Google-Datenskandal - Eric Schmidt gesteht Fehler ein (Update)

Google gerät wegen seiner Datensammelwut für den Dienst Street View immer mehr ins Zwielicht.

von Georg Wieselsberger,
04.06.2010 16:00 Uhr

Das Sammeln von Daten über private WLANs und das teilweise Abspeichern und Mitlesen von E-Mails soll laut Google ein Versehen gewesen sein, das vermutlich ein rechtliches Nachspiel haben wird. Laut n-tv wird das Vertrauen in Google aber auch durch ein weiteres Detail erschüttert. Statt wie bisher bekannt nur Fotos für Street View zu machen, verwendete Google zusätzlich Laser-Scanner, um Daten über Gebäude zu erhalten. Damit sollen vermutlich 3D-Ansichten erstellt werden. Laut Google ist für das Scannen keine Genehmigung notwendig, außerdem habe man die Öffentlichkeit bereits vor zwei Wochen über den Einsatz der Laser-Scanner informiert.

Datenschützer wie Thilo Weichert, der Beauftragte des Landes Schleswig-Holstein, fordern allerdings genauere Informationen darüber, während andere bereits eine Klage gegen den Internet-Konzern planen. Laut Weichert ist zumindest das Lesen der E-Mails bereits strafbar, während die weiteren Handlungen erst noch geprüft werden müssten.

Update 23.05.2010

Bayern hat Google inzwischen alle Fahrten und Aufnahmen für den Dienst Street View untersagt, bis die Vorwürfe hinsichtlich der WLAN-Datensammlung aufgeklärt sind und möchte das Verbot auch auf ganz Deutschland ausdehnen. Es sei nicht hinnehmbar, dass Google die Fahrten durch Deutschland fortsetze, ohne dass die Vorwürfe restlos geklärt seien. Über Ausweitung des Verbots werden die Innenminister der Länder am 27. Und 28. Mai auf ihrer Konferenz verhandeln.

Währenddessen hat sich Google-Gründer Larry Page für die Aufzeichnung der Daten entschuldigt und sie als Fehler bezeichnet und scheint damit laut Welt Online einen ganz anderen Kurs zu fahren als Firmen-Chef Eric Schmidt. Letzterer scheint mit Aussagen wie »Wem wurde Schaden zugefügt? Nennen Sie mir diese Person« wenig Einsicht dafür zu zeigen, dass Google vermutlich gegen bestehende Gesetze verstoßen hat.

Update 28.05.2010

Wie Google mit den deutschen Behörden und Gesetzen umgeht, findet sogar in den USA Beachtung. Zwar hat Google angekündigt, dem Hamburger Datenschutzbeauftragten eines der Street-View-Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen und auch kurz vor Ablauf einer gesetzten Frist geforderte Informationen über Technik und Organisation schriftlich übermittelt, doch eine wirkliche Zusammenarbeit sieht auch die New York Times nicht. Die Datenschützer haben auch die Herausgabe der gespeicherten WLAN-Daten gefordert, die aufgrund der Untersuchung vorerst nicht gelöscht werden sollen. Fast klingt es wie ein schlechter Scherz, aber wie die New York Times meldet, hat Google die Herausgabe der Daten abgelehnt und sich dabei ausgerechnet auf die deutschen Datenschutzgesetze bezogen, die dies verbieten würden.

Das Verhalten von Google sieht Simon Davies, der einer internationalen Datenschutzorganisation in London vorsteht, als Kriegserklärung an die Europäische Kommission und als Beleg, dass vermutlich viel mehr hinter der Sache steckt, als bisher bekannt. Allerdings ist nicht nur Europa betroffen. Google hat in 33 Ländern und Hong Kong »aus Versehen« 600 GByte an ungesicherten WLAN-Daten gespeichert.

Update 02.06.2010

Wie der britische Telegraph meldet, hat Google mit seinen Streetview-Autos bereits alle WLAN-Router in Großbritannien erfasst und aufgezeichnet. Behörden und Öffentlichkeit hätten davon aber erst erfahren, als in Deutschland das »versehentliche« Aufzeichnen privater Daten bekannt wurde.

Google habe nicht gedacht, dass man Datenschützer über die Aufzeichnung existierender WLAN-Router informieren müsse. Bemerkenswert ist, dass Google laut Telegraph darauf hinweist, dass auch andere Firmen Karten aller in Betrieb befindlichen WLAN-Netze erstellt haben, unter anderem auch Skyhook Wireless, die für Apple arbeiten.

Update 04.06.2010

Google-Chef Eric Schmidt scheint seine Einstellung geändert zu haben. Während er wie bereits gemeldet vor knapp 10 Tagen noch wenig Einsicht zeigte, erklärte er nun gegenüber der Financial Times, dass man die gesammelten Daten in den nächsten zwei Tagen an die Datenschützer übergeben wird.

Google hatte dies bekanntlich zunächst aus Datenschutzgründen abgelehnt und damit das Unverständnis über das Verhalten des Konzerns noch verstärkt. Nun will Google dafür sorgen, dass auch intern Datenschutzregelungen eingehalten werden und untersucht auch, wie die Aufzeichnungssoftware für ungeschützte WLAN-Daten an Bord der Streetview-Autos gelang.

Eric Schmidt erklärte, dass man Fehler eingestehen müsse, da dies die Voraussetzung dafür sei, dass sie nicht wieder passieren. Schließlich wolle Google das Vertrauen der Nutzer wiedergewinnen.


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