Die größten Counter-Strike Skandale - Das R8-Revolver-Debakel im Winter Update 2015

Wir stellen die Dramen und Skandale aus der Geschichte von Counter-Strike vor: Teil eins der Serie dreht sich um das R8-Revolver-Debakel im Winter Update 2015.

von Stefan Köhler,
27.04.2017 13:46 Uhr

Counter-Strike: Global Offensive wurde vom R8-Revolver kräftig durchgeschüttelt. Dabei wird schnell vergessen, dass das gesamte Winter Update 2015 ein Fehlschlag war.Counter-Strike: Global Offensive wurde vom R8-Revolver kräftig durchgeschüttelt. Dabei wird schnell vergessen, dass das gesamte Winter Update 2015 ein Fehlschlag war.

Counter-Strike lebt wie kaum ein anderes Spiel vom Drama abseits eines gewöhnlichen Matches. Wir präsentieren in einer Artikelserie insgesamt zehn Skandale und Kontroversen aus der Geschichte des Ego-Shooters. Dabei konzentrieren wir uns auf die jüngere Vergangenheit, die besonders die heutige Szene des jüngsten Teils Global Offensive geprägt hat.

Steigen wir in unserem ersten Artikel leicht ein, und zwar mit Valves Update-Politik.

Nicht der erste Patch-Fehlschlag

Die sehr zerbrechliche und über Jahre gereifte Balance von Counter-Strike haben die Entwickler nicht nur einmal mit einem Update über den Haufen geworfen. Tatsächlich war fast jede Waffe an irgendeinem Punkt in über 15 Jahren Counter-Strike-Geschichte übermächtig. Beispielsweise wird sich wohl niemand mehr an den Februar 2014 erinnern wollen, als Valve dachte, dass die AUG ohne Rückstoß und mit immenser Feuerrate gut zu CS:GO passt.

Solche eindeutigen Fehltritte leistete sich Valve immer mal wieder. Mit dem Winter Update 2015 übertraf sich der Entwickler aber selbst.

Die Taschen-AWP

Das im Dezember veröffentliche Winter Update brachte eine neue Waffe, der R8 Revolver sollte eigentlich eine weitere Option im Pistolen-Arsenal darstellen. Mit reproduzierbaren und völlig offensichtlichen Bugs implementiert und in der Ursprungsform viel zu stark, stieß der R8 aber nicht auf Gegenliebe. Ein einziger Schuss war meist tödlich wie beim Scharfschützengewehr AWP, Schaden und Präzision wurden allerdings mit den Kosten und der Mobilität einer Pistole gepaart.

Oft vergessen: Neben dem R8 gab es auch eine Abschwächung aller Pistolen und eine Neubalancierung der Gewehre, die Dauerfeuer ineffektiver und unattraktiver machen sollte. Auch eine neue Kiste mit Waffenskins und eine Killcam für Casual-Modi wurde eingeführt. Das Winter Update war für Counter-Strike-Verhältnisse ein wirklich dickes Paket.

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Shitstorm - fast wie immer

Die Hotfixes waren schnell, der Shitstorm schneller. Die gröbsten Bugs des R8 wurden flott gefixt und die Waffe in Grund und Boden generft, in kürzester Zeit war der Revolver in keiner Situation mehr nützlich. Dass sich Spieler vor dem Match zwischen der extrem beliebten Deagle und dem abgeschwächten R8 entscheiden müssen, war der finale Sargnagel. In freier Wildbahn taucht der Revolver praktisch nicht mehr auf.

Die Änderungen an Pistolen und Gewehren führten nicht zum erwarteten Ziel und wurden zurückgenommen. Valve konnte bei der Community quantitativ und qualitiv keine Veränderungen beim Umgang mit den Waffen messen. Am Ende sorgte die höhere Ungenauigkeit der Pistolen und Gewehre nur für einen größeren Glücksfaktor bei Feuergefechten, nicht für die Entwicklung neuer Spielstile. Der bekannte Modder und Balance-Analyst SlothSquadron nannte Valves Versuch »völlig fehlerbehaftet«, allein »die Intention mag vielleicht gut gewesen sein«. Das muss geschmerzt haben.

