Die größten Counter-Strike Skandale - iBUYPOWER Match Fixing – lebenslanger Bann für eine Handvoll Dollar

Wir stellen die Dramen und Skandale aus der Geschichte von Counter-Strike vor: Teil drei der Serie dreht sich um Amerikas bestes Team, dessen Wettbetrug noch heute heiß diskutiert wird.

von Stefan Köhler,
01.05.2017 16:25 Uhr

Das iBUYPOWER-Logo ist nicht nur ein extrem seltener Ingame-Sticker, sondern steht auch für den größten Wettskandal in der CS:GO-Geschichte.Das iBUYPOWER-Logo ist nicht nur ein extrem seltener Ingame-Sticker, sondern steht auch für den größten Wettskandal in der CS:GO-Geschichte.

Counter-Strike lebt wie kaum ein anderes Spiel vom Drama abseits eines gewöhnlichen Matches. Wir präsentieren in einer Artikelserie insgesamt zehn Skandale und Kontroversen aus der Geschichte des Ego-Shooters. Dabei konzentrieren wir uns auf die jüngere Vergangenheit, die besonders die heutige Szene des jüngsten Teils Global Offensive geprägt hat.

Teil drei dreht sich um den größten Wettbetrug in der CS:GO-Geschichte. Wer den zweiten Teil verpasst hat, kann das Special rund um Cheater wie KQLY und das Ende von Team Titan hier nachlesen.

Peinliche Vorstellung

Dass Betrug ein schneller Weg zum Karriereende ist, mussten neben den überführten Cheatern auch die amerikanischen Profis von iBUYPOWER erleben. Wir bleiben wie im zweiten Teil der Artikelserie im Skandaljahr 2014, genauer im August.

Zu diesem Zeitpunkt ist iBUYPOWER wahrscheinlich das beste Team Nordamerikas. Die Namen der Spieler von iBUYPOWER klingen in der Szene bis heute nach:

  • Sam »DaZeD« Marine
  • Braxton »swag« Pierce
  • Keven »AZK« Larivière
  • Joshua »steel« Nissan
  • Tyler »Skadoodle« Latham

Die Mannschaft spielt sich bravurös durch die nordamerikanische Liga CEVO, nur um gegen das No-Name-Team NetcodeGuides.com mit einem peinlichen und einseitigen 4 zu 16 zu verlieren. Statt einem schlechten Spiel lieferte iBUYPOWER eine Leistung ab, die nur durch Drogeneinfluss oder Absicht erklärt werden konnte. Gerüchte wurden sofort laut, dass iBUYPOWER gezielt das Match verloren hätte.

Späte Gerechtigkeit

Hinter den Vorwürfen steckte nicht genug Substanz, um den Fall wurde es still. Erst Anfang 2015 meldete sich der E-Sport-Investigativjournalist Richard Lewis zu Wort. Der umstrittene Reporter hat in seiner Karriere eine Vielzahl an Skandalen aufgedeckt und legte belastendes Material vor: iBUYPOWER hatte das Match tatsächlich in voller Absicht verloren. Beweise gab es in Form von Aussagen vom Whistleblower Shahzeb »ShahZam«Khan und von der Ex-Freundin Ashley Leboeuf des eigentlich unbeteiligten Spielers Derek »dboorN« Boorn von Complexity.

Boorn hatte mit der Match nichts zu tun, war aber für den Geldtransfer zuständig. Seine ehemalige Freundin wusste bescheid und ging mit Chatlogs von Boorn an die Öffentlichkeit, die eindeutig seine Beteiligung und die Beteiligung der Spieler bestätigten. Ein Mitarbeiter des Wettbetreibers CSGO Lounge entdeckte auffällige Transaktionen mit wertvollen Waffenskins und Valve konnte den Weg der teuren Waffenskins zu iBUYPOWER nachzeichnen.

