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Sucker Punch - In den Schlund der Hölle: 300 mit Frauen

Komplett anders: Der Regisseur Zack Snyder pfeift in Sucker Punch auf alle Hollywood-Konventionen - unter anderen auf eine konsistente Handlung. Warum der Film dennoch Spaß machen kann, verraten wir in der Kritik.

von Christian Merkel,
30.03.2011 13:45 Uhr

Man lernt es schon als Kind: Schokolade und Ketchup sind einzeln betrachtet ganz leckere Lebensmittel. Zusammen möchte man sie aber nicht essen. Bei Filmen mag das anders sein: Sucker Punch mischt ohne jegliche Hemmungen Elemente, die allesamt cool sind, aber selbst auf den zweiten Blick irgendwie nicht zusammenpassen wollen: feuerspeiende Drachen, dampfgetriebene Zombienazis, Luftschiffe, Flugzeug-Dogfights, Samurais, futuristische Kampfroboter, eine Irrenanstalt und nicht zuletzt gut aussehende Frauen, die bestens mit Waffen jeglicher Art umgehen können.

Hinter Sucker Punch stehen aber zwei kreative Hirne, denen man einen gelungenen Genremix aus solch grundverschiedenen Zutaten durchaus zutrauen würde: der Regisseur Zack Snyder und dessen Ehefrau Deborah, die als Produzentin fungiert. Beide haben mit der Neufassung von Dawn of the Dead, 300, Watchmen - Die Wächter und zuletzt dem Animationsfilm Legende der Wächter eine Filmvita hingelegt, die ihresgleichen sucht. Ihre eigene Firma heißt übrigens 'Cruel and Unusual Films'. Da ist der Name schon Programm, der für Sucker Punch einiges vermuten lässt.

Die Handlung

Die eigentliche Hauptperson in Sucker Punch ist Babydoll. Sie wird von Emily Browning dargestellt, die ihren Durchbruch mit Lemony Snicket's hatte.Die eigentliche Hauptperson in Sucker Punch ist Babydoll. Sie wird von Emily Browning dargestellt, die ihren Durchbruch mit Lemony Snicket's hatte.

Sucker Punch bricht mit vielen Hollywood-Konventionen. Dazu gehört auch, dass der Film eher mit Handlungs-Versatzstücken arbeitet und sich wenig um Logik schert. Das Rahmengerüst liefert eine Geschichte rund um ein Mädchen, das von ihrem bösen Stiefvater in eine korrupte Irrenanstalt eingeliefert wird. Im echten Leben war sie nicht fähig, sich dem Bösen zu stellen. Doch um in der Irrenanstalt bestehen zu können, muss sie genau das tun. Die Lösung des Problems: Sie flüchtet sich in eine Fantasiewelt und bestreitet dort zusammen mit Mitinsassen der Haftanstalt die Kämpfe der echten Welt. Damit das nicht so simpel ist, bestehen die Träume aus zwei Ebenen. Die erste ist ein Hurenhaus im Stil von Moulin Rouge. Dort bekommt die Hauptfigur ihren Spitznamen Babydoll verpasst. Sie entdeckt, dass sie mit Tänzen Männer hypnotisieren und sich währenddessen in eine andere Welt versetzen kann.

So derart von der allem Irdischen abgekoppelt nimmt sich der Regisseur Zack Snyder die Freiheit, ein Szenario zu erfinden, das wohl kaum der Fantasie eines verschüchterten Mädchens entspringt. Auf Zelluloid gebannte Träume eines Geeks trifft es wohl eher: Fünf gutaussehende Mädchen kämpfen gegen Feuerdrachen, machen Zombie-Nazis den Garaus oder entschärfen eine Bombe, die gegen eine futuristische Stadt fährt. Dabei verwischen nicht nur die Realitätsebenen, sondern auch die Szenarien: Vom Fantasy-Mittelalter über eine Steampunk-Welt bis zum gewöhnlichen Scifi ist alles vertreten, was die Eskapismus-Pop-Kultur derzeit hergibt.

Sucker Punch - Bilder zum Kinofilm ansehen

Diese Komplexität setzt sich aber in der Dramaturgie nicht fort. Ähnlich einem Videospiel hechten die Mädels von einem Bossfight zum nächsten. Handlungswendungen gibt es eine Menge. Allesamt sind sie aber sehr vorhersehbar. Zack Snyder ist als Drebuchautor kein guter Geschichtenerzähler; er konzentriert sich lieber auf eine visuell ansprechende Welt. Das hat vermutlich einen Grund: Sucker Punch basiert im Gegensatz zu Snyders früheren Filmen nicht auf Comics (300, Watchmen) oder alten Filmen (Dawn of the Dead). Sucker Punch ist da wohl eher als Lernerfahrung zu verstehen. Glück für den Zuschauer: Snyders nächstes Projekt Superman: Man of Steel basiert wieder auf einem Comic. Da kann er das Schreiben der Geschichte Leuten überlassen, die damit mehr Erfahrung haben.

Schauspieler?

Menschen rennen bei Sucker Punch häufig durchs Bild, sie reden auch gerne und viel. Die Personen bleiben aber durchweg Schablonen, die bestimmten Rollenmustern gehorchen. Hauptfigur Babydoll (Emily Browning - Der Fluch der zwei Schwestern) wickelt Männer mit ihrem Lolita-Charme um den Finger. Ihr zur Seite stehen die freimütige Rocket (Jena Malone - Into the Wild), die gerissene Blondie (Vanessa Hudgens - High-School-Musical-Filme), die treue Amber (Jamie Chung - Schön bis in den Tod) und die schüchterne Sweet Pea (Abbie Cornish - Bright Star). Die Anstaltsärztin und in der Fantasiewelt Tanztrainerin im Nachtklub Madam Gorski (Carla Gugino - Watchmen) ist treusorgend, während der Wächter Blue (Oscar Isaac - Robin Hood) sich schmierig und korrupt geben kann. Keiner von ihnen bleibt im Gedächtnis: Sie ordnen sich alle dem Gesamtkonzept des Filmes unter: fünf gutaussehende Mädchen gegen fiese Monster und Menschen. Der wahre Hauptdarsteller hingegen bleibt über die 110 Minuten Laufzeit stets die Optik.

Featurette zu Sucker Punch 2:31 Featurette zu Sucker Punch

Wie schon in 300 erhebt Zack Snyder seine Schauspieler zu Göttern. Alle sehen entweder perfekt schön oder durchtrieben schurkig aus. Dies erkauft er sich allerdings mit einer gewissen Künstlichkeit. Vor allem die Mitglieder des Fünfer-Mädchen-Teams schauspielern unter einer dicken Schicht von Makeup. Immerhin schaffen es die Schauspieler, ihre teils bizarren Dialoge und Aktivitäten so an den Mann zu bringen, dass man ihnen ihre Rollen abnimmt.

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