»Frauen wollen analysieren und intrigieren« - Interview mit einer Game Designerin

Die Game Designerin und 3D-Grafikerin Kathleen Kunze war unter anderem an der Entwicklung von Die Siedler: Aufbruch der Kulturen und Die Gilde 2 beteiligt. Sie glaubt, die Mehrheit der weiblichen Spieler werde nie zur Zielgruppe für Action-Titel. Darüber hinaus könne man Frauen und Männer aber nicht in nur zwei Schubladen stecken.

von Harald Fränkel,
20.10.2009 15:58 Uhr

Kathleen Kunze Game Designerin bei Funatics SoftwareKathleen Kunze Game Designerin bei Funatics Software

GameStar
Welche Spielelemente wünschen sich Frauen?

Kathleen Kunze
Frauen sind soziale Komponenten wichtig. Darin liegt ihr Wettkampf. Frauen messen sich darin, wer den anderen besser durchschauen, sozial analysieren und geschickter reagieren kann, manchmal vielleicht sogar intrigieren.


Gamestar
Warum gibt es im Vielspieler-Bereich weniger Frauen?

Kathleen Kunze
Für einen Toptitel braucht man einen entsprechend starken PC, für ein Tetris-Browserspiel genügt der 08/15-Rechner auf der Arbeit. Die technischen Voraussetzungen beeinflussen auch die Wahl des Spiels. Und bessere, neuereTechnik zu besitzen als jemand anderer hat was mit Kräftemessen zu tun. Das ist eine archetypische Grundeinstellung, die Männern näher liegt als Frauen. Darin sehe ich auch den Grund, warum Frauen eher Die Sims als Counterstrike spielen.

Gamestar
Der Wettkampf, so sagen einige Studien, liefert die größte Motivation zum Spielen. Bleiben Frauen aus diesem Grund auf der Strecke?

Kathleen Kunze
In Umfragen gibt es neben dem Wettkampfgedanken heute viele andere Motivationen, die – auch von Männern – mindestens gleich oft genannt werden: Abenteuer erleben, Freunde treffen, ein Held sein, Abschalten vom Job, Knobeln, Rätsel knacken, auch mal an seine Grenzen gehen.

Gamestar
Würden mehr Frauen spielen, wenn es mehr Game Desig nerinnen gäbe?

Kathleen Kunze
In meinen Augen ist es ein Männer-Trugbild, dass Frauen Heldinnen mit großer Oberweite und langen Beinen abstoßend finden. Diesen Einwand habe ich noch von keiner Spielerin gehört. Die Darstellung wird vielleicht belächelt, aber im Grunde haben Frauen nichts dagegen, mit einer solchen Figur zu spielen, da sie dadurch ja in den Genuss kommen, ihr eigenes Selbst auf diese Rolle zu projizieren. Wenn es mehr Game Designer innen gäbe, hieße das nicht zwangsläufig, dass mehr Spiele für Frauen entstünden. Denn Spieldesign ist ein Handwerk, das nach bestimmten Prinzipien funktioniert. Jeder Designer – egal ob Mann oder Frau – setzt das um, was von der Firma und vom Markt gefordert ist, und nicht zwangsläufig das, was er oder sie selbst gern spielen würde.


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