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Computerspiele in der DDR - Teil 2: Spiele für die Stasi

In der DDR erblüht eine einzigartige Mischung aus engagierter Hobby-Entwicklerszene und staatlicher Spieleproduktion, die sogar von der Stasi überwacht wird.

von Denis Gießler,
17.05.2017 08:00 Uhr

In der DDR erblüht eine seltsame Mischung aus staatlich gelenkter Spieleproduktion und engagierter Entwicklerszene.In der DDR erblüht eine seltsame Mischung aus staatlich gelenkter Spieleproduktion und engagierter Entwicklerszene.

Das politische System der DDR basiert auf der Ideologie des Sozialismus. Er gilt als »einzig richtige Weltanschauung in allen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen«, erklärt der Historiker Jürgen Kocka. Er bezeichnet das System auch als »Erziehungsdiktatur«, in der jeder Einzelne umerzogen werden solle, damit eine neue, sozialistische Gesellschaft entstehe. Wer nicht mitmachen will, wird gezwungen.

Im Computerclub - hier im Haus der deutschen Jugend (HdjT) in Berlin treffen sich Technikfreunde. Hier erklärt ihnen ein Experte, wie man mit dem C64 einen Roboterarm steuert. (Bild: Stefan Paubel)Im Computerclub - hier im Haus der deutschen Jugend (HdjT) in Berlin treffen sich Technikfreunde. Hier erklärt ihnen ein Experte, wie man mit dem C64 einen Roboterarm steuert. (Bild: Stefan Paubel)

»In Bildungsinstitutionen wie Kindergärten, Schulen oder Universitäten waren die Menschen diesem politisch-ideologischen Anspruch ausgesetzt«, sagt Kocka. Auch Computerspiele sollen die Ideologie durchsetzen. In nahezu allen Pionierhäusern, FDJ-Jugendklubs und Schulen stehen Computer, die Spielkonsole BSS 01 oder der 1986 entwickelte Arcade-Automat PolyPlay.

»Auf dem 7. Pioniertreffen in Karl-Marx-Stadt wurden sogar von Arbeitsgemeinschaften programmierte Spiele öffentlich ausgestellt, um die Leistungsfähigkeit der KC-Reihe zu demonstrieren«, fand Jens Schröder bei seinen Recherchen heraus.

Die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) nimmt Computerspiele 1987 sogar in ihren Dachverband auf. Die GST ist eine vormilitärische Massenorganisation mit ideologischen Einfluss, die vor allem Jugendliche ans sozialistische Feindbild - den Westen als »kapitalistisch-imperialistischen Klassenfeind« - gewöhnen soll.

1987 richtet die GST im Radiosportverband den Bereich Computersport ein, regelmäßig werden sogenannte Programmierolympiaden veranstaltet. Zugleich warnen Horst Völz und Gerd Hutterer auf der wissenschaftlichen Konferenz in Halle ausdrücklich vor »westlichen« Spielen, die angeblich »Suchterscheinungen, Phantasielosigkeit und Aggressivität fördern«.

Der Wissenschaftler Frank Hille proklamiert, dass Westspiele durch die »inzwischen hervorragenden Möglichkeiten für Grafik, Animation und Sound offen zur ideologischen Manipulation verwendet werden«. Den offensichtlichen Widerspruch, dass die DDR selbst ihre eigenen Spiele zur ideologischen Manipulation verwendet, ignorieren die Forscher.

Spiele aus der DDR, Teil 1
Trotz der schwächeren Technik erblühte in der DDR eine engagierte Entwicklerszene, deren Ursprünge und Spieleprojekte wir im ersten Teil unseres Plus-Report beleuchten: Wie entstanden die ersten Ost-Computer? Und wie abenteuerlich lief die Spiele-Entwicklung auf der chronisch knappen Hardware?

Bekannte DDR-Spiele - Diese Spiele entstanden in Ostdeutschland ansehen