Ein Schritt nach vorne, zwei zurück - Ghost Recon: Wildlands leidet unter seinen Patches

Dimi spielt Wildlands quasi täglich und hat extrem viel Spaß damit. Wenn die ganzen Ungereimtheiten nur nicht wären. Und aktuell werden sie mit jedem Patch schlimmer.

von Dimitry Halley,
08.05.2017 15:15 Uhr

Der untote Freddy Kruger hier ist ein Bug von Ghost Recon: Wildlands. Und selbst durch ein explodierendes Auto nicht zu besiegen.Der untote Freddy Kruger hier ist ein Bug von Ghost Recon: Wildlands. Und selbst durch ein explodierendes Auto nicht zu besiegen.

Ich spiele seit Release fast täglich Ghost Recon: Wildlands. Dieses Spiel trifft bei mir privat genau den richtigen Nerv, macht irrsinnig viel Spaß - und die Gleichförmigkeit im Missionsdesign könnte mir nicht egaler sein. Denn mit einem Kumpel im Koop völlig frei hinter feindlichen Linien zu operieren, beschert mir ein Action-Erlebnis, das ich mir schon seit Jahren mal in einem Spiel wünsche.

Obwohl ich für unseren GameStar-Test bereits Dutzende Stunden in Bolivien verbracht habe, werde ich nicht müde, mit dem Heli Truck-Kolonnen zu jagen, Unidad-Soldaten mit der HTI-Sniper auszuknipsen und mit dem Bike über unmöglich erklimmbare Berge zu donnern, weil sich die Physik glücklicherweise austricksen lässt. Auch der Paradiesvogel-DLC Narco Road mit seinen Stunts, Social-Media-Followern und irrsinnigen Quests ist bereits durchgespielt.

Und gerade weil ich so viel Spaß mit Wildlands habe, schreibe ich diese Kolumne so ungern. Aber es muss im Gedanken an künftige Käufer gesagt werden: Die unzähligen Fehlerchen von Wildlands nerven aktuell sehr anstrengend, weil Ubisofts Updates für jedes gelöste Problem zwei neue Baustellen ins Spiel patchen. Hier ein Erfahrungsbericht.

Wildlands bei Release

Im Testvideo zu Wildlands bin ich darauf eingegangen, dass der fehlende Feinschliff mit das größte Problem des Spiels sei: Kleine Bugs und Glitches machen die Open-World-Erfahrung zwar nicht unspielbar (und rechtfertigen im Release-Paket auch keine Abwertung), trotzdem stolpert man auf dem PC fortwährend über winzige Störfaktoren. Und in der Summe kann Kleinvieh ganz schön Mist machen. Hier eine kurze Übersicht der gröbsten Bugs, die mir in der Release-Fassung begegnet sind:

  • Manchmal steht mein Partner auf der Tragfläche eines Flugzeugs - obwohl er eigentlich gerade das Flugzeug fliegt.
  • Manchmal stehe ich auf dem Dach meines Autos, obwohl ich eigentlich am Steuer des Autos sitze.
  • Gegnerische Fahrzeugschützen glitchen quicklebendig aus ihrem Auto, nachdem ich sie umgeschossen habe. Und töten mich.
  • Feinde verschlafen ihre Schicht und erscheinen nicht zu ihrer Mission.
  • Collectibles lassen sich nicht einsammeln.

Ghost Recon: Wildlands - Testvideo: Für wen es sich lohnt 10:36 Ghost Recon: Wildlands - Testvideo: Für wen es sich lohnt

  • Sachen glitchen ineinander.
  • Mein Kollege kann mich nicht sehen, obwohl wir uns eine Spielsitzung teilen.
  • Ich biege in einer Stadt in eine Gasse, sehe dort ein paar Zivilisten, die locker auf ihren Plastikstühlen herumhängen. Scheinbar verängstige ich die armen Bolivianer, denn sie schweben mit ihrem Stuhl langsam in die Wand eines Gebäudes. Ein bisschen wie bei Gleis 9 3/4.
  • Ein Klassiker: Gegner erschießen mich durch Wände.

Bei Release dachte ich mir: Gut, das wird Ubisoft noch patchen. Kleinigkeiten kann man schließlich prima durch Updates ausbügeln. Und tatsächlich kamen auch einige Patches in regelmäßigem Abstand, die viele der oben genannten Probleme beseitigen. Allerdings nicht alle - und die folgenden Bugs kamen seit dem DLC Narco Road neu dazu:

Wildlands heute

  • Früher konnte man per Auswahl-Rad ein Fahrzeug oder einen Helikopter bei sich spawnen lassen. Das funktioniert jetzt nur noch in 60 Prozent der Fälle - und in 90 Prozent der funktionierenden Fälle taucht das Fahrzeug irgendwo weit weg am Horizont auf. Diese Laufwege gab's früher nicht.
  • Seit Patch 1.05 (April 2017) wurden alle Waffen in meinem Inventar als »Neu« markiert, als hätte ich sie gerade erst gefunden. Wie in vielen Open-World-Spiel muss man über Neuigkeiten im Menü mit der Maus hovern, damit das Label »Neu« verschwindet. Bei knapp 40 Waffen klingt das erstmal nach nur 40 Maus-Bewegungen, allerdings sind auch alle Einzelteile der Waffen plötzlich neu. Bei durchschnittlich sieben bis zehn Waffenaufsätzen können Sie sich ja ausrechnen, warum ich meine Wartezeiten im Spiel seit dem Patch mit Maus-Hovern verbringe. Nervig!
  • Ich hatte vorher quasi keine Verbindungsabbrüche zum Server. Jetzt schon.
  • Jedes Mal, wenn ich den DLC Narco Road beende, schließt sich Wildlands und öffnet danach automatisch das Hauptspiel. Logisch: Wer zwei Stunden im DLC verbracht hat, der nach der Story des Hauptspiels angesiedelt ist, wird mit ziemlicher Sicherheit im Anschluss noch im Hauptspiel weiterzocken wollen, wenn er auf »Zurück zum Desktop« klickt.
  • In Wildlands gibt's unzählige kleine Loot-Kisten zum Einsammeln. Früher musste jeder Spieler jede Kiste separat für sich einsacken. Jetzt muss nur noch einer sie einsammeln - die Beute geht gleichermaßen an alle Kollegen. Das ist gut. Problem: Es funktioniert oft nicht.
  • Nebenmissionen, die ich erledige, werden nicht als erledigt registriert.

Ghost Recon: Wildlands - Screenshots ansehen

  • Es gibt neue Weekly Challenges, bei denen man beispielsweise in einem Gebiet eine bestimmte Anzahl von Unidad-Soldaten ausschalten muss. Als Belohnung gibt's Skins und Klamotten, die man sonst mit Echtgeld kaufen müsste - eine fantastische Idee! Problem: Auf der Übersicht wird die erspielbare Beute nicht angezeigt. Ich habe stundenlang für die ominöse Belohnung »Maschinengewehr« gearbeitet in der Hoffnung, es handle sich um eine einzigartige Waffe. Es war aber nur ein Aufnäher. Für meinen Rucksack.
  • In einer Narco-Road-Mission muss ich ein Bike aus einem Minenstollen befreien. Der Auftrag ist mehrstufig, ich erreiche einen Checkpoint innerhalb der Mine. Leider rafft es mich dahin. Ich spawne in der Mine, scheitere aber nochmal. Ich spawne erneut in der Mine, kriege wieder auf die Mütze. Beim nächsten Spawn lande ich auf einem Berg, vier Kilometer entfernt. Mein Kumpel auch. Es ist ein verflucht weiter Weg zurück in diese Mine - vor allem beim vierten Versuch.
  • Ich werde in Narco Road mit meinem Kumpel niedergeschlagen und wache in einem Gefängnis auf. Ich soll entkommen. Ein toller Ansatz, weil ich wirklich umdenken und schleichen muss. Problem: Mein Kumpel ist unsichtbar. Das macht jede Koordination unmöglich. Wir müssen uns in mehreren Neustarts wiederholt bewusstlos schlagen lassen, bis wir uns beide endlich sehen können. Fazit: Der Unsichtbarkeits-Bug bleibt ein Problem von Wildlands.
  • Ich schieße einen feindlichen Hubschrauber mit dem LMG ab. Er segelt brennend zu Boden, ich juble über meinen Sieg. Doch wie durch ein Wunder sind alle Bordschützen des brennenden Heli-Wracks komplett unversehrt - und extrem feuerbereit. Ich sterbe und lerne daraus: Bolivianer überleben Explosionen.
  • Ein weiteres Wunder: Ich überfalle bei Nacht eine Basis und schieße die Gegner klammheimlich über den Haufen. Doch ein gesegneter Feind ist unsterblich. Ich verfeuere 15 Pistolenpatronen in seinem sakralen Körper, während er mich erblickt, Alarm schlägt und seelenruhig das Feuer erwidert.
  • Unser Auto landet nach einem Sturz auf der Seite. Der Fahrer steigt aus und tritt eine magische Reise in die Welt unter dem Boden an. Dieser Bug lässt sich tatsächlich zielgenau rekonstruieren.

Die Bilanz

Viele dieser Fehler sind im offiziellen Forum von Wildlands als bekannte Bugs vermerkt, die durch künftige Updates aus der Welt geräumt werden sollen. Man merkt auch, dass Ubisoft sich wirklich bemüht, durch kleine Tweaks und Änderungen (wie das dynamischere Loot-Einsammeln) einen Schritt auf den Spieler zuzugehen. Das Problem an der Sache: Im Moment sind viele dieser Schritte gleichzeitig zwei Schritte zurück.

Dass Narco Road nicht den selben Grad an Feinschliff bekommen hat wie das Hauptspiel, mag aus dessen DLC-Status resultieren. Aber viele der Probleme, die ich im Addon-Gebiet festgestellt habe, tauchten wenig später auch im Hauptspiel auf - besonders im Zusammenhang mit neuen Features wie dem überarbeiteten Fahrzeug-Spawn.

In der nahen Zukunft erscheinen noch ein großer DLC sowie der PvP-Modus. Ich halte dem Spiel bis dahin die Treue, weil die schönen Momente am Ende des Tages die frustigen Augenblicke bei Weitem überflügeln. Trotzdem: Als ich gesagt habe, dass ich mir mehr Gegnertypen wünsche, meinte ich keine unsterblichen Highlander.

Ghost Recon: Wildlands - Video-Fazit zum Narco-Road-DLC: Der GTA-Overkill? 5:27 Ghost Recon: Wildlands - Video-Fazit zum Narco-Road-DLC: Der GTA-Overkill?


Kommentare(31)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.