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Inhaltsverzeichnis
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Gewaltmedien und Ursachenforschung - Die Quelle ihrer Ideen

»Triff Menschen aus aller Welt und bring sie dann um!« – »Macht mehr Spaß, als auf die Nachbarskatze zu schießen« – »Töte deine Freunde ohne schlechtes Gewissen« – »Dieses Spiel könnte ungeeignet sein für Kinder … und Feiglinge.« Mit diesen Botschaften wurden Videospiele beworben. Reine Geschmacklosigkeiten? Oder doch Indizien eines verrohenden Mediums? Nach dem Amoklauf von München im Juli 2016 flackerte die alte Debatte um Gewaltspiele wieder auf. Die Gründe dafür liegen auf der Hand – und gehen weit zurück.

von Andreas Garbe,
26.10.2016 08:00 Uhr

Es war der 21. April, in Washington D.C. herrschten sommerliche Temperaturen und ein relativ neues Unterhaltungsmedium drohte die Gesellschaft zu verrohen. Der Psychiater Fredric Wertham war aus New York angereist und nun auf dem Weg in den US-Senat, um einem Justiz-Unterausschuss von seinen Forschungsergebnissen zu berichten. In einer umfassenden klinischen Studie hatte er zusammen mit einem Team aus Dutzenden Medizinern, Lehrern und Sozialarbeitern sieben Jahre lang hunderte Schulkinder in den USA untersucht, sie Tests unterzogen und ausführliche Gespräche mit ihnen geführt.

Das alles hatte er in einem Buch mit dem Titel »Die Verführung der Unschuldigen« zusammengefasst. Wertham war überzeugt, dass Kinder und Jugendliche durch das neue, übertrieben gewalthaltige Medium in großer Gefahr waren. Indizien dafür kannte er auch aus seinem privaten Umfeld. Er würde dem Ausschuss von den Jungs berichten, die inzwischen mehrmals am Tag Steine aus den Bahnen der »Long Island Rail Road« warfen und dabei auch schon Passanten verletzt hatten.

Ihm war klar, wer oder was sie dazu trieb und das besagte Medium hatte auch das Fernsehen infiziert: »Alle Medien müssen den Sadismus zurückfahren«, hatte Wertham in seinem Buch gefordert. »Kinder verwechseln Gewalt mit Stärke, Sadismus mit Sex, tiefe Ausschnitte mit Weiblichkeit, rassistische Vorurteile mit Patriotismus und Verbrechen mit Heldentum.«

Reaktionen nach dem Amoklauf von München:Die Rückkehr der »Killerspiele«?