For Honor - »Das wird mein Battlefield«

Die Closed Alpha zu For Honor wirft eine Frage auf: Kann es Ubisoft schaffen, mit Riesenbudget das beste PC-Schwertspiel überhaupt zu entwickeln. Oder behalten die Underdogs Mount & Blade und Chivalry die Nase vorn? Unser erstes Fazit.

von Dimitry Halley,
15.09.2016 18:05 Uhr

Dimi spielt die Closed Alpha von For Honor. Hier die ersten Eindrücke.Dimi spielt die Closed Alpha von For Honor. Hier die ersten Eindrücke.

Die Beta von Battlefield 1 hat mich nicht so begeistert wie viele der Kollegen. So, jetzt ist es raus. Und bevor mich alle lynchen: Ich gönne jedem seine Freude, wenn er in den Wüstenschlachten den Spaß seines Lebens hat. Dice macht hier einen guten Job, Battlefield 1 wird sicher super und nach Release schaue ich auch auf jeden Fall nochmal vorbei. Okay? Frieden?

Aber die Closed Alpha von For Honor ködert mich mit einem Versprechen, das ich ganz persönlich viel spannender finde: Es will mir das beste Schwertspiel-Erlebnis überhaupt bieten. Als jemand, der über 150 Stunden in Chivalry versenkt hat, öffne ich so einem Unterfangen freudig die Arme. For Honor wird mein Battlefield 1, wenn Ubisoft die Dinge umsetzt, die ich mir wünsche (okay, mit seinen Infanteriegefechten erinnert es vielleicht sogar mehr an Call of Duty mit Schwertern). In dem Fall würde ich Dutzende und Aberdutzende von Stunden mit meinen Kumpels in den rauen Schlachten versenken. Nachdem ich die ersten Matches in der Closed Alpha geschlagen habe, bleibt aber ein Rest an Unsicherheit zurück: Ich zweifle gegenwärtig noch daran, ob For Honor wirklich besser als Chivalry wird.

So gut ist For Honor geworden: Unser Test zum Multiplayer

Zeit für ein Duell

Einen ordentlich Nahkampf mit Schwertwaffen in einem Action-Spiel hinzubekommen, scheint ziemlich schwierig zu sein. Zumindest gemessen daran, wie wenige Entwickler den Versuch überhaupt unternehmen. Im Singleplayer-Bereich bleibt Dark Messiah of Might & Magic in meinen Augen der Genre-Primus, im Multiplayer prügeln sich Mount & Blade, Chivalry und noch unbekanntere Spiele wie War of the Vikings seit Jahren im Low-Budget-Bereich, weil jeder der beste Genre-Vertreter sein will.

For Honor - Multiplayer-Video: Dominion-Spaß in der Closed Alpha For Honor - Multiplayer-Video: Dominion-Spaß in der Closed Alpha

For Honor setzt da noch einen drauf und will direkt zum Release einen Triple-A-Blockbuster mit Kampagne an den Start bringen, der auf allen Plattformen gleichermaßen gut funktioniert. Das Ergebnis spielt sich in der Closed Alpha alles andere als intuitiv. Wild auf die Angriffstasten zu klicken, bringt einen nicht mal durch das erste Match - man muss clever zwischen Deckung und Angriff wechseln, gegnerische Attacken mit der Maus antizipieren, immer auf der Hut vor einem Tritt in den männlichen Maschinenraum sein - und dann kommt doch so ein Drecksack von hinten und macht einen per Überraschungsangriff nieder (im Fall von Michael Obermeier und mir waren wir die Drecksäcke, die ehrenhafte Kämpfer rücksichtslos getäuscht und überfallen haben).

Gerade im opulenten Dominion-Modus passiert das (die beiden anderen Modi der Alpha sind Duell und Gruppen-Duell) häufig. Ich muss Kontrollpunkte einnehmen, auf KI-Bots einhauen und wechsle in den Duell-Modus, sobald mir ein echter Spieler vors Visier läuft - egal, ob ich jetzt Ritter, Samurai oder Wikinger bin. Einzelduelle klappen prima, im Tumult wird's dann schnell mal unübersichtlich mit all den Tasten und Stellungen, die ich verwalten muss. For Honor soll mit Gamepad und Tastatur funktionieren, kommt als Bedienungs-Allrounder aber deshalb lange nicht an die Präzision eines Chivalry heran.

Auch bei den Spielmodi fehlt gegenwärtig ein bisschen die Kreativität. Duelle sind im Wesentlichen Death Matches, und Dominion bleibt trotz der atmosphärischen Bots ein Eroberungsmodus. Ubisoft darf gern mal rüber zu Chivalry schielen und sich einige der echten Belagerungsmodi und Königsverteidigungen dort abgucken. Auf der anderen Seite sind ja auch noch nicht alle Multiplayer-Modi von For Honor bekannt.

Diese Atmosphäre!

Das klingt sehr kritisch, unterm Strich habe ich aber trotzdem sehr viel Spaß mit For Honor. Das Spiel schafft es, aus zig Einzelaspekten eine großartige Schlachtenatmosphäre zu erzeugen. Die Animationen wirken lebensecht (und sehen absolut fantastisch aus!), das Gebrüll und die ganzen KI-Soldaten sorgen für das Gefühl eines ungeordneten Soldatenhaufens, in den ich mich wild reinhacke. Und wer auf den Zinnen einer gigantischen Burg ein Duell auf Leben und Tod mit einem feindlichen Spieler austrägt, wird mir wahrscheinlich zustimmen, wie unheimlich filmisch sich das anfühlt.

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Die Schauplätze der Gefechte wirken wie epische Requisiten aus Hollywood-Ritterfilmen, und im Menü kann ich mit verdienten Items, Erfahrungspunkten und Gold meinen Soldaten bis ins kleinste Detail customizen. »Detail« ist hier übrigens keine Floskel: Bei meinem Schwert kann ich beispielsweise Klinge, Parierstange und Heft getrennt voneinander modellieren. Für meinen Schulterpanzer wähle ich nicht nur das grobe Modell, sondern auch Musterung und Symbol. So muss das!

For Honor ist wie ein Chivalry, dessen Grundkonzept man mit hohem Budget zu einem Mammut-Projekt aufgestockt hat. Dabei bleibt meiner Meinung nach ein bisschen PC-spezifische Bedienungs-Rafinesse auf der Strecke, auf der anderen Seite profitiert die Idee des Schwertkampfspiels natürlich sehr von der Expertise eines vergleichsweise riesigen Teams. For Honor wird ein Hochglanz-Mittelalterspiel, das mich im Moment extrem mit seinem spannenden Ansatz und der tollen Inszenierung ködert. Aber am Ende muss das fertige Spiel natürlich auch genügend spielmechanische Tiefe haben, um als Multiplayer-König wirklich regieren zu können. Gerade bei den Spielmodi.

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