GamerGate vs. Mass Effect - Entwickler spenden tausende Dollar nach frauenfeindlicher Twitterattacke

Hunderte Twitter-Trolle bombardierten eine Entwicklerin mit Hasskommentaren für die Animationen von Mass Effect: Andromeda. Ihre Kollegen traten dem mit Spenden für mehr Frauen in der Videospiel-Industrie entgegen.

von Maurice Weber,
22.03.2017 15:56 Uhr

Auf Twitter machten zahlreiche Nutzer eine einzelne Frau für die Animationsprobleme von Mass Effect: Andromeda verantwortlich.Auf Twitter machten zahlreiche Nutzer eine einzelne Frau für die Animationsprobleme von Mass Effect: Andromeda verantwortlich.

Nachdem Naughty-Dog-Künstlerin Alexandra Neonakis eine Barrage von frauenfeindlichen Angriffen auf Twitter über sich ergehen lassen musste, kamen Kollegen aus der ganzen Branche zu ihrer Unterstützung. Neonakis hatte als Reaktion auf die Attacken, einige davon von selbsterklärten Anhängern der GamerGate-Bewegung, 500 Dollar an Girls Make Games gespendet.

Diese Organisation will jungen Mädchen mit Workshops und Game Jams helfen, ihren Weg in die Spieleentwicklung zu finden. Zahlreiche Kollegen folgten Neonakis Spende und taten es ihr gleich, darunter Uncharted-4-Regisseur Neil Druckman und Mitarbeiter von Studios wie Blizzard und Disney.

»Naja, du bist ja ein Mädchen«

Neonakis war gar nicht das ursprüngliche Ziel der Anfeindungen: Sie geriet erst ins Visier der Trolle, nachdem sie sich scharf gegen die Angriffe auf Animations-Designerin und Cosplayerin Allie Rose-Marie Leost aussprach.

Diese wurde von einem GameGate-nahen Blog für die durchwachsenen Animationen von Mass Effect: Andromeda verantwortlich gemacht und musste dafür hunderte Hasskommentare über sich ergehen lassen. Einige warfen ihr etwa vor, nur aufgrund ihres Geschlechts die Stelle bei EAs Motion-Capture-Einrichtung in Vancouver bekommen und so Mass Effect ruiniert zu haben.

Bioware stellte allerdings kurz darauf klar, dass Leost gar nicht federführend an der Entwicklung von Andromeda beteiligt war - und betonte, dass es völlig inakzeptabel ist, Einzelpersonen derart anzugreifen.

Auch Neonakis nahm auf Twitter Stellung zu dem Sturm an negativen Kommentaren, der über Leost hereinbrach. Sie betonte, wie schwer es Frauen in der Spieleentwicklung haben können:

"Ich habe zehn Jahre in dieser Industrie gearbeitet. Ich habe mich dahin durchgebissen, wo ich jetzt bin, obwohl mir Leute ständig sagten, das könnte und sollte ich nicht. Und bei jedem verdammten Schritt hat irgendein Arschloch versucht, es abzutun mit, »Naja, du bist ja ein Mädchen, das hat offensichtlich geholfen.« [...] Ich spüre einen stetigen Drang, immer härter zu arbeiten, um mir und anderen zu beweisen, dass das nicht der Grund ist. Jeder Frau in der Industrie, mit der ich spreche, geht es genauso."

Nach diesen Aussagen wurde Neonakis selbst das nächste Ziel der Angriffe. Besonders ihre abschließende Aussage sorgte für einigen Hass: »Wir sind in dieser Industrie, egal ob ihr uns hier wollt oder nicht

Die Ursprünge des Shitstorms: Plus-Report zu GamerGate

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