Faszination Jagdspiele - Warum Bambi bluten muss

Wir tauchen ab in die Geschichte der Jagdspiele, um der Faszination der Hunting Games auf die Schliche zu kommen.

von Johannes Rohe,
23.02.2017 15:30 Uhr

Diese Schweine müssen sterben - aber warum? Wir versuchen, der Faszination der Hunting Games auf die Spur zu kommen. Diese Schweine müssen sterben - aber warum? Wir versuchen, der Faszination der Hunting Games auf die Spur zu kommen.

Das Jagen liegt uns im Blut. Schon vor Tausenden von Jahren haben unsere Vorfahren sich mit Speeren auf Mammuts gestürzt, heute ballern Vorstadtamerikaner mit Sturmgewehren Rotwild zu Gulasch.

Über die ethische Dimension der Jagd auf Tiere lässt sich zwar vorzüglich streiten (eine Frage, die wir hier nicht diskutieren wollen, weil in Spielen zum Glück sowieso kein Tier zu Schaden kommt). Doch einige positive Aspekte eines Jagdausflugs kann auch der größte Kritiker kaum verneinen: die Nähe zur Natur, die frische Luft und die Möglichkeit, unserem täglichen Alltagstrott zu entkommen.

Für die Jagd am PC gilt das freilich nicht - sofern wir nicht unseren Laptop mit ins Unterholz schleppen. Und trotzdem erfreuen sich Jagdspiele bis heute großer Beliebtheit. Der Vorgänger des gerade erschienenen theHunter: Call of the Wild kann 6 Millionen registrierte Waidmänner verbuchen. Wie entwickelt die virtuelle Pirsch diese Faszination?

Wir laden Sie ein, mit uns auf eine augenzwinkernde Spurensuche durch die Geschichte der Jagdspiele zu kommen. Vielleicht kommen wir der Faszination dieses Genres ja auch die Schliche, wenn wir uns einige Meilensteine des Genres anschauen.

Kein Anspruch auf Vollständigkeit: Weil es allein unter dem Label Cabela's Big Game Hunter unzählige, teils sehr ähnliche Jagdspiele gibt, verzichten wir aus Gründen der Übersichtlichkeit darauf, alle je veröffentlichten Jagdspiele hier aufzuführen. Stattdessen konzentrieren wir uns auf Genre-Eckpunkte, die wir für besonders interessant halten. Sollten Sie noch ausführlicher informiert werden wollen, schreiben Sie's uns doch in die Kommentare.

1984 - Duck Hunt (NES)

Duck Hunt ist vielleicht nicht das erste Jagdspiel (ganz genau konnten wir den Ursprung des Genres nicht ausfindig machen), aber sicher zu seiner Zeit das populärste. Heute genießt die simple Nintendo-Ballerei, bei der wir mit einer primitiven Lightgun Enten vom Himmel holten, Kultstatus.

Die Faszination an Duck Hunt? Das Schießen selbst. Die Bewegungen seines Ziels vorauszuahnen, genau zu zielen und den perfekten Treffer zu landen, das ist einfach befriedigend. Und das gilt für Jagdspiele bis heute. Und wenn Sie's besonders anspruchsvoll wollen, dann jagen Sie doch mit dem Nintendo Power Glove.

Der treuste Freund des Menschen darf in Duck Hunt natürlich nicht fehlen. Irgendwer muss ja die Drecksarbeit machen. Der treuste Freund des Menschen darf in Duck Hunt natürlich nicht fehlen. Irgendwer muss ja die Drecksarbeit machen.

1997 - Deer Hunter

Im Gegensatz zu Duck Hunt stellte Deer Hunter die Vorbereitung auf den finalen Schuss in den Mittelpunkt. Das Aufspüren und Anlocken des Wilds ist ein wesentlicher Aspekt des Spiels. Mit dem Fernglas spüren wir potenzielle Beute auf oder locken Sie mit Ködern und Lockrufen an. Es geht darum, durch Cleverness die natürlichen Instinkte des Tiers zu überlisten. Der Abschuss ist letztlich die Belohnung für die mühevolle Vorarbeit.

In Deer Hunter 2 konnten wir sogar schon mit dem Bogen auf die Jagd gehen. In Deutschland ist das übrigens grundsätzlich verboten. In Deer Hunter 2 konnten wir sogar schon mit dem Bogen auf die Jagd gehen. In Deutschland ist das übrigens grundsätzlich verboten.

1999 - Natural Fawn Killers

Okay, dieses Spiel ist sicher kein Meilenstein des Genres, sondern eher eine sündige Jugenderinnerung des Autors (wenn Mama nicht geguckt hat, war Klein-Johannes ein eifriger virtueller Schütze). Trotzdem nehmen wir den Trash-Shooter in diese Liste auf, in dem wir süße Hoppelhäschen und Bambis Brüder und Schwestern in blutige Einzelteile zerlegen.

Natural Fawn Killers zeigt nämlich etwas überdeutlich: Gewalt ist auch ein Teil der Attraktion, die Jagdspiele ausüben. Wenn uns moderne Vertreter des Genres unsere Treffer und ihre Wirkung in Zeitlupe anzeigen, bestätigt das nicht nur auf befriedigende Art unsere Schießkünste, sondern bringt auch die martialische Natur ins Spiel, die nun mal Teil der Jagd ist.

Bambi muss bluten! Natural Fawn Killers kann eigentlich nichts, außer viel Blut darstellen. Bambi muss bluten! Natural Fawn Killers kann eigentlich nichts, außer viel Blut darstellen.

2014 - Cabela's Big Game Hunter: Pro Hunts

Es gibt vermutlich mehr Ableger der Cabela's-Reihe als freilebende Löwen auf dieser Erde, doch Pro Hunts ist einer der besten*. Wie bei einem Spiel nicht anders zu erwarten wäre, das den Namen einer der weltgrößten Handelsketten für Jagd- und Campingequipment im Titel trägt, schleppen wir jede Menge unterschiedliches Equipment mit in den Wald.

Wir nutzen verschiedene Waffentypen oder Munitionskaliber und benutzen vielfältige Köder und Lockpfeifen. Allein die richtige Vorbereitung der Jagd ist für Kenner eine faszinierende Wissenschaft für sich.

*Hinweis: Aktuelle Steam-Reviews deuten auf einen schwerwiegenden Bug in der Verkaufsversion hin. Bitte informieren Sie sich im Detail, bevor Sie über einen Kauf nachdenken.

Der echte Profi geht natürlich nur mit Profi-Equipment auf die Pirsch - Kaufen Sie bei Cabe... oh, wir lassen das mit der Werbung lieber. Der echte Profi geht natürlich nur mit Profi-Equipment auf die Pirsch - Kaufen Sie bei Cabe... oh, wir lassen das mit der Werbung lieber.

2015 - theHunter: Primal

TheHunter: Primal schmeißt den Realismus über Bord und lässt uns Jagd auf richtig fette Beute machen: Dinos. Die Riesenechsen geben nicht nur wesentlich exklusivere Trophäen für unsere Jagdhütte ab, sie wehren sich auch!

Und schon haben wir zwei weitere Aspekte entdeckt, die die virtuelle Jagd zu einem Vergnügen machen: Zum einen können wir auch fast (oder ganz) ausgestorbene Tierarten ohne Gewissensbisse erlegen. Zum anderen erleben wir den Nervenkitzel der Großwildjagd, ohne uns (oder die Tiere) wirklich in Gefahr zu bringen.

Nur Anfänger jagen Rotwild. Wir jagen Grünwild!Nur Anfänger jagen Rotwild. Wir jagen Grünwild!

2017 - theHunter: Call of the Wild

Über die Qualität von Call of the Wild lässt sich angesichts der gemischten User-Kritiken auf Steam streiten, doch in einem Punkt sind wir uns sicher einig: Die Apex-Engine, die auch Just Cause 3 befeuert, zaubert traumhafte Landschaften auf den Bildschirm.

Selbst die schönste Grafik ist zwar kein Ersatz für einen Ausflug in die echte Natur, dennoch können wir auch beim Spielen ganz wunderbar das Hirn für ein paar Stündchen ausschalten, die Aussicht genießen und einfach mal durchschnaufen. Puh.

Bei so einer Aussicht muss man Bambi doch gar nicht wehtun. Bei so einer Aussicht muss man Bambi doch gar nicht wehtun.

Haben wir ein Spiel vergessen, dass Sie für besonders erwähnenswert halten? Schreiben Sie's uns doch in die Kommentare - und gemeinsam erschaffen wir irgendwann die ultimative Hunting-Game-Historie. Waidmannsheil!


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