Konsolenports - Eine PC-Hoffnung stirbt

Die Hoffnung, PS4 und Xbox One würden dank ihrer x86-Hardware endlich für technisch saubere PC-Umsetzungen sorgen, schwindet bei Hardware-Chef Florian Klein.

von Florian Klein,
04.12.2015 08:49 Uhr

Die Spieleplattform PC wird immer noch viel zu stiefmütterlich behandelt und als PC-Spieler fühlt man sich noch viel zu oft als Kunde zweiter Wahl – das wird nicht so bleiben, hofft der Autor.Die Spieleplattform PC wird immer noch viel zu stiefmütterlich behandelt und als PC-Spieler fühlt man sich noch viel zu oft als Kunde zweiter Wahl – das wird nicht so bleiben, hofft der Autor.

»Konsolenport« - ursprünglich wertneutrale Bezeichnung für die PC-Version eines größtenteils für PlayStation oder Xbox entwickelten Spiels. Unter PC-Spielern spätestens seit der Xbox 360- und PS3-Generation aber größtenteils negativ behafteter Ausdruck für hinter den technischen Möglichkeiten und sogar Standards des PCs zurückbleibende Umsetzungen, egal ob in Sachen Grafikqualität, Performance oder Steuerung.

Nach Umsetzungsdesastern wie Batman: Arkham Knight war das Wort wieder in aller Munde: »Konsolenport«. Während lieblose oder schlampige Umsetzungen zu Zeiten der ersten Xbox und der PlayStation 2 noch kein allzu großes Problem für PC-Spieler waren, nahm die Relevanz mit der Folgegeneration stark zu, denn immer mehr Titel erschienen für alle drei Plattformen (PS3, Xbox 360, PC). Das Nachsehen hatte zu der Zeit vor allem der PC, weil er bei vielen Publishern als verkaufsschwächste Plattform und Raubkopierer-Hochburg galt - entsprechend gering waren die in eine saubere PC-Umsetzung investierten Ressourcen, von aufgebohrter Grafik oder vernünftiger Maus- und-Tastatur-Steuerung gar nicht zu reden.

Aus technischer Sicht konnte man Probleme bei PC-Umsetzungen von auf Xbox 360 oder PS3 entwickelten Spielen zu der Zeit noch besser verstehen als heute. Schließlich werkelten sowohl in Xbox 360 als auch PS3 spezialisierte Prozessoren und Grafikeinheiten, vor allem die Cell-Architektur der PS3 war weit entfernt von der x86-DirectX-Kombination eines PCs - entschuldbar sind die schlampigen Umsetzungen trotzdem nicht.

Die PC-Version von Batman: Arkham Knight ist das diesjährige Paradebeispiel für eine absolut misslungene Portierung – auf dem Bild scheint sich der Held auch ein wenig dafür zu schämen.Die PC-Version von Batman: Arkham Knight ist das diesjährige Paradebeispiel für eine absolut misslungene Portierung – auf dem Bild scheint sich der Held auch ein wenig dafür zu schämen.

Eine Hoffnung stirbt

Als sich abzeichnete, dass PlayStation 4 und Xbox One beide auf klassische PC-Architektur setzen würden, wuchs bei mir die Hoffnung: Mit im Grunde identischer Hardware müssten doch auch die Portierungsprobleme der Vergangenheit angehören. Überall sauber laufende Spiele, die je nach Plattform (und deren Leistungsfähigkeit) eventuell mit höherer Auflösung, besserer Kantenglättung oder sogar ein paar zusätzlichen Details aufwarten, das war meine PC-Hoffnung für die Ära von PS4 und Xbox One.

Jetzt - zwei Jahre nach Release von PS4 und Xbox One - stirbt diese Hoffnung aber. Es kommen einfach immer noch zu viele Konsolenports (im negativen Sinne) auf den PC. Sei es Batman: Arkham Knight, dass mit seinem monatelangen Verkaufsstopp der PC-Version einen neuen traurigen Präzedenzfall geschaffen hat, während es auf den Konsolen ein Toptitel ohne diese Probleme ist. Oder CoD: Black Ops 3, dass sich in unserem Technik-Check auch gerne mehr als 9,0 GByte RAM und 6,0 GByte VRAM genehmigt, dafür aber trotzdem nicht umwerfend gut aussieht und immer noch mit plötzlichen Frame-Rate-Einbrüchen nervt. Ich glaube ja, die 8,0 GByte schnelles GDDR5-RAM der PS4 verführen viele Entwickler dazu, geradezu verschwenderisch mit dem Speicher umzugehen, ohne Rücksicht auf die Plattform und noch dazu meist ohne sichtbaren Grafikvorteil!

» Die Probleme im Detail:Technik-Analyse von Batman: Arkham Knight

(Update: Ursprünglich habe ich hier auch Just Cause 3 genannt, das entstand laut den Entwicklern aber wohl auf dem PC als Lead Plattform. Vermutlich sind die technischen Probleme vor allem auf PC und XBox One wohl dann einfach Schlamperei)

Das verdeutlicht das Problem, dass allem Anschein nach immer noch nur für eine Plattform entwickelt wird; wie immer natürlich nur für die augenscheinlich absatzstärkste, aktuell die PS4 (obwohl es natürlich erheblich mehr PCs gibt). Und die Umsetzungen für den PC (und auch zunehmend für die Xbox One) werden anscheinend immer noch viel zu häufig hingeschludert, ohne auch nur die grundlegendsten technischen Eigenheiten der jeweiligen Plattform in Betracht zu ziehen - ist halt billiger und maximiert den Profit, meint vermutlich der Vorstand.

Just Cause 3 - Video-Talk: Darum zogen wir unseren fertigen Test zurück. 7:02 Just Cause 3 - Video-Talk: Darum zogen wir unseren fertigen Test zurück.

PC = Profit = Passt?

Aber gerade in Sachen Umsatz befindet sich der PC als Spieleplattform (trotz der sich momentan eigentlich in ihrer Blüte befindlichen ehemaligen Next-Gen-Konsolen) seit zwei Jahren deutlich auf dem Vormarsch. Je nachdem, welchen Zahlen und Voraussagen man glauben schenkt, hat der PC-Spielemarkt die Verkäufe auf den Konsolen schon überholt oder wird das spätestens 2016 tun. Dank der rasant wachsenden Spielerschaften in China und Indien, die größtenteils auf PCs zocken (wenn auch fast nur Free2Play-Titel), verstärkt sich der Trend zum PC als Spieleplattform weltweit wahrscheinlich noch spürbar. Auch die extrem an Popularität gewinnende E-Sport-Szene findet zum Großteil auf dem PC statt.

Die PlayStation 4 ist für viele Entwickler und vor allem Publsiher momentan die wichtigste Plattform, weil sie sich deutlich besser verkauft als die Xbox One.Die PlayStation 4 ist für viele Entwickler und vor allem Publsiher momentan die wichtigste Plattform, weil sie sich deutlich besser verkauft als die Xbox One.

Auch technisch ergibt die primäre Entwicklung von Spielen auf dem PC als Lead-Plattform Sinn: PC-Versionen sollten sowieso variabel hinsichtlich Grafikqualität und daraus resultierender Performance sein, die Versionen für die PS4 und die Xbox One bräuchten dann nur entsprechend angepasst werden. Das würde auch dem im Laufe der Zeit immer größer werdenden Performance-Abstand zwischen Durchschnitts-PC und Konsolen gerecht werden und den allzu bekannten Frust über aus PC-Sicht nicht mehr zeitgemäße Grafik und Technik von Konsolenports vermeiden.

Ich erwarte jedenfalls, dass bei Entwicklern und vor allem Publishern ein Umdenken einsetzt und wir in Zukunft technisch halbwegs stabile und saubere PC-Ports auch als Konsolenversionen bekommen statt halbgarer bis auf dem PC unspielbarer Konsolenports. Auch wenn das nur aus reinem Profitdenken geschieht - diese PC-Hoffnung lasse ich mir (noch) nicht nehmen.

Der Autor Florian besitzt sowohl Xbox 360 als auch PS3 und hat auf beiden gerne gespielt. Von den aktuellen Konsolen hat er aber keine, da ihm die Unterschiede zum PC zu gering sind, der dank Gamepad und In-Home-Streaming mittlerweile auch den TV bespielt. Dazu werden lohnende Exklusivtitel immer seltener. Zwar muss er sich dadurch über schlechte PC-Versionen wie Arkham Knight ärgern oder im Falle von GTA 5 ein halbes Jahr länger warten. Gerade bei GTA 5 hat sich das aber extrem gelohnt, denn technisch ist es für ihn das beste PC-Spiel 2015 und macht vor allem in grafischer Hinsicht unglaublich viel richtig.


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