Counter-Strike - Kontroverse um Cheater-Rehabilitation: ESL-Statement

Hovik »KQLY« Tovmassian hat 2014 für einen massiven Cheater-Skandal in der Counter-Strike-Szene gesorgt. Nun ist er zurück im aktiven Dienst: Ein französisches Team nahm in wieder auf. Sehr zum Ärger der Community.

von Tobias Ritter,
03.05.2017 12:20 Uhr

Neuer Skandal in Counter-Strike: Global Offensive: Ein bekanntes E-Sport-Team aus Frankreich hat einen überführten Cheater unter Vertrag genommen.Neuer Skandal in Counter-Strike: Global Offensive: Ein bekanntes E-Sport-Team aus Frankreich hat einen überführten Cheater unter Vertrag genommen.

Update vom 3. Mai: Mittlerweile liegt uns eine Stellungnahme der ESL vor. Die E-Sport-Liga erklärt darin ihren Standpunkt zu den Themen KQLY und der generellen Bestrafung von überführten Cheatern.

Wie es heißt, orientiere man sich beim Strafmaß an bewährten Praktiken traditioneller Sportarten. Grundsätzlich belege man jeden überführten Cheater mit einer zweijährigen Sperre. Das sei schon immer so im Regelwerk verankert gewesen und Tovmassian habe sowohl das ihm vorgeworfene Vergehen gestanden als auch die damit einhergehende Strafe akzeptiert.

"Hovik »KQLY« Tovmassian hat zugegeben, dass sein VAC-Ban gerechtfertigt war und er in der Vergangenheit Cheating-Software genutzt hat. Er hat die darauffolgende Strafe durch die ESL (eine zweijährige Sperre) akzeptiert. Da die zwei Jahre nun vorbei sind, wurde die Sperre wieder aufgehoben."

Grundsätzlich freue man sich jedoch über Feedback zum aktuellen Regelwerk. Die sich ständig ändernde E-Sport-Landschaft mache ohnehin regelmäßige Überprüfungen notwendig. Eine faire Bestrafung für die vielen verschiedenen Vergehen zu finden, bezeichnet die ESL als äußerst komplexe Aufgabe. Insbesondere Rückmeldungen von Spielern, anderen Turnier-Organisatoren und E-Sport-Experten wie ESIC schätze man deshalb sehr.

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Ursprüngliche Meldung: Die Counter-Strike-Szene hat in der Vergangenheit bereits einige Skandale generiert - jetzt scheint noch ein weiterer hinzuzukommen: Das professionelle E-Sport-Team Vexed aus Frankreich hat bekannt gegeben, den Spieler Hovik »KQLY« Tovmassian verpflichtet zu haben.

Auf den ersten Blick eine gelungene und sinnvolle Verstärkung: KQLY hat bereits für diverse Top-Teams gespielt und einige größere Turniere gewonnen. Zuletzt war er für die französischen Teams LDLC und Titan aktiv. Zu den größten Erfolgen des später aufgelösten Team Titan gehörte das Erreichen der Top 4 bei der ESL One: Cologne im Jahr 2014.

Bei näherem Hinsehen entpuppt sich die KQLY-Verpflichtung für Vexed aus der Sicht vieler anderer Spieler und einiger Fans jedoch als ziemlicher Fehlgriff: Das Team hat sich mit Tovmassian offensichtlich einen bekannten Cheater angelacht.

Mehr zu den Hintergründen: Cheats, KQLY und das Ende von Titan

2014 wegen Cheating gebannt

KQLY wurde 2014 gebannt, nachdem ihm Betrügereien durch Cheats nachgewiesen werden konnten. Der Spieler war damit über Jahre hinweg von allen wichtigen Turnieren ausgeschlossen, die Valve als Sponsor unterstützte. Da Tovmassian einer der bekanntesten E-Sportler ist, denen je die Nutzung von Cheats nachgewiesen konnte, war das Ganze ein immenser Skandal, der nachhaltig negative Auswirkungen auf die gesamte E-Sport-Szene rund um Counter-Strike: Global Offensive hatte.

Da KQLY seine durch die ESL verhängte Zwei-Jahres-Strafe mittlerweile abgesessen hat, ist es ihm nun jedoch wieder möglich, an größeren ESL-Wettbewerben und -Ligen teilzunehmen. Diese sich bietende Chance nutzte Vexed nun offenbar, muss sich dafür jedoch reichlich Kritik aus der Counter-Strike-Community gefallen lassen.

Widerstand aus den eigenen Reihen

Sogar aus den eigenen Reihen gibt es Widerstand: Zwei der bisherigen Vexed-Spieler teilten in einer ersten Reaktion mit, über die Team-Änderungen nicht informiert worden zu sein. Gleichzeitig kündigte beide an, definitiv nicht mit KQLY in einem Team zu spielen.

Das Management von Vexed reagierte auf diese öffentliche Stellungnahme jedoch völlig anders, als vielleicht von vielen erwartet: Die Teamleitung entfernte die beiden aufbegehrenden Spieler kurzerhand aus der Team-Aufstellung für die kommenden Events. Am umstrittenen Tovmassian hält man weiterhin fest.

Empörte Reaktionen anderer Spieler ließen da nicht lange auf sich warten. Der LDLC-Spieler Ex6TenZ wünschte Vexed in einem sarkastischen Tweet fortan viel Glück bei der Spieler- und Sponsorensuche. Der frühere Team-Liquid-Spieler Hiko fragte sich unterdessen in einem Live-Stream, warum ein überführter Cheater überhaupt wieder Counter-Strike spielen darf. Andere würden für Vergehen wie illegale Ergebnisabsprachene auf Lebenszeit gesperrt.

Mehr dazu: Lebenslanger Bann für Counter-Strike-Ergebnisabsprache

Bei Valve weiter gesperrt

Während die früheren iBuyPower-Spieler wegen Match-Fixing sowohl in der ESL als auch bei Valve und anderen Turnierveranstaltern gesperrt sind, darf KQLY nun mit Vexed also zumindest wieder an ESL-Turnieren teilnehmen. Für von Valve gesponsorte Turniere gilt das nicht: Hier ist KQLY weiterhin ausgeschlossen. Für sein Team kein Problem. Vexed werden ohnehin keine Chancen eingeräumt, jemals an einem von Valve gesponsorten Major-Turnier teilzunehmen.

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Anmerkung der Redaktion:
In einer früheren Version dieser Meldung hieß es, dass KQLY durch eine Regeländerung der ESL wieder aktiv an Turnieren der E-Sport-Liga teilnehmen dürfe. Das ist nicht korrekt. Zwar gab es in der Tat einige Regeländerungen, mit dem Fall KQLY hatten die jedoch nichts zu tun. Richtig ist, dass es für Cheat-Vergehen in der ESL generell einen Zwei-Jahres-Bann gibt. KQLY hat seine Strafe also regulär abgesessen.


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