Der Vorfall stellte einen Wendepunkt dar: Die Community von Counter-Strike ist zwar grundsätzlich konservativ und Änderungen an der Gameplay-Formel abgeneigt. Wenn sich etwas an Counter-Strike ändert, folgt nicht selten eine negative Reaktion. Dieses Mal war der Shitstorm aber außer Kontrolle.

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Der Community reicht es

Denn Valves offizielles Mantra war es bisher, keine große Kommunikation zu pflegen und »das Produkt für sich sprechen zu lassen«. Genau diese Strategie wurde Valve jetzt zum Verhängnis: Das Produkt erhielt unterwünschte Änderungen, gemeldete Fehler wurden nicht entfernt, neue Probleme taten sich auf. Und mit teilweise extrem offensichtlichen Bugs stellte sich die Frage, ob es für Patches überhaupt einen ernsthaften Testprozess gab. Die einzig neuen Features ohne Probleme war die von Call of Duty übernommene Killcam und die neuen Mikrotransaktionen des Revolver-Skincase.

Das Winter-Update war nicht ein einzelner Sturm in Wasserglas, sondern der finale Ausbruch der angestauten Wut der CS:GO-Community. Alles, was bei Counter-Strike mittlerweile falsch lief, war in einem Patch gebündelt. Den Schlussstrich unter der Posse um das Winter Update zog das Entwicklerteam mit einer offiziellen Entschuldigung. Man werde in sich gehen und die eigene Arbeitsweise überdenken, hieß es. Wie bisher ging es nicht mehr weiter.

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Ein Neuanfang für Valves CS:GO-Team

Heutzutage gibt es zwar weiterhin Überraschungs-Updates für Counter-Strike: Global Offensive. Kontroverse Änderungen und solche Neuerungen, die Testszeit benötigen, erhalten allerdings einen Beta-Release und werden danach noch in Casual-Modi weiter getestet. Auf Reddit sammelt die Community Feedback, das Entwicklerteam reagiert relativ schnell.

Im August 2016 wurden nochmal die Gewehre angefasst, das Update wurde passend »Second Shot« (zweiter Versuch) genannt. Und dieses Mal gelang Valves Versuch, Dauerfeuer von präzisen Einzelschüssen sauberer zu trennen und letztere etwas mehr zu belohnen.

Das Waffenverhalten von Counter-Strike ist eine kleine Wissenschaft. Minimale Änderungen wie die Präzisionsänderung der AK beim Second Shot Update müssen geplant und durchdacht sein.Das Waffenverhalten von Counter-Strike ist eine kleine Wissenschaft. Minimale Änderungen wie die Präzisionsänderung der AK beim Second Shot Update müssen geplant und durchdacht sein.

Bis zum März 2017 dauerte es hingegen, bis sich Valve erneut an den Revolver wagte. Dann wurde der R8 mit leichten Verbesserungen zusammen mit dem überarbeiten Maschinengewehr Negev für Casual-Modi freigegeben. Im Anschluss folgte das »Volver«-Update (das spanische Wort für Rückkehr), das alle Lektionen umfasst, die Valve mittlerweile gelernt hat:

Nach der Casual-Testphase wurden R8 und Negev wieder für den kompetitiven Modus freigegeben. Der Ingame-Preis der Negev wurde derweil auf lächerlich niedrige 2.000 Dollar reduziert, der Plan dahinter aber offen kommuniziert: Es sind nicht die finalen Kosten für die Waffe. Man möchte in der Testphase den Preis gezielt niedrig halten, damit Spieler häufig zur Negev greifen und mit dem neuen Schussverhalten ausgiebig experimentieren. Mit den gewonnen Daten wird dann das Balancing und der finale Preis ausgeknobelt.

Auf das Feedback der Spieler freue man sich, so Valve.

Das war der erste Teil unserer Reihe »Skandale und Kontroversen aus Counter-Strike«. Im zweiten Special geht es zumindest am Rande auch um ein Update im Jahr 2014, dass im Zusammenspiel mit dem VAC-Bann eines eher unbedeutenden deutschen Spielers »Titanen« zu Fall und Dinge ins Rollen brachte, die zu einem echten Skandaljahr führten.

Zur Übersicht: Zehn Skandale aus der Counter-Strike-Geschichte

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