Cayne - Was taugt das kostenlose Horrorspiel der Stasis-Macher?

Cayne lässt mich als Schwangere schreckliche Dinge erleben, aber zwischendurch leider auch vergessen, dass ich schwanger bin. Trotzdem lohnt sich die kostenlose Episode für Fans von Stasis.

von Elena Schulz,
07.02.2017 12:52 Uhr

Stasis: Cayne - Gameplay-Trailer zum kostenlosen Stand-Alone-DLC 1:18 Stasis: Cayne - Gameplay-Trailer zum kostenlosen Stand-Alone-DLC

Caynes Prämisse und der Auftakt des Point&Click-Adventures lassen mich erschaudern: Das liegt zum einen an den wirklich gekonnt gespielten Panikschreien der Hauptfigur, zum anderen aber auch an der Vorstellung, dass ihr gleich das ungeborene Kind aus dem Leib geschnitten werden soll - Hadley ist schwanger und den Grausamkeiten der Cayne Corporation scheinbar hilflos ausgeliefert.

Eine hochschwangere Protagonistin ist für mich interessant, ist sie doch körperlich eingeschränkt. Das erfordert ein Umdenken erfordert, aber sorgt eben auch für einen besonders emotionalen Zustand bei der Heldin und damit vielleicht auch ungeahnte Kraft. Hadley kämpft, um ihr Kind zu retten.

Das hat mich neugierig auf Cayne gemacht, obwohl ich Stasis selbst nicht gespielt habe. Zur Erklärung: Cayne ist eine kostenlose Zusatzepisode zum Horrorspiel, das gerade auf Steam reduziert ist - für noch günstigere 7,99 Euro gibt es das Spiel außerdem DRM-frei auf GOG. Wer also Interesse am Horror-Komplettpaket hat, sollte es mir gleichtun und jetzt zu schlagen.

Das Prequel Cayne eignet sich hervorragend als Schnupper-Episode - ich hatte zumindest auch so viel Spaß mit dem rund zweistündigen Horror-Adventure und das, obwohl es klare Macken hat. Eine davon ist ausgerechnet die Schwangerschaft, die mich überhaupt auf das Spiel aufmerksam werden ließ.

Stasis - Testvideo: Zu Anfang großartig, später mies 6:10 Stasis - Testvideo: Zu Anfang großartig, später mies

Hormonchaos garantiert?

Während die zu Anfang nämlich noch groß thematisiert wird, als ich Hadleys Situation kennenlerne, geht sie im Spielverlauf immer mehr unter. Würde Hadley nicht hin und wieder erwähnen, dass sie ja ein Kind bekommt oder einen dicken Bauch zur Schau tragen, könnte man es glatt vergessen.

Immerhin hüpft die Schwangere brav irgendwelche Schächte hinunter, löst Rätsel und zeigt dabei nie ein Anzeichen von Müdigkeit oder Schwäche. Dabei muss sie Maschinen reparieren, Generatoren überlasten, Feuer löschen und scheinbar zusammenhangslose Gegenstände mühsam im Inventar zusammenbasteln, um aus der Forschungsanlage zu entkommen.

Die Art, wie sie das Geschehen kommentiert, ist dabei oft amüsant, oft aber auch völlig deplatziert - während Hadley missglückte Gen-Experimente, verblutende Leichen und Organ-Schnodder sieht, witzelt sie über die unpassende Tapete der Forschungseinrichtung. Das stört leider die sonst meisterhafte Atmosphäre. Allein derer wegen, würde ich Cayne Horror-Fans trotzdem empfehlen.

Auch wenn Geschichte und Figuren wie bei Stasis wirr und überzeichnet rüberkommen und die Rätsel nicht selten merkwürdige Dimensionen annehmen, die sich nur via Trial & Error erkunden lassen - Cayne gelingt es trotz 2,5-D Isoperspektive immer wieder, mir Schauer über den Rücken zu jagen.

Cayne - Screenshots ansehen

Keine Tabus

In verstreuten PDAs lese ich über das völlig tabulose Forschungsteam, das Menschen ohne Gewissensbisse für seine Zwecke missbraucht. Sie werden zu missgebildeten Kreaturen herangezüchtet, gefoltert, neu zusammengebaut und Teil dieses grotesken Horrorkabinetts.

Selbst sympathische Figuren sind oft nicht das, was sie zu sein scheinen. Cayne reibt mir bei jeder Gelegenheit rein, dass ich hier keine Freunde und eigentlich nicht einmal eine Chance habe. Lediglich eine geisterhafte Stimme begleitet mein Handeln und erinnert mich immer wieder daran, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Für mein Kind und die Familie, die es verdient.

Wenn ich also durch die detailiert gestaltete Einrichtung husche, panisch nach einem Weg hinaus suche und immer wieder neue Schrecken entdecke, funktioniert Cayne tatsächlich. In den Gesprächen mit der seltsamen Stimme berührt es mich manchmal sogar und auch die Zwischensequenzen sind überraschend aufwendig und stimmungsvoll.

Vor allem für eine Probierpackung macht Cayne so etwas her. Damit sehe ich das Spiel eher wie eine Demo - kostet ja nichts. Und jetzt habe ich tatsächlich Lust auf Stasis bekommen - trotz Trash-Faktor - und bin neugierig auf das neue Projekt vom Indie-Studio The Brotherhood. Beautiful Desolation ist gerade auf Kickstarter zu finden und wirbt mit einem postapokalyptischen Afrika - natürlich nicht ohne verstörend mutierte Tiere.

Beautiful Desolation - Cinematic Trailer zeigt postapokalyptische Welt des Tribal-Punk-SciFi-Adventures 1:47 Beautiful Desolation - Cinematic Trailer zeigt postapokalyptische Welt des Tribal-Punk-SciFi-Adventures


Kommentare(11)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.