Brütal Legend - Preview: Heavy Metal trifft Monkey Island

Wie kein Zweiter steht Designer-Legende Tim Schafer für knackscharfen Humor in Computerspielen. Mit seinem neuesten Streich wird er diesem Ruf mehr als gerecht. Unsere Preview verrät weshalb.

von Daniel Matschijewsky,
04.05.2009 15:21 Uhr

Wussten Sie, dass Tim Schafer eigentlich Schäfer heißt? Der Mann, der für zeitlos-grandiose LucasArts-Adventures wie Monkey Island und Day of the Tentacle verantwortlich zeichnet, hat deutsche Wurzeln. Doch die US-Ämter haben ihm einst die beiden Punkte über dem A geklaut; schließlich gibt es in der englischen Sprache keine Umlaute. »Das war der Grund, warum ich mein Spiel Brütal Legend genannt habe«, kommentiert Tim diese bürokratische Hürde, begleitet von einem breiten Grinsen.

Ganz klar: Hier ist ein Scherzkeks am Werk. Mit entsprechend freudiger Erwartung werfen wir bei Electronic Arts in London einen ersten Blick auf Brütal Legend. Lange haben wir nicht mehr so viel gelacht.

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Highway to Hell

Ein Gitarrengott, wie er im Buche steht: Mit seiner Klampfe namens Clementine schleudert Eddie sogar mächtige Blitze.Ein Gitarrengott, wie er im Buche steht: Mit seiner Klampfe namens Clementine schleudert Eddie sogar mächtige Blitze.

Eddie Riggs, der Held des Spiels, ist ein Roadie der alten Schule: Lederklamotten, lange Haare, nie um einen lockeren Spruch verlegen. Und er ist ein Genie an der E-Gitarre. Doch sein Traum vom Leben als Musiker mit eigener Band und Bühnenarbeiter-Crew wird jäh zerstört, als ihn seine Gürtelschnalle (!) in ein skurriles Parallel-Universum zieht. Totenköpfe, baumhohe Schwerter, die aus dem Boden ragen und düstere Wolken, die über scharfkantige Berghänge ziehen - hier regiert der Metal.

Bevor Eddie realisiert, was ihm da gerade widerfährt, greifen Skelette an - und die tragen Kutten! Glück für den Roadie, dass neben ihm (total zufällig) eine Zweihand-Axt liegt, die er den Untoten kurzerhand über die Schädel zieht. »Jungs, ihr habt ’ne echt miese Einstellung.« Dann überschlagen sich die Ereignisse: Ophelia, eine attraktive junge Dame, taucht auf, erzählt vom fiesen Dämonenkönig Doviculus und einer menschlichen Widerstandsbewegung, die der Schreckensherrschaft ein Ende setzen will - selbstverständlich mithilfe fetziger Rockmusik. Wenn das nicht nach einer Aufgabe für Eddie klingt.

Symphony of Destruction

Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht, denn plötzlich tauchen weitere Skelette auf. In einer ebenso furios geschnittenen wie witzig animierten Filmsequenz hüpfen Eddie und Ophelia auf ein Trike und flüchten über eine knochengesäumte Brücke. Dann überlässt man uns das Steuer: Während am Himmel ein Gewitter tobt, weichen wir einstürzenden Pfeilern aus, hüpfen über Schanzen und fahren Gegner platt, begleitet von treibenden Metal-Riffs und Eddies sarkastischen Kommentaren, gesprochen vom US-Schauspieler Jack Black (School of Rock, King Kong).

Ziel der rasanten Fahrt ist Bladehenge, die Basis der unterdrückten Menschen. In der Camping-Anlage mit dem Charme eines provisorisch hochgezogenen, schäbigen Backstage-Bereichs mutiert das bislang streng lineare Brütal Legend zum Sandkasten-Spiel der Marke GTA: Eddie kann die Gegend frei erkunden und sich nach Missionen umschauen - Freiheit wir kommen! Doch es gibt ein Ziel: Widerstandskämpfer für den Rock-Krieg gegen Doviculus gewinnen.

Master of Puppets

KI-Kollegen wie diesen Headbangern können wir rudimentäre Befehle erteilen. KI-Kollegen wie diesen Headbangern können wir rudimentäre Befehle erteilen.

Unser erster Rekrutierungsauftrag führt uns in eine Mine, wo versklavte »Headbanger« Erz abbauen, indem sie ihre Köpfe gegen den Fels hämmern. Um die Burschen zu inspirieren, drücken wir die entsprechende Taste auf dem Gamepad, worauf Eddie seine Gitarre zückt und ein Solo schmettert. Jeder Headbanger in der Umgebung legt daraufhin die Arbeit nieder, kommt kopfnickend angelaufen und kämpft künftig an der Seite unseres Roadies.

Ähnlich wie in Overlord können wir den Burschen nun rudimentäre Befehle erteilen, etwa zu einem bestimmten Punkt zu rennen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen oder Feinde zu attackieren. Aber auch Eddie selbst darf kräftig mit der Axt zuhauen oder Blitze aus seiner Gitarre schleudern. Das Kampfsystem erinnert entfernt an Devil May Cry 4, fällt aber weniger komplex aus. Immerhin erlernt Eddie mit der Zeit neue Nah- und Fernkampf-Kombos. Zudem vergrößert er seine Armee im Spielverlauf mit weiteren KI-Helfern, die jeweils andere Talente besitzen. Diese will Tim Schafer aber bislang noch nicht verraten.

Brave New World

Eddie kann die Spielwelt frei erkunden, natürlich auf dem getunten Trike.Eddie kann die Spielwelt frei erkunden, natürlich auf dem getunten Trike.

Brütal Legend macht ein halbes Jahr vor seiner Fertigstellung bereits einen hervorragenden Eindruck. Die Spielwelt ist so abgedreht wie detailverliebt, die Charaktere (wie etwa der blonde Menschenanführer Lars Halford) punkten mit überzeichneten Klischees, und Eddie lässt reihenweise urkomischer Sprüche vom Stapel. Auch die uns gezeigten Missionen machen durch viel Abwechslung und Ideenreichtum eine Menge Spaß.

Es bleibt allerdings abzuwarten, ob der Entwickler Double Fine (Psychonauts) dieses hohe Niveau auch im Rest des Spiels halten und die große Welt adäquat füllen kann. Bislang ist Brütal Legend übrigens lediglich für Konsolen angekündigt. Doch wir verwetten alle Pünktchen und Strichelchen für sämtlich Üs, Ös und Äs auf unseren Tastaturen, dass das neueste Werk des Monkey Island-Erfinders seinen Weg nach Hause findet - auf den PC.


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