Grand Ages: Medieval - Grand Ages im Konkurrenzvergleich

Wie spielt sich Grand Ages: Medieval eigentlich im Vergleich zu ähnlichen Wirtschafts-Strategiespielen, etwa Patrizier 4, Port Royal 3 oder Rise of Venice? Wir machen im Special den Vergleich.

von Martin Deppe,
16.09.2015 14:00 Uhr

Grand Ages: Medieval - Kurzer Überblicks-Trailer 0:58 Grand Ages: Medieval - Kurzer Überblicks-Trailer

Grand Ages: Medieval kommt vom Entwickler-Publisher-Duo Gaming Minds und Kalypso. Die Allianz zwischen Gütersloh und Worms steht schon seit 2010, als die beiden Patrizier 4 herausbrachten. Grand Ages: Medieval ist die mittlerweile vierte Zusammenarbeit auf dem Wirtschaftssektor.

Wir lassen den Neuling daher gegen Patrizier 4, Port Royale 3 und Rise of Venice antreten - und gegen seinen »Vorgänger« Grand Ages: Rome.

Grand Ages: Medieval (2015)

Grand Ages: Medieval hat die mit Abstand größte Karte im Spiel (hier sehen Sie ungefähr ein Achtel). Was hier so unspektakulär ausschaut, birgt Sprengstoff, denn die Kreise zeigen die Einflussbereiche aller Städte. Wir müssen also gut überlegen, wo wir uns ausbreiten.Grand Ages: Medieval hat die mit Abstand größte Karte im Spiel (hier sehen Sie ungefähr ein Achtel). Was hier so unspektakulär ausschaut, birgt Sprengstoff, denn die Kreise zeigen die Einflussbereiche aller Städte. Wir müssen also gut überlegen, wo wir uns ausbreiten.

Auch der Neuling Grand Ages: Medieval besteht aus mehreren Baustellen, um die wir uns kümmern müssen: Handel, Produktion, Stadtausbau, Militär, Diplomatie, Forschung. Und wir müssen neue Städte gründen - das hat es in dieser Form bei den anderen Spielen noch nicht gegeben. Dazu schicken wir einen Trupp Siedler über die Europakarte, potenzielle Bauplätze in der Nähe kriegen dann ein fettes grünes Kreuz verpasst. Doch der Bauplatz will gut geplant sein.

Denn jede eigene Stadt vergrößert unseren Machtbereich, und der wiederum erhöht unseren Rang. Wenn wir eine neue Siedlung also zwischen zwei Konkurrenzstädte quetschen, kann sie sich kaum ausbreiten. Außerdem liegen nicht überall die gleichen Rohstoffe rum, wir sollten daher auf geschickte Kombos achten, zum Beispiel Kohle + Metall = Werkzeuge. Aber wie unterscheidet sich Grand Ages: Medieval noch, und wo liegen die Gemeinsamkeiten?

Grand Ages: Medieval – die Kämpfe selbst sind recht anspruchslos; im Prinzip versuchen wir, mehr Truppen aufzufahren als der Gegner. Die Herausforderung liegt vor allem darin, uns überhaupt Truppen leisten zu können: Ein stehendes Heer will versorgt sein, sonst geht die Moral runter, bis zur Befehlsverweigerung.Grand Ages: Medieval – die Kämpfe selbst sind recht anspruchslos; im Prinzip versuchen wir, mehr Truppen aufzufahren als der Gegner. Die Herausforderung liegt vor allem darin, uns überhaupt Truppen leisten zu können: Ein stehendes Heer will versorgt sein, sonst geht die Moral runter, bis zur Befehlsverweigerung.

Grand Ages: Rome (2009)

Grand Ages: Rome erinnert stellenweise an Tetris, denn das geschickte Platzieren voneinander abhängiger Gebäude ist das Ah! und Oh!. Grand Ages: Rome erinnert stellenweise an Tetris, denn das geschickte Platzieren voneinander abhängiger Gebäude ist das Ah! und Oh!.

Auch wenn beide Spiele ein »Grand Ages« im Namen haben, unterscheidet sich Haemimonts Strategiespiel von 2009 (GameStar-Wertung: 77 Punkte) in einigen wesentlichen Bereichen. Denn Grand Ages: Rome ist vor allem eine Städtebausimulation, bei der wir Produktionsgebäude und Wohnhäuser geschickt anordnen müssen. Transportwege entfallen dabei, die Rohstoffe teleportieren quasi an ihren Zielort, selbst die Arbeiter sind nur grafische Zierde. Medieval ist es dagegen schnurzpiepegal, wo die Gebäude stehen - denn sie werden automatisch platziert, sobald wir sie in einem schnöden Button-Menü kaufen. Außerdem dürfen wir pro Stadt nur magere fünf verschiedene Produktionsbauten errichten, die dann aber in beliebiger Menge. Wohnhäuser gibt's gar nicht, auch keine verschiedenen Bewohnerklassen wie in Rome mit seinen Plebejern, Equites und Patriziern und ihren immer anspruchsvolleren Bedürfnissen. Dafür dürfen wir in Grand Ages: Medieval selber Städte errichten - wo wir wollen.

Grand Ages: Rome – die Echtzeitschlachten sind so untaktisch wie die von Grand Ages: Medieval, Truppen verklumpen sofort.Grand Ages: Rome – die Echtzeitschlachten sind so untaktisch wie die von Grand Ages: Medieval, Truppen verklumpen sofort.

