Die größten Counter-Strike Skandale - Der Bitcoin-Trojaner der ESEA

ESEA bietet eine Plattform für ambitionierte, semi-professionelle und professionelle CS:GO-Fans. Und nutzt 2013 die Grafikkarten von nichtsahnenden Spielern als Bitcoin-Miner.

von Stefan Köhler,
13.05.2017 18:00 Uhr

Die Plattform und Liga ESEA war nicht nur einmal in den Schlagzeilen. Der größte mit ihr im Zusammenhang stehende Skandal war aber der Bitcoin-Trojaner von 2013.Die Plattform und Liga ESEA war nicht nur einmal in den Schlagzeilen. Der größte mit ihr im Zusammenhang stehende Skandal war aber der Bitcoin-Trojaner von 2013.

Counter-Strike: Global Offensive lebt wie kaum ein anderes Spiel vom Drama abseits eines gewöhnlichen Matches. In insgesamt zehn Specials präsentieren wir die denkwürdigsten Skandale. Dabei konzentrieren wir uns auf die jüngere Vergangenheit, die besonders die heutige Szene von Counter-Strike geprägt hat.

Nach dem sehr deutschen Thema Killerspiele und Counter-Strike-Verbot nach Amoklauf in Teil 7 schauen wir auf eine amerikanische Firma und einen internationalen Skandal. Zur Übersicht aller bisher veröffentlichten Artikel unserer Serie geht es über den Link am Ende dieses Specials.

Die ESEA - mal wieder

Wer über Counter-Strike spricht, redet nicht selten über die ESEA. Hinter dem Kürzel versteckt sich die E-Sports Entertainment Association, eine kostenpflichtige Plattform und Liga für semiprofessionelle und professionelle Spieler. Erst im April hatten wir über den Spieler Adam »Loop« Bahriz berichtet, der wegen seiner Behinderung aus einem ESEA-Match gemobbt wurde und schließlich zum Streaming-Star aufstieg.

Und auch in unserer Skandal-Serie kam die ESEA bereits vor. Und zwar in Teil 2, als es um die Überführung cheatender Profis wie KQLY und Sf ging. Die betreffenden Spieler konnten Ende 2014 nur durch die Daten von der ESEA überführt werden, die ein eigenes Anti-Cheat-Tool neben Valves Anti-Cheat-Lösung verwendet. In diesem Artikel ist das Anti-Cheat-Tool der ESEA im Mittelpunkt der Geschichte, wir reisen allerdings noch weiter zurück - es ist der 1. Mai 2013.

Da brennt die Grafikkarte

Im Forum der ESEA häufen sich seit Tagen die Beschwerden der Nutzer. Der PC vieler Spieler sei auch außerhalb eines Matches voll ausgelastet, die Grafikkarte würde ohne laufende Anwendung auf Hochbetrieb laufen und nicht selten wird von Abstürzen und Bluescreens berichtet. Die Spieler sind sich sicher, dass dafür nur der ESEA-Client verantwortlich sein kann.

Schließlich analysiert der Spieler 1Scrappycoco den ESEA-Client und findet den entscheidenden Hinweis, den er an eben jenem 1. Mai 2013 im ESEA-Forum veröffentlicht: Seine Grafikkarte wird verwendet, um die bekannte Kryptowährung Bitcoin zu errechnen.

Alles nur ein Aprilscherz

Nur wenig später meldet sich der ESEA-Mitgründer Eric »lpkane« Thunberg, der die Geschichte aufklären möchte: Er und der ESEA-Programmierer Sean »Jaguar« H. hätten im März 2013 über Bitcoins nachgedacht, schließlich hätte man mit den ESEA-Nutzern und ihren PCs tausende Grafikkarten zur Errechnung der Währung in der Hand und der Preis für Bitcoins war gerade dabei zu explodieren.

Also habe man an einen entsprechenden Aprilscherz gearbeitet, der sei aber nicht fertig geworden. Der Code zur Bitcoin-Errechnung wurde schließlich doch auf Admin-Konten getestet, wegen des möglichen Skandals rund um das Thema habe man die Idee um die Bitcoin-Errechnung aber fallengelassen.