Integrity and Fair Play

Valve zeichnete im offiziellen Blog unter der Überschrift »Integrity and Fair Play« die Untersuchung nach. Sieben verwickelte Personen wurden schließlich im Januar 2015 auf Lebenszeit von Valve gebannt:

  • Duc »cud« Pham, ein vietnamesischer Student mit Verbindungen in die Profiszene, der die Wetten als Mittelsmann gesetzt hatte
  • Derek »dboorN« Boorn vom Team Complexity, der für den Geld- und Waffenskin-Transfer zwischen cud und den Betrügern verantwortlich war
  • Casey »caseyfoster« Foster, Gründer von NetcodeGuides.com und Planer der Aktion

Sowie vier Spieler von iBUYPOWER:

  • Sam »DaZeD« Marine
  • Braxton »swag« Pierce
  • Keven »AZK« Larivière
  • Joshua »steel« Nissan

Der fünfte Spieler, Tyler »Skadoodle« Latham, erhielt keinen Bann. Er wollte von der Gewinnsumme keinen Cent abhaben. Laut steel war Skadoodle genauso involviert, seine Überweisung war nur im Verzug. Als er die Gewinnsumme endlich erhalten sollte, lief die Gerüchteküche bereits und er bekam kalte Füße. Deshalb soll er auf seinen Anteil verzichtet haben. Valve konnte keine Beteiligung beweisen und er wurde freigesprochen.

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Europas Teams legen nach

Damit noch nicht genug: Nur einen Monat nach dem Vorfall wurden während der Untersuchung weiterer Fälle fast 20 Spieler zeitweise gebannt, insgesamt neun Spieler erhielten nach Valves Überprüfung eine Sperre auf Lebenszeit. Es erwischte das gesamte polnische Team ALSEN und vier von fünf Spieler von Epsilon Gaming. Robin »GMX« Stahmer von Epsilon wollte seine CS:GO-Karriere mit einem Knall beenden und sagte im Februar 2015 gegen beide Teams aus.

Epsilon dürfte Lesern des zweiten Skandal-Artikels etwas sagen, erst im November 2014 wurde Gordon »Sf« Giry von Epsilon wegen Cheats permanent gebannt. Jetzt war das Team wieder dran, allein der heute extrem populäre Adil »ScreaM« Benrlitom von Epsilon kam ungeschoren davon. Er war neu bei Epsilon und laut dem Whistleblower GMX nicht am Wettbetrug beteiligt. Man hatte noch kein Vertrauen, dass er stillhalten würde.

Eine kurzsichtige Aktion

Auch wenn sich die Betrugsvorwürfe häuften: kein Team stand so im Rampenlicht wie iBUYPOWER. Das lag an der extremen Popularität der ausgezeichneten Mannschaft und daran, dass es der erste bekannte Vorfall war. Der »iBUYPOWER Match Fixing Scandal« erzeugte immense Wellen innerhalb und außerhalb der CS:GO-Community, er findet sich auf Wikipedias Liste bekannter Betrugsfälle bei Sportwetten.

Unter dem Strich war die Aktion der Spieler extrem dumm und kurzsichtig: Die Gewinnsumme von über 10.000 Dollar war im Kontext lächerlich, jeder Beteiligte erhielt nur wenige tausend Dollar. Die Profis hätten das und noch sehr viel mehr mit ihren Fähigkeiten locker erspielen können. Erst wenige Jahre später erklärten sich die Betrüger offiziell. Sie glaubten damals nicht daran, dass CS:GO mehr als ein bezahltes Hobby sein könnte und wollten mit der leichtsinnigen Aktion Kasse machen.

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Die Gehälter-Explosion folgte erst kurz, sehr kurz darauf. Das kann man an einem einfachen Beispiel festmachen: iBUYPOWER gewann die CEVO-Liga im Jahr 2014 zwei Mal, die Prämie waren jeweils 2.948 und 5.000 Dollar. 2015 wurden ebenfalls zwei Saisons der CEVO-Liga ausgetragen, die Siegerprämien waren bereits bei 30.000 und 40.000 Dollar. 2016 ging der Sieger der CEVO Season 9 mit 55.000 Dollar nach Hause. Das rechtfertigt eine solche Aktion natürlich nicht, macht sie aber zumindest teilweise nachvollziehbarer.

Ganz ungewollt erzeugte das iBUYPOWER-Team übrigens für eine eigene Preisexplosion: Da die beliebte Mannschaft gebannt wurde und es deshalb wohl nie wieder neue iBUYPOWER-Sticker im Rahmen von Valve-Turnieren geben wird, sind die noch existierenden Ingame-Aufkleber rar und besonders wertvoll. Die teuerste Variante, ein einmalig benutzbarer Aufkleber von iBUYPOWER mit einem holographischen Effekt vom Major-Turnier Katowice 2014, hat einen derzeitigen Marktwert von rund 5.000 Dollar.

iBUYPOWER und freigesprochene Spieler heute

Heute sind iBUYPOWER-Spieler wie DaZed und steel durchaus beliebte, aber auch umstrittene Community-Figuren und Streamer, die immer häufiger als Kommentatoren bei kleineren Veranstaltungen auftauchen. Von Valve-Events wurden sie aber permanent gebannt. Ein Umstand, gegen den nicht wenige Fans protestieren. Bekannte Kommentatoren wie Jason »Moses« O'Toole und sogar der Journalist Richard Lewis, der den Fall erst ins Rollen gebracht hatte, würden für eine Aufhebung der Sperren auf Lebenszeit oder zumindest eine offizielle Freigabe als Kommentatoren plädieren.

Die Kommentatoren der Dreamhack Austin 2017, DaZeD ist mit dabei. In dieser Rolle ist der Ex-iBUYPOWER-Spieler durchaus beliebt, Valve wird ihn aber offiziell niemals anheuern. (Bildquelle: Dreamhack.com)Die Kommentatoren der Dreamhack Austin 2017, DaZeD ist mit dabei. In dieser Rolle ist der Ex-iBUYPOWER-Spieler durchaus beliebt, Valve wird ihn aber offiziell niemals anheuern. (Bildquelle: Dreamhack.com)

Die Diskussion um eine mögliche Rückkehr von iBUYPOWER in irgendeiner Form wird bis heute heiß geführt. Man darf nicht vergessen, dass iBUYPOWER und ihre immense Menge an Fans nach Richard Lewis Enthüllungsstory zuerst den Journalisten ins Kreuzfeuer nahmen und ihn einen Lügner schimpften. Bis Valve den Fall offiziell bestätigt und Strafen verteilt hatte, war für viele Fans Richard Lewis der Schurke.

Wo die Wettbetrüger heute stehen könnten, zeigen die zwei Spieler ohne Spielsperre: iBUYPOWER einzig nicht gebannter Spieler Skadoodle hat bis April 2017 durch Turniere 182.000 US-Dollar gewonnen. Darin sind Sponsorenverträge und Gehalt nicht miteinberechnet. ScreaM, der einzig aus dem Epsilon-Wettskandal ohne Sperre hervortrat, ist bei 175.000 Dollar Turniergewinnsumme und verkauft seine eigene E-Sport-Maus mit der Finalmouse ScreaM One.

Das war der dritte Teil unserer Reihe »Skandale und Kontroversen aus Counter-Strike«. Im vierten Special geht es mit den Skandalmonaten rund um Ende 2014 weiter. Nach den Wettbetrugsvorwürfen und den Überführung von Promis als Cheater beginnt die CS:GO-Community eine beispiellose Hexenjagd auf die Profispieler, die in erster Linie der Schwede flusha zu spüren bekommt.

Zur Übersicht: Zehn Skandale aus der Counter-Strike-Geschichte

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