Die Kampagne ist in Grand Ages: Rome deutlich ausgefeilter, denn wie in einem Rollenspiel können wir ein Alter Ego wählen, das Boni genießt, wir picken Missionen heraus und lernen bei Stufenaufstiegen neue Fertigkeiten - das gibt's in Medievals Kampagne so nicht, da dürfen wir bei einem Rangaufstieg gerade mal Forschungspunkte verteilen und mehr Einheiten rekrutieren. Hier liegt der Fokus klar auf dem Freien Spiel. Bei der 3D-Karte und den Gefechten kommen sich beide Spiele wieder näher. Die Karten sehen sich recht ähnlich, und die Echtzeitschlachten sind beide taktisch gleich ... anspruchslos: Wer mehr Truppen in die Kämpfe wirft, gewinnt. Es gibt weder Formationen noch Spezialkommandos.

Patrizier 4 (2010)

Patrizier 4: Die »Weltkarte« beschränkt sich auf Nord- und Ostsee und schiffbare Flüsse. Expeditionen ins Mittelmeer werden berechnet und sind nicht zu sehen.Patrizier 4: Die »Weltkarte« beschränkt sich auf Nord- und Ostsee und schiffbare Flüsse. Expeditionen ins Mittelmeer werden berechnet und sind nicht zu sehen.

Das Seehandel-Epos spielt nicht nur 300 Jahre nach Grand Ages: Medieval, also um 1350, sondern auch auf einer kleineren Karte. Patrizier 4 (GameStar-Wertung: 77 Punkte) deckt Nord- und Ostsee ab - wir schicken zwar Expeditionen gen Mittelmeer, aber die werden lediglich berechnet. Die vorgegebenen 3D-Städte dienen sozusagen als Menü, hier klicken wir auf Gilde, Kontor und Co., was mehr Flair auffährt als die nüchternen Button-Bildschirme von Grand Ages: Medieval.

Gemeinsamkeiten finden wir aber auch: Beide haben den praktischen Handels-Schieber, den wir per Maus bewegen und der uns gleich anzeigt, wieviel Geld wir für Verkaufsmenge X kriegen. Denn in beiden Spielen gilt: Je höher die Nachfrage, desto höher der Preis - und wenn wir viel liefern, sinkt der Stückpreis. Es ist also cleverer, unsere Waren nicht komplett an eine Stadt zu verkaufen, sondern auf mehrere Abnehmer aufzuteilen. Gleiches gilt für den Einkauf. Wir handeln übrigens ausschließlich per Schiff, es gibt keinen Gütertransport über Land.

Patrizier 4: Städte dienen sozusagen als 3D-Spielmenü, Produktionsgebäude errichten wir manuell auf der Umgebungskarte.Patrizier 4: Städte dienen sozusagen als 3D-Spielmenü, Produktionsgebäude errichten wir manuell auf der Umgebungskarte.

Beide Spiele bieten außerdem die praktischen Handelsrouten, theoretisch könnten wir also den Zeitraffer anwerfen, uns zurücklehnen und die Münzen klingeln lassen. Praktisch machen wir das natürlich nicht, denn in beiden Spielen holen wir manuell deutlich mehr Gewinn raus (falls wir uns nicht allzu dusselig anstellen). Landschlachten gibt's in Patrizier 4 übrigens nicht, sondern nur Seegefechte. Wir können sogar auf Pirat umschulen und Handelsschiffe kapern - allerdings sind die Kämpfe auf separaten Seekarten dermaßen zäh, dass wir sie lieber gleich berechnen lassen.

Port Royale 3 (2012)

Port Royale 3: Bunt ist Trumpf – das Karibik-Abenteurer ist der mit Abstand farbenfrohste unserer Vergleichskandidaten. Das motiviert von Anfang an, zumal eine schicke Gouverneurstochter winkt.Port Royale 3: Bunt ist Trumpf – das Karibik-Abenteurer ist der mit Abstand farbenfrohste unserer Vergleichskandidaten. Das motiviert von Anfang an, zumal eine schicke Gouverneurstochter winkt.

Raus aus dem nasskalten Nordeuropa, rein in die Karibik: Zwei Jahre nach Patrizier 4 schicken uns Gaming Minds und Kalypso mit Port Royale 3 (GameStar-Wertung: 82 Punkte) in die Karibik des Jahres 1560. Auf der bunten, aber reichlich unspektakulären Karibikkarte verschieben wir Handels- und Kriegsschiffe, bilden Konvois, machen Reibach. Das hört sich jetzt nicht sooo spannend an, täuscht aber. Denn das Spiel schafft es, uns immer wieder eine lockende Karotte vor die Nase zu halten. Beziehungsweise eine lockend lockige Gouverneurstochter, für deren Eroberung wir zahlreiche Missionen knacken müssen.

Prima: Wir können zu Spielbeginn entweder als Händler oder als Abenteurer durchstarten, und beide Kampagnen spielen sich tatsächlich unterschiedlich, beleuchten verschiedene Elemente. Während wir als Händler logischerweise handeln, aber auch Städte ausbauen und Waren selber produzieren, verlegt sich unser Abenteurer lieber aufs Kapern und Plündern. Beide Kampagnen gehen wie die (wesentlich trockenere) Kampagne von Grand Ages: Medieval anschließend ins Freie Spiel über.

Port Royale 3: Na also, geht doch! Nach den trockenen Seeschlachten (sic!) in Patrizier 4 ballern wir hier gerne aus allen Rohren. Leicht zu bedienen und sauspannend!Port Royale 3: Na also, geht doch! Nach den trockenen Seeschlachten (sic!) in Patrizier 4 ballern wir hier gerne aus allen Rohren. Leicht zu bedienen und sauspannend!

Anders als sein Quasi-Vorgänger Patrizier 4 kriegt Port Royale 3 richtig gute Seeschlