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Fallout: New Vegas im Test - Heißer Sand, und ein verlorenes Land

Obsidians Fallout: New Vegas ist nicht nur ein hervorragendes Rollenspiel mit faszinierender Spielwelt, sondern auch eine Verbeugung vor der Mod-Community.

von Christian Schmidt,
19.10.2010 14:00 Uhr

Nevada ist der Ort der Erde, an dem bislang die meisten Atombomben gezündet wurden, insgesamt weit über 1.000 Stück. Es gehört zur bissigen Ironie der Fallout-Serie, dass sie ausgerechnet die Geburtsstädte der Nuklearwaffen weitgehend verschont, als im Jahr 2077 die chinesischen Sprengköpfe auf die USA herunterregnen. Im Wüstenstaat Nevada knallt es nur vereinzelt, denn was sollte man da auch groß sprengen? Zwischen Staub und Geröll gibt es kaum strategische Ziele. So wird in Fallout: New Vegas ausgerechnet der ödeste Streifen der USA zum grünen Hoffnungsschimmer für die zerstörte Welt.

Der US-Entwickler Obsidian hat sich mit Nevada ein faszinierendes Szenario für ein postapokalyptisches Rollenspiel ausgewählt. Die Fallout-Serie, deren Design eine große Satire auf die USA der 50er-Jahre ist, besucht ihre Krippe: Jenen Ort, wo in den 50ern Touristen anreisten, um in Liegestühlen durch Sonnenbrillen Atomexplosionen am Horizont zu bestaunen, wo Phantomdörfer in die Wüste gebaut und anschließend gesprengt wurden, wo eine Nation ein Jahrzehnt lang in eine gleißende Zukunft sah, in der auf einmal alles möglich schien.

Fallout: New Vegas - Screenshots ansehen

Für Europäer ist Fallout ein amüsantes Retro-Universum voller klobiger Roboter, bauchiger Raketen, Laserwaffen und atombetriebenen Autos, aber Amerikaner erkennen darin die Persiflage einer Zeit, in der eine ganze Gesellschaft überzeugt davon war, dass all das wirklich vor der Tür stünde.

Die »Rumser« verteidigen ihr Lager mit Haubitzengeschossen, wir müssen einen sicheren Weg hinein finden.Die »Rumser« verteidigen ihr Lager mit Haubitzengeschossen, wir müssen einen sicheren Weg hinein finden.

Wie einleuchtend also, Fallout in jenes Epizentrum der Euphorie zu führen und dort all die Hybris zu verdichten, die seit jeher das Leitthema der Serie ist: Der Mensch erschafft großartige Dinge und verliert dann die Kontrolle über sie. Wer in Fallout: New Vegas ins atomar verwüstete Mojave-Ödland hinaustritt, der entdeckt einen kunstvoll zertrümmerten Miniatur-Kosmos des technologischen Wahnwitzes: verseuchte Testgelände, durch die mannshohe Skorpione krabbeln, geheimnisvolle Bunker mit den Überresten gescheiterter Experimente, eine gigantische Abschusskuppel für Mondraketen, riesige Parabolantennen, von Robotern betriebene Fabriken, den Hoover-Staudamm (damals die höchste Talsperre der Welt) und natürlich die schillernde Neonwelt von New Vegas, der Großstadt mitten in der Wüste.

Wie Obsidian diese Wunderwerke menschlicher Willenskraft nach Fallout-Muster erschafft, zerstört und mit Überlebenden bevölkert, die in den Ruinen der untergegangenen Zivilisation auf sehr unterschiedliche Art nach einem Sinn suchen, das ist einmal mehr eine tolle Kulisse für ein Rollenspiel; und diese verrückte Welt zu erkunden (und durch die eigenen Taten zu verändern) macht wie immer einen Heidenspaß.

Die Deutsche Version:
Die deutsche Version des Spiels ist im Vergleich zum US-Original entschärft, allerdings etwas weniger stark als Fallout 3. In Kämpfen gegen menschliche Gegner spritzt kein Blut und lassen sich keine Körperteile abtrennen, bei Tieren dagegen schon. Bestimmte Todesanimationen (etwa die Einäscherung durch Energiewaffen) fehlen.

Handlung? Welche Handlung?

Diese Bühne betreten Sie im Jahr 2281 als halbtot geschossener Kurier, der von einem Roboter aus dem Grab gezogen und von einem Dorfarzt wieder zusammengeflickt wird. Natürlich ist Ihr Gedächtnis weg, aber in der ersten Spielstunde wird rekonstruiert, dass Sie einen Casinochip aus dem Städtchen Primm nach New Vegas bringen sollten. Warum? Für wen? Was bedeutet der Chip? Diese Grundfragen bilden den Ausgangspunkt für Ihre Recherche im Ödland.

Anders als im Vorgängerspiel Fallout 3 klettern Sie also nicht als unbeschriebenes Blatt aus ihrem Bunker, sondern schlüpfen in die Rolle eines Menschen mit einer potenziell spannenden Vergangenheit. Aber eben nur potenziell: Obsidian nutzt die Amnesie allein als Vorwand für die Charaktergenerierung (denn natürlich fangen Sie bei Null an), nicht als Erzählvehikel. Ihr Held besitzt keinen Hintergrund, hat keine Spuren hinterlassen, niemand erkennt ihn wieder. So vergibt New Vegas die Chance auf eine vertiefte Erzählweise, in der man neben dem Land auch sich selbst entdecken könnte, und beschränkt sich auf die klassische Quest-Perlenschnur.

Seit jeher steckt die Hauptstory in den Fallout-Episoden nur einen groben Weg durchs Spiel ab, von dem man nach Belieben abweichen darf und soll. Entsprechend bemüht sich auch Obsidian gar nicht erst, der Handlung den Anschein von Dramatik zu geben. Bei aller Entscheidungsfreiheit hätte dem Storyrahmen aber zumindest ein Hauch von Spannung gut getan. Allzu lustlos dümpelt die Erzählung an der Grenze zur Belanglosigkeit dahin, verzweigt sich zwischendurch und mündet in vier unterschiedliche Finaloptionen, ohne je auch nur ansatzweise die Tragfähigkeit eines Mass Effect 2 zu erreichen. Dafür entschädigen einige philosophisch angehauchte Dialoge, vor allem mit dem boshaft rationalen Despoten Caesar.


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