekt bleiben dabei aber schnell auf der Strecke.

Mit einer gezielten Attacke den Gegner ausschalten und gewinnen. Der ideale Verlauf einer Runde Bloodline: Champions.Mit einer gezielten Attacke den Gegner ausschalten und gewinnen. Der ideale Verlauf einer Runde Bloodline: Champions.

Gerade zu Beginn empfiehlt es sich erst einmal selbst Multiplayer-Partien zu erstellen, oder denen von Mitspielern beizutreten. Das Credo für Einsteiger lautet nämlich: Erfahrung sammeln und die Vielfalt der Klassen kennen lernen. Denn nur wer sowohl die eigenen Fähigkeiten, als auch die der Gegenspieler kennt und sich und seine Mitstreiter darauf einstellen kann, wird letztendlich in Ranglisten-Spielen erfolgreich sein.

In Bloodline: Champions haben wir die Auswahl zwischen 16 Heldenklassen (weitere vier sind bereits für eine Premium-Edition, beziehungsweise den Online-Shop angekündigt). Diese 16 Klassen, »Bloodlines« genannt, unterteilen sich in flinke Nahkämpfer, robuste Tanks, Fernkämpfer und Heiler. Jede Klasse hat dabei sieben einzigartige Fähigkeiten, die sich in Wirkung und Anwendungsweise jedoch zum Teil ähneln.

So hat zum Beispiel jede Klasse die Fähigkeit schnell aus brenzligen Situationen zu entkommen, sei es ein Rocket Jump oder Teleportationszauber. Unsere Bloodline wählen wir vor jedem Match (dauert je nach Einstellung unterschiedlich viele Runden) neu. Heißt: Wir müssen uns nicht wie bei Online-Rollenspielen üblich auf einen Charakter festlegen und diesen leveln und ausrüsten.

Gute Balance schon in der Beta

Vor jedem Spiel darf man sich eine von 16 Klassen (Bloodlines) aussuchen.Vor jedem Spiel darf man sich eine von 16 Klassen (Bloodlines) aussuchen.

Die Klassenvielfalt von Bloodline: Champions reicht zwar nicht an die eines DotA heran, kann uns aber durch seine Vielfalt überzeugen. Vor allem der Ausgewogenheit des Spiels scheint das sehr gut zu tun. Abgesehen von ein paar Ausnahmen finden wir aktuell alle Charaktere regelmäßig in den Matches wieder, was für ein ausbalanciertes Kräfteverhältnis spricht. N

ach unserer Einschätzung gibt es allerdings im Moment ein paar Klassen, die etwa zu mächtig geraten sind und dementsprechend auch häufiger gespielt werden. Darunter die zierliche »Gunnerin«, die mit ihren Attacken zum einen unheimlich viel Schaden austeilen und zum anderen die Gegner durch Blenden, Verlangsamen und Lähmen, kontrollieren kann.

Der besondere Clou in der Spielmechanik liegt darin, Angriffe gezielt auszuführen. So trifft beispielsweise der Feuerball des »Igniters« nicht automatisch sein Ziel. Wir müssen genau im richtigen Moment mit dem Mauszeiger die Richtung angeben. Das ist durchaus eine Herausforderung, denn oft müssen wir etwas vorhalten und gleichzeitig gegnerischen Attacken ausweichen, das hält in Bewegung.

Außerdem lässt sich mit diesem System das Gelände geschickt einsetzen. Wenn wir einen Gegner hinter einer Säule verschwinden sehen, nehmen wir die andere Seite des Pfeilers schon mal unter Feuer – schließlich ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er hier gleich wieder auftaucht.

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Kein Zufall, alles Können

Die Entwickler verzichten (fast) völlig auf Zufallsfaktoren. Das fängt mit dem Weglassen einer Charakter-Individualisierung an. Alle Vertreter einer Bloodline verfügen über dieselben Werte, Attribute und Fähigkeiten. Dazu kommt der feste Schadenswert von Attacken, es gibt weder Schadensreichweiten noch kritische Treffer. Auch Mana oder ähnliche Ressourcen für Zauber oder Fähigkeiten sucht man vergebens, alle Fertigkeiten haben feste Abklingzeiten und können danach direkt wieder benutzt werden.

Mit dem Rocket Jump springt die Gunnerin über die Schlucht und bringt sich damit (erst einmal) in Sicherheit.Mit dem Rocket Jump springt die Gunnerin über die Schlucht und bringt sich damit (erst einmal) in Sicherheit.

Lediglich die sogenannten ultimativen Fähigkeiten jeder Klasse (zum Beispiel der mächtige Raketenwerfer der Gunnerin) lassen sich erst aktivieren, wenn wir eine Art Combo-Anzeige (ähnlich den Balken bei Prügelspielen) aufgeladen haben.

Diese Skala füllt sich automatisch, wenn wir Fähigkeiten benutzen oder leuchtende Kugeln aufsammeln, die immer wieder auf der Karte erscheinen. Bei Bloodline: Champions kann sich also niemand hinter mächtiger Ausrüstung verstecken oder auf sein Glück verlassen. Hier ist Können gefragt!

Nachdem wir uns langsam mit dem Spiel vertraut gemacht haben, sind wir bereit für unsere ersten Ladder-Spiele. Da wir bereits einige Spiele bestritten haben, sind wir bereits in Rang und Level gestiegen. Das Spiel kann uns nun mit Hilfe des Matchmaking Systems ungefähr gleich starke Gegner zuweisen. In der Beta-Phase funktioniert das allerdings mitunter eher bescheiden. Oft finden wir uns in scheinbar aussichtslosen Situationen wieder, weil unsere Gegner teilweise einige Ränge über uns eingestuft sind.

Neben den normalen Arenakämpfen (Last Team Standing), bietet Bloodline: Champions auch noch einen »Domination« -Modus, in dem Sie bestimmte Punkte auf der Karte erobern müssen, und eine »Capture the Flag«-Variante mit Artefakten. Das Spiel befindet sich mittlerweile bereits in der dritten Beta-Phase und die Open-Beta-Phase für Vorbesteller startet Anfang Dezember. Endgültig erscheinen wird Bloodline: Champions voraussichtlich Ende 2010 oder Anfang 2011.


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