"Das Internet macht gleichgültig" - Gehirn überfordert

Das Gehirn könne bei zu schnellen Kontakten und Nachrichten die Informationen nicht mehr moralisch beurteilen und damit der Sinn für Moral abstumpfen.

von Georg Wieselsberger,
15.04.2009 15:36 Uhr

Forscher des "Brain and Creativity Institute" an der Universität von Süd-Kalifornien haben eine Studie veröffentlicht, nach der das Internet den Sinn für Moral abstumpfen soll und langfristige Schäden bei der Gehirnentwicklung junger Menschen anrichten kann. Das ständige Erhalten neuer Nachrichten und die umgehend möglichen sozialen Kontakte über das Internet seien für den "moralischen Kompass" im Gehirn einfach zu schnell. Daher würden starke Nutzer von Angeboten wie Twitter oder Facebook womöglich gleichgültig gegenüber menschlichem Leiden, da sie nie die Zeit hätten, über Ereignisse und Gefühle nachzudenken oder sie wirklich zu erleben.

Das Gehirn könne zwar in Sekundenbruchteilen physischen Schmerz bei anderen Menschen erkennen, aber die Verarbeitung von Gefühlen wie Bewunderung oder Mitgefühl dauerten länger und seien für die Entwicklung eines Sinnes für Moral entscheidend. Wer zu viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringe, hätte daher zu wenig Zeit für Moral-formende Tätigkeiten wie das Lesen von Büchern oder Freunde zu treffen. Bei einer Medienkultur, in der Gewalt und Leiden eine endlose Show bieten, sei es in fiktiven Geschichten oder im Infotainment, wächst die Gleichgültigkeit beim Anblick menschlichen Leidens, so die Forscher, die damit ihre Warnung doch nicht nur auf das Internet beziehen.

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