Dead or Alive - Wohlgeformte Klischees vor Palmenlandschaft

Wenn die Vorlage keine intelligente Handlung erwarten lässt, braucht sich der Regisseur für nichts mehr zu schämen. Dead or Alive wälzt sich genüsslich in den wohlgeformten Klischees der Tecmo-Prügelspiele.

von GameStar Redaktion,
11.10.2006 14:01 Uhr

PC-Spielern mag der Name Dead or Alive nicht viel sagen, aber auf den Konsolen hat die Prügelspiel-Reihe vor allem wegen der hübschen, knapp bekleideten Kämpferinnen eine große -- zumeist männliche -- Fangemeinde. Die soll nun ins Kino gelockt werden, um dort hübschen, knapp bekleideten Schauspielerinnen beim Rumhauen zuzusehen. Nun ja, neu ist die Idee nicht, schon die weit populäreren Prügelspiel-Klassiker Street Fighter und Mortal Kombat wurden 1994 und 1995 zu Kinotrash verwurstet.

Allerdings stecken hinter der Dead-or-Alive-Verfilmung die Produzenten Bernd Eichinger und Paul W.S. Anderson, die schon die beiden Resident-Evil-Streifen vor dem totalen Abgleiten in den Schund bewahrt haben. Für Dead or Alive haben die Herren den Regisseur Corey Yuen (Kampfszenen bei The Transporter) und den Drehbuchschreiber J. F. Lawton (Pretty Woman (!)) engagiert. Die haben zuerst einmal ausführlich das Spiel gezockt, um zu sehen, was sich verwerten lässt: Wohlgeformte Schauspielerinnen, gewagte Kameraperspektiven und viel Martial-Arts-Action würden zumindest das visuelle Konzept des Films über 90 Minuten tragen. Bei der Handlung war dann die eigene Kreativität des Drehbuchautors gefragt. Der setzt auf geradlinige Action, gemischt mit dem derb pubertierenden Humor amerikanischer Jugendfilme.

4 Engel für Devon

Der Vergleich zu 3 Engel für Charlie liegt nahe: Auch dort prügeln sich Frauen mit Humor und einer Menge fernöstlicher Kampfkunst bis zum unvermeidlichen Happy End. Doch während im Vorbild die Figuren noch halbwegs Charakter haben, muss Dead or Alive mit den stereotypen Männerträumen des Videospiels klar kommen.

Männer sind für Helena (Sarah Carter) keine wirklichen Gegner.Männer sind für Helena (Sarah Carter) keine wirklichen Gegner.

Die Auswahl der Schauspielerinnen wirkt dem auch nicht entgegen. Alleine Devon Aoki als Prinzessin Kasumi ist durch ihren Auftritt in der Comicverfilmung Sin City bereits einem breiteren Publikum bekannt. Der Rest der Darstellertruppe musste sich durch Platzierungen in den Musikcharts und diverse Rollen in Fernsehserien wie CSI, Emergency Room und Smallville für Dead or Alive qualifizieren - der unbedarften Mimik der Damen nach zu urteilen vermutlich immer als dekorative Wasserleichen.

Zumindest wissen alle Schauspieler ihre Kämpfe gekonnt in Szene zu setzen. Außerdem ist der Kameramann stets bemüht, einen voyeuristischen Blick auf die Akteure zu werfen. Eltern brauchen allerdings keine Angst um das Seelenheil ihrer Sprösslinge zu haben: Dead or Alive zeigt nicht mehr nackte Haut als eine durchschnittliche Vorabendserie im Fernsehen.

Mortal Kombat mit Frauen

Sind wir mal ehrlich: Eine tolle Handlung braucht Dead or Alive nun wirklich nicht. Das hat der Regisseur zumindest während der ersten halben Stunde auch erkannt. Selbstironisch und mit jeder Menge Tempo prügeln sich die schnieken Kämpferinnen in ihrem abwechslungsreichen Leben und in den ersten Runden eines Turniers um Leben oder Tod. Hier sind Männer nur Fallobst für Tina (Jaime Pressly), Christie (Holly Valance), Prinzessin Kasumi (Devon Aoki) und Helena (Sarah Carter).

Kasumi (Devon Aoki, vorne) und Ayane (Natassia Malte) kämpfen gegeneinander.Kasumi (Devon Aoki, vorne) und Ayane (Natassia Malte) kämpfen gegeneinander.

Danach entfaltet sich eine etwas abstruse Handlung, die das vorher schnelle Tempo deutlich nach unten drückt: Der Milliardär Devon, der zu diesem DoA-Turnier geladen hat, verfolgt während der Veranstaltung eigene Ziele. Auch die Frauen kämpfen nicht nur um Ruhm und Ehre. So sucht Prinzessin Kasumi ihren Bruder, der beim Vorjahres-Turnier – angeblich bei einem Unfall im Laufe eines Kampfes – verschwunden ist. Tina hingegen will das Preisgeld klauen.

Das endet nach einigen zähen Längen irgendwann in einem Finale, das sehr an ein paar Folgen der ollen 80er-Jahre-Zeichentrickserie Galaxy Rangers erinnert. Auch ansonsten findet man das eine oder andere Comicvorbild in der Handlung: Die Piraten aus Asterix & Obelix haben zum Beispiel ihre Bemühungen auch in Dead or Alive nicht aufgegeben. Sie sind im Film zwar chinesischer Herkunft, aber genauso erfolgreich wie ihre gallischen Vorfahren.


Kommentare

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.

wird geladen ...