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Fluch der Karibik 5 - Filmkritik: Schiffbruch statt Comeback

Der fünfte Pirates of the Caribbean hatte eine große Aufgabe: Die Serie nach dem unterirdischen vierten Teil zurück zu altem Ruhm zu führen. Aber dazu hätte er auch ein großer Film sein müssen.

von Maurice Weber,
22.05.2017 15:00 Uhr

Misslungene Rückkehr: Fluch der Karibik 5 scheitert auf ganzer Linie, an den Glanz des ersten Teils anzuknöpfen. Misslungene Rückkehr: Fluch der Karibik 5 scheitert auf ganzer Linie, an den Glanz des ersten Teils anzuknöpfen.

Unbeabsichtigt haben die Macher von Fluch der Karibik 5 mit dem neuen Schurken Salazar die perfekte Posterfigur für den Film - und die gesamte Serie - erschaffen: Ein ehemals ruhmreicher Kapitän, der heute nur noch als hohler untoter Schatten seiner selbst übers Meer gondelt und besser beraten wäre, sich endlich zur ewigen Ruhe zu legen. Aber weil er's unbedingt nochmal allen zeigen will, klammert er sich eisern an seine unheilige, freudlose Existenz.

So etwas geht in Filmen selten gut aus - und im echten Leben genauso wenig. Denn Fluch der Karibik 5: Salazars Rache entpuppt sich nicht als ruhmreiches Piraten-Comeback, sondern als schockierend belanglose Fortführung einer Serie, die nichts Interessantes mehr zu sagen hat.

Tote Serien erzählen keine (guten) Geschichten

Dabei hängt von diesem Film so viel ab! Teil 4 von Fluch der Karibik war ein kompletter Schlag ins Wasser, der fünfte sollte sechs Jahre später eine Rückkehr zu alten Stärken einläuten. Und so führt der Film ein neues Protagonisten-Duo ein: Will Turners Sohn Henry und die Mathematikerin Carina Smyth machen sich gemeinsam auf die Suche nach dem Dreizack des Poseidon - dem mächtigsten Artefakt auf See. Mit dabei sind alte Bekannte wie Jack Sparrow und Barbossa und eben der neue Schurke Salazar, der auf Rache an Jack sinnt.

Übernatürlich und unsterblich: Kapitän Salazar liefert als Schurke wenig, das wir nicht schon von Barbossa und Davy Jones kennen.Übernatürlich und unsterblich: Kapitän Salazar liefert als Schurke wenig, das wir nicht schon von Barbossa und Davy Jones kennen.

Die gute Nachricht zuerst: Henry und Carina wirken zumindest nicht so nervig und komplett überflüssig wie Philip und die Meerjungfrau Syrena aus Fremde Gezeiten. Als Hauptfiguren haben sie durchaus ihre sympathischen Momente. Aber die Geschichte nimmt nie wirklich Fahrt auf, erschafft zu keiner Zeit echte Spannung. Meistens können wir nicht mal einschätzen, ob die Charaktere ihrem Ziel gerade überhaupt irgendwie näherkommen. Carina guckt gelegentlich bedeutungsschwanger in die Sterne und versichert allen Beteiligten, dass sie den Schatz so schon finden wird, und dann wird eben weitergesegelt.

Brenton Thwaites spielt mit Henry Turner einen recht klassischen jungen Helden, der aber nicht lange im Gedächtnis bleibt.Brenton Thwaites spielt mit Henry Turner einen recht klassischen jungen Helden, der aber nicht lange im Gedächtnis bleibt.

Als Wegweiser dient eine ominöse Prophezeiung - und der traurige Tiefpunkt der Hatz kommt, als der Film versucht, die mit einer schlauen Storywendung auf den Kopf zu stellen, wie man das mit solchen Weissagungen eben so macht. Aber Salazars Rache fehlt dafür schlichtweg die Cleverness.

Der ach so überraschende Twist entpuppt sich hier als die plumpste Interpretation, die man sich vorstellen kann. Sie fanden es schon offensichtlich, als der Hexenkönig im Herrn der Ringe von keinem Mann aufgehalten werden konnte und dann eben von einer Frau niedergestochen wurde? Dann werden Sie Fluch der Karibik 5 mit hellseherischer Perfektion vorhersagen können.

Überhaupt wirkt die ganze Mythologie des Films wie an den Haaren herbeigezogen, um zwanghaft die Vorgänger zu übertrumpfen. Ein noch tolleres Artefakt, ein noch viel fieserer untoter, unsterblicher, unbesiegbarer Schurke! Aber gerade weil es nie eine andere Möglichkeit gibt, als vor ihm wegzurennen, bleiben die Konfrontationen mit Salazar so fade wie der Rest der Story. Obwohl sie technisch durchaus einiges an Spektakel auffahren, fiebern wir selten in den Kämpfen mit.

Wir nannten den Affen Jack

Nun könnte man einem Fluch der Karibik ja einiges verzeihen, wenn wenigstens Jonny Depp in seiner Paraderolle als Jack Sparrow glänzen würde. Aber selbst der Star der Serie fällt hier flach - und es drängt sich das Gefühl auf, dass der neue Autor Jeff Nathanson (Indiana Jones 4) gar nicht so recht erfasst, was die Figur überhaupt erst so beliebt gemacht hat.

Klar, Jack war schräg, exzentrisch und oft besoffen - aber gleichzeitig ein gerissener und schwer durchschaubarer Halunke, der (fast) immer einen Notfallplan in der Hinterhand hatte. In Fluch der Karibik 5 verkommt er gänzlich zum Hampelmann, der zum Film nicht viel mehr als billige Slapstick-Einlagen beisteuert. Immerhin serviert der Film in einer seiner besten Szenen einige interessante Details über Jacks Hintergrundgeschichte, aber in der Gegenwart stolpert er sinn- und planlos durch die Handlung und wirkt oft komplett fehl am Platz.

Pirates of the Caribbean 5 - Trailer zeigt jungen CGI-Jack-Sparrow 2:28 Pirates of the Caribbean 5 - Trailer zeigt jungen CGI-Jack-Sparrow

Nun ist Salazars Rache trotz all dem als Film auch keine Totalkatastrophe. Die Schauspieler liefern weitgehend solide Leistungen ab: Von Neulingen wie Brenton Thwaites und Kaya Scodelario als Henry und Carina bis hin zu Geoffrey Rush als Barbossa, immer schon eins der heimlichen Highlights von Fluch der Karibik. Und auf die Augen und Ohren gibt es dank serientypisch exzellenter Effekte, Musikuntermalung und Kostümierung auch wieder einiges. Aber der Film beweist, dass das eben nicht alles ist. Der Charme, der Witz, der Funken des ersten Fluch der Karibik - der fehlt hier komplett. Nach gleich zwei so schwachen Teilen in Folge wäre es vielleicht besser, die Serie endlich ruhen zu lassen.

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