Firmenkrieg - AMD und Intel schließen Frieden (Update)

Der Streit zwischen AMD und Intel ist beendet, denn die beiden Unternehmen haben sich außergerichtlich geeinigt, obwohl sich keine der Firmen falsch verhalten haben soll.

von Georg Wieselsberger,
14.11.2009 13:37 Uhr

Der seit Jahren andauernde Firmenkrieg wurde mit einem Friedensschluss beendet, wie sowohl Intel als auch AMD in ihrer Presseerklärung bekanntgaben. Das geschlossene Abkommen bezieht sich auf alle gegenseitigen Vorwürfe und schließt ausdrücklich auch auf die von AMD angestrengten, kartellrechtlichen Untersuchungen und Beschwerden weltweit ein.

Auch die gegenseitigen Vorwürfe hinsichtlich Verstößen gegen das gemeinsame Lizenzabkommen sind vom Tisch, da beide Unternehmen ein auch hier ein neues Cross-License-Abkommen geschlossen haben. Auch mit Globalfoundries, dem Auftragshersteller, der aus den AMD-Fabriken entstanden ist, hat Intel eine Lizenzvereinbarung geschlossen.

AMD und Intel betonen außerdem, dass das außergerichtliche Abkommen nur als Kompromiss dienen soll und keinesfalls bedeutet, dass einer der Partner sich falsch verhalten habe. Diese Aussage verwundert, denn Intel kommt dieser Kompromiss teuer zu stehen. Er sieht vor, dass Intel an AMD 1,25 Milliarden US-Dollar, umgerechnet über 830 Millionen Euro, überweist und sich in Zukunft an bestimmte Geschäftsregeln halten wird. AMD wird sich also mit Sicherheit über dieses Abkommen mehr freuen als Intel, da man im Grunde alles erreicht hat.

Update: Wie AMD das Abkommen sieht

AMDs CEO Dirk Meyer und Intel-Chef Paul Otellini haben in Telefonkonferenzen genauere Informationen über die außergerichtliche Einigung bekannt gegeben. Meyer erklärte, Intel habe verschiedenen Grundregeln zugestimmt, an die sich beide Unternehmen halten müssen, um einen offenen und freien Markt zu gewähren.

Es werde entgegen der bisherigen Meldungen nicht alle Beschwerden gegen Intel zurückgezogen, denn es gäbe eine kleine Zahl Beschwerden, die den Behörden weiter vorgelegt würden. Dazu gehört zum Beispiel die Klage, die im Staat New York gegen Intel erst letzte Woche erhoben wurde, dort kann AMD auch nicht für eine Einstellung sorgen, da der Staat selbst Kläger ist.

Aber Intel sei es in Zukunft nicht mehr erlaubt, Geschäfte nur mit der Bedingung abzuschließen, dass man keine Geschäfte mit AMD mache. Man freue sich auf gesunde Konkurrenz mit dem gegenseitigen Respekt, den man bei Konkurrenten der Weltklasse erwarten könne.

Außerdem ermöglichen die Abkommen mit AMD und Globalfoundries, dass Globalfoundries eventuell mit Auftragshersteller Chartered Semiconductor fusioniert und zum größten Auftragshersteller der Welt wird. ATIC, eine Investmentfirma, der ein Großteil von Globalfoundries gehört, hat bereits Übernahmeangebot gemacht, das am 4. November von den Chartered-Aktionären angenommen wurde.

Update: Wie Intel das Abkommen sieht

Intel-CEO Paul Otellini erklärte bei seiner Konferenz mehr oder weniger, dass man ohnehin nie etwas Falsches getan habe. AMD glaube, Intel hätte sein Geschäft auf eine bestimmte Weise betrieben, Intel glaube dies nicht. Also habe man sich einfach darauf geeignet, was nicht getan werden soll, es niedergeschrieben, unterschrieben und sich so geeinigt.

Das neue Cross-Lizenz-Abkommen gilt fünf Jahre, danach kann es erneuert werden. Außerdem werde man sich alle drei Monate treffen, um darüber zu sprechen, ob es Verstöße gegen das Abkommen gäbe. So könne man unter Geschäftsmännern reden, ohne Gerichte anzurufen.

Auf die 1,25 Milliarden US-Dollar angesprochen, die Intel an AMD innerhalb von 30 Tagen zahlen wird, erklärte Otellini, dass ein Kartellrechts-Prozess vor Geschworenen diesen Betrag wohl mindestens verdreifacht hätte. Die mit AMD vereinbarte Summe sei ein geringer Teil dessen, was durch die Geschworenen auf Intel hätte zukommen können.

Die Frage, ob diese Antwort nicht ein Schuldeingeständnis wäre, beantworte Otellini nicht mehr ganz so freundlich. 98 Prozent aller Betroffenen würden sich bei Kartellrechts-Prozessen in den USA außergerichtlich einigen und Intel werde seine Geschäfte genau so weiterführen wie bisher.

Während sich also für AMD einiges an Intels zukünftigem Verhalten ändern wird, ändert sich laut Intel gar nichts und man habe quasi nur aus Angst vor einem Geschworenen-Prozess 1,25 Milliarden an AMD bezahlt. Fragt sich nur, warum Intel diesen Prozess hätte verlieren sollen, wenn sich das Unternehmen immer richtig verhalten hat? Andererseits werden in den USA Betroffenen von Geschworenen bekanntermaßen wirklich extrem hohe Summen an Schadensersatz für an Firmen gerichtete Vorwürfe zugesprochen, deren Sachverhalt eher auf das Unvermögen des »Geschädigten« hindeutet. Solchen Prozessen sind Warnhinweise zu verdanken, dass in der Mikrowelle zubereitete Speisen anschließend heiß sind.

Es ist also durchaus denkbar, dass schon eine Kleinigkei, die man Intel zur vermeintlichen Benachteiligung AMDs hätte nachweisen können, zu einer hohen Schadensersatzsumme geführt hätte. Vielleicht war Intel wirklich nur vorsichtig. Daran, dass dies ein großer Erfolg für AMD und eine wichtige Finanzspritze für den finanziell nicht auf Rosen gebetteten Hersteller ist, ändert das aber auch nichts. Für die meisten Beobachter hat AMD gegen Intel daher zumindest gefühlt »gewonnen«.

Der andere große Firmenkrieg: Microsoft gegen Apple (Artikel zu diesem Thema)

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