Das Internet macht aggressiv und infantil - Aber SMS erhöhen das Sprachverständnis

Neue Studien, die sich teilweise widersprechen, behandeln neue Technologien.

von Georg Wieselsberger,
26.02.2009 09:18 Uhr

Die Ergebnisse von Studien, die die Auswirkungen neuer Kommunikations-Technologien untersuchen, haben manchmal einen gewissen Unterhaltungswert. Auch drei neue Studien gehören wohl dazu. Während oft selbsternannte Sprachschützer in den auch in SMS vorkommenden Abkürzungen und Wort-Neuschöpfungen den Untergang der Muttersprache sehen, zeigt eine neue Studie, dass die Nutzung von SMS und den üblichen Kürzeln das Sprachverständnis erhöht und keinen schädlichen Einfluss auf normale Schreibweisen hat. Wer kann schon etwas abkürzen und verstehen, das in Langform gar nicht kennt?

Dafür macht das Internet laut einer Studie aus Taiwan Teenager süchtig und aggressiv. Chatten, erotische Inhalte, Onlinespiele, Online-Glückspiele und Diskussionsforen würden einem hohen Anteil der Jugendlichen Erfolgserlebnisse durch aggressives Verhalten ermöglichen. Anschließend wären die Betroffenen auch im realen Leben aggressiv, insbesondere bei bestehender Internet-Sucht. Hier gibt es aber schon Widersprüche von anderen Forschern. Ursache und Wirkung seien nicht feststellbar. Menschen, die von Haus aus aggressiv seien, könnten sich beispielsweise im Internet ausleben, während andere wegen Kontaktschwierigkeiten und wenig Freunden das Internet mehr nutzen und nie gelernt hätten, wie man Konflikte friedlich löst.

Die dritte neue Studie behauptet: Das Internet, soziale Netzwerke, schnelle TV-Shows und natürlich wieder einmal Computerspiele verändern die Gehirne der Nutzer. Die Neurowissenschaftlerin Susan Greenfield befürchtet, dass die Gehirne "infantilisiert" werden und auf den Stand kleiner Kinder zurückfallen, die durch Geräusche und helle Lichter angezogen werden und wegen kleiner Aufmerksamkeitsspannen nur für den Moment leben. Sie könne sich nicht vorstellen, dass die tägliche Nutzung nicht zu Gehirnen führt, die sich von früheren Generationen unterscheiden. Echte Kontakte und Gespräche würden durch problemlosere und einfache Online-Dialoge ersetzt (vermutlich aber nicht in Taiwan, falls die erste Studie richtig liegt), so wie beispielsweise das Töten, Häuten und Zerlegen von Tieren durch den bequemen Einkauf im Supermarkt ersetzt wurde.

Ein seltsamer Vergleich, denn falls es damals auch Gehirn-Veränderungen gab, weil Jagen unnötig wurde, fällt es schwer, darin einen Nachteil zu sehen. Ohne Anpassungen an Neues, dievor allem jüngeren Menschen leicht fallen, würden wir uns vermutlich noch von Baum zu Baum hangeln. Niemand könnte diesen dann ohnehin nicht geschriebenen Text im Internet lesen oder dadurch aggressiv, infantil und - wie wir seit einer Woche wissen - auch noch von allerlei schlimmen Krankheiten heimgesucht werden, die das Internet ebenfalls verursachen kann.

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