Allerdings soll 48 Stunden vorher ein Serverfehler dazu geführt haben, dass der besagte Bitcoin-Mining-Code nicht von den Admin-Konten gelöscht wurde. Vielmehr ging er als Update an die ESEA-Clients aller Nutzer. Man habe in zwei Tagen aber »versehentlich« nur rund 2 Bitcoins, etwa 280 US-Dollar, erwirtschaftet. Die würden in das nächste Liga-Preisgeld fließen, Problem gelöst.

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Das Problem ist viel größer

Knapp zwei Stunden später meldet sich Thunberg nochmal: Der Bitcoin-Miner wurde doch schon deutlich früher ausgeliefert. Seit dem 14. April dient der ESEA-Client in einem Match als zusätzliche Anti-Cheat-Maßnahme, außerhalb der Runde lässt er Grafikkarten ahnungloser Spieler Bitcoins errechnen und daher unter Volllast arbeiten.

Rund 30 Bitcoins wurden errechnet, die auch zufälligerweise direkt in Geld umgewandelt wurden. Seinen Informationen nach habe man auf drei Konten insgesamt 3.700 Dollar eingesammelt. Das Geld werde laut Thunberg zum nächsten Liga-Preisgeld addiert. Außerdem würden alle Nutzer mit einem aktiven ESEA-Abo einen kostenlosen Monat spendiert bekommen. Ein Monat kostet für einen Nutzer zum damaligen Zeitpunkt 6,95 Dollar. Später spendete ESEA noch die doppelte Summe aus dem Bitcoin-Topf an die Krebs-Forscher der American Cancer Society.

Für die Beteiligten sollte der Fall damit nicht enden, das übliche Nachspiel begann erst. Amerikanische ESEA-Nutzer reichten eine Sammelklage ein, neben dem Eindringen in die Privatsphäre der Spieler habe der Bitcoin-Miner auch die Hardware der PCs beschädigt. Um etwa 300 solcher Beschwerden musste sich die ESEA schließlich kümmern.

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Fast die hundertfache Summe als Strafe

Der US-Bundesstaat New Jersey legte der ESEA schließlich eine Strafe von einer Million US-Dollar auf. Allerdings mussten nur 325.000 Dollar direkt bezahlt werden, der Rest wurde zur Bewährung auf zehn Jahre ausgelegt. Sollte sich ESEA nochmal etwas zu Schulden kommen lassen, müsste der Rest ebenfalls gezahlt werden.

Für den Programmierer Sean »Jaguar« H. war es das Ende seiner Karriere bei ESEA. Er wurde gefeuert, weil er sich angeblich das Geld in die eigene Tasche stecken wollte - so die spätere Narrative der ESEA. Was aus ihm geworden ist, ist offiziell nicht bekannt.

Eric »lpkane« Thunberg blieb noch bis 2015 bei der ESEA und verkaufte schließlich seine Anteile. Er besitzt heute eine Craftbeer-Brauerei. Heute ist die ESEA im Besitz der deutschen ESL, beziehungsweise ihrer Mutterfirma Turtle Entertainment. Sie gilt neben Faceit weiterhin als wichtigste Plattform für Amateur- bis Profi-E-Sportler, der Skandal hat dem Unternehmen langfristig nicht geschadet. Erst im Januar 2017 machte ESEA wieder auf sich aufmerksam - die Webseite wurde von einem Erpresser gehackt, der 1,5 Millionen Nutzerdaten erbeuten konnte.

Das war der achte Teil unserer Reihe »Skandale und Kontroversen aus Counter-Strike«. Im neunten Special schauen wir auf die Organisation WESA. Deren Gründung begann gleich mit viel Ärger, wenigen Informationen und fragwürdigen Entscheidungen.

Zur Übersicht: Zehn Skandale aus der Counter-Strike-Geschichte

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