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Die Schöne und das Biest in der Kritik - Mehr als bloßer Kitsch

Märchen-Kitsch mit Charme und Humor: Die Schöne und das Biest (Beauty and the Beast) ist mehr als ein schnöder Neuaufguss eines alten Disney-Klassikers.

von Elena Schulz,
16.03.2017 07:31 Uhr

Review zu Die Schöne und das Biest: Märchenzauber oder Disney-Kitsch?Review zu Die Schöne und das Biest: Märchenzauber oder Disney-Kitsch?

Emma Watson hier, Emma Watson da. Unter meinen Kollegen gibt es nur ein Thema, wenn es um Die Schöne und das Biest geht. Das ist halt dieser neue Kitsch-Film mit Emma Watson... Ach ja, habe ich erwähnt, dass Emma Watson darin vorkommt? Ich geb ja zu, auch ich mag die britische Schauspielerin sehr gerne.

Aber damit wird man dem Film einfach nicht gerecht. Der verlässt sich im Gegensatz zu meinen Kollegen nämlich nicht nur auf diese eine Schauspielerin, sondern liefert mir ein Feuerwerk aus Witz und Humor, das sagt: Ich bin mehr als eine Prinzessinnengeschichte mit Glitzer, Liebe und Emma Watson.

Spoilerfreie Kritik:
Natürlich kennt man das Märchen und die Zeichentrickverfilmung (oder zumindest die grobe Story dahinter). Wir haben aber trotzdem bewusst darauf verzichtet, die Unterschiede und zusätzlichen Szenen in der Neuverfilmung zu spoilern.

Alles schon gesehen?

Dabei habe ich vorher auch am Film gezweifelt. Ich war sicher, dass er mich nicht überraschen kann. Wie denn auch? Es handelt sich um eine Neuauflage des Zeichentrick-Klassikers von 1991, einer der Disney-Filme, die ich als Kind in meiner Prinzessinnen-Phase verschlungen habe.

Die Geschichte bleibt sich gleich und denkbar einfach: Die schöne Belle (Emma Watson) verliebt sich in ein grummeliges Biest (Dan Stevens) und bricht damit den Bann. Das Biest wird wieder zum Prinzen und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende. Lieder, Szenen, Dialoge - all das wirkt wie direkt aus der Zeichentrick-Fassung entnommen. Die bekannte Tanzszene im Ballsaal zu »Beauty and the Beast« ist bis hin zur Kleidung genau perfekt nachgestellt (Dieses Ballkleid!).

Hach, dieses Ballkleid: Emma Watson macht als Belle durchweg eine gute Figur.Hach, dieses Ballkleid: Emma Watson macht als Belle durchweg eine gute Figur.

Die Inszenierung ist zauberhaft, aber das war sie auch damals schon. Wozu brauche ich das Ganze noch einmal? Die Antwort ist denkbar einfach: Die Schöne und das Biest ist eben kein bloßer Abklatsch des Originals. Augenzwinkernde Zitate und nostalgische Rückblicke sind nur ein Teil des Films. Dazwischen hat er clever ein Eigenleben entwickelt und baut Szenen ein, die mir helfen, die bereits bekannte Geschichte besser zu verstehen.

Das geht los bei kleinen Details wie der Art, auf die Belle mit ihrem Vater gemeinsam an neuen Erfindungen werkelt oder versucht, Kindern das Lesen beizubringen - und dafür von der Dorfgemeinschaft ausgelacht wird. Aber der Film stellt auch großen Fragen, über die ich als Kind nie nachgedacht habe: Was ist zum Beispiel mit Belles Mutter passiert? Wer war die Zauberin, die den Prinzen verflucht hat? Und warum ist der überhaupt so geworden?

Die Antwort auf alles, was ich mich nie gefragt habe

Der Film bemüht sich um eine echte Charakterzeichnung, wodurch die Figuren viel greifbarer werden. Er verlässt sich nur auf klassische Märchenfiguren und -motive, sondern zeigt mir deutlich die Entwicklung seiner Charaktere. Der Prinz ist mehr als nur ein Prinz oder gar ein Biest, er ist ein gebrochener Mann, der alles verloren hat, woran er glaubt. Unter all seiner Bitterkeit verspürt er plötzlich Angst und Zweifel, aber auch Hoffnung, als Belle in sein Leben tritt.

Und Belle ist stur und mutig, aber letztlich auch unsicher: Ist sie der Welt hinter ihrem kleinen Dorf überhaupt gewachsen oder jagt sie einem Traum hinterher? Das war im Original auch schon so, wird im neuen Film aber viel prägnanter dargestellt. Emma Watson und Dan Stevens spielen ihre Rollen hier perfekt, selbst das Biest glänzt durch eine überraschend gute (und menschliche) Mimik.

Damit führen die Abweichungen letztendlich zu einer besser ausgearbeiteten Geschichte. Die funktioniert auch, wenn man nicht nur in Erinnerungen schwelgt. Nichts wirkt aufgesetzt, sogar drei neue Songs haben sich nahtlos in den Film eingefügt (Kein Wunder, ist doch auch der Komponist des Originals erneut beteiligt). Zudem gewinnt die Neuinterpretation dadurch, dass sie neben der Romantik umso mehr auf eine große Prise Humor setzt.

Die Liebe ist zwar Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, schlägt aber nie in bloßen Kitsch um. Trotzdem ist Kitsch hin und wieder ein Problem, wenn auch nicht bei den Liebesszenen: Belle und das Biest begegnen sich nach ihrer ersten Annäherung durchweg mit Humor, machen Witze und albern herum (allein die Stelle, an der Belle einen riesigen Schneeball ins Gesicht bekommt!).

Eine gute Entscheidung: Ihre Beziehung wirkt so viel echter als durch ständige Schmalzmomente. Dennoch übertreibt der Film es aber hin und wieder mit der Dramatik, wo es gar nicht nötig wäre. Er inszeniert zum Beispiel bildgewaltig in einer minutenlangen Gesangseinlage wie Belle zu Tisch gebeten wird. Was im Original eine nette Geste der verzauberten Hausbewohner war, verkommt so etwas zur übertriebenen Las Vegas Show. Das bleibt aber zum Glück eine Ausnahme, in der Regel trifft der Film den richtigen Ton.

Witz schlägt Kitsch

Bei den Figuren passt die Überzogenheit sogar wunderbar: Belles Verehrer Gaston und sein treuer Gefährte Lefou sind jederzeit ein Garant für witzige One-Liner und Situationskomik. Vor allem Luke Evans spielt die Karikatur des eingebildeten Helden wirklich großartig. Mein persönliches Highlight des Films war aber das sprechende Mobiliar, ebenfalls perfekt besetzt durch bekannte Schauspieler wie Ian McKellen als Von Unruh oder Ewan McGregor als Lumière.

Das heimliche Highlight des Films: Wer hätte gedacht, dass Deko tatsächlich so viel Persönlichkeit haben kann?Das heimliche Highlight des Films: Wer hätte gedacht, dass Deko tatsächlich so viel Persönlichkeit haben kann?

Der lebendige Hausrat entwickelt eine ganz eigene Dynamik, die den Film auflockert: Egal ob Kerzenständer Lumière mit dem wahrscheinlich elegantesten Staubwedel der Welt flirtet oder sich mit seinem Standuhr-Kollegen zankt. Emma Thompson ist als Teekanne Madame Pottine wiederum die gute Seele des Schlosses. Sie versucht Belle die Angst vor dem Biest zu nehmen und passt ganz nebenbei noch auf den kleinen Tassen-Wildfang Tassilo auf. Der chaotische Haufen wächst mir wie schon in der Zeichentrick-Version von Anfang an ans Herz und sorgt gegen Ende für einige der besten Szenen des Films.

Mal lacht man Tränen, mal ist man zu Tränen gerührt - genauso verhält es sich auch mit dem Film an sich. Lüftet man den kitschigen Märchenschleier, ist Die Schöne und das Biest ebenso ein Film voller Witz, Charme und Humor wie aktuelle Disney-Animationsfilme von Pixar oder die Marvel-Blockbuster. Und die mögen meine Kollegen doch auch. Also haben sie eigentlich keine Ausrede, warum ich sie nicht allesamt in den Film schleppen sollte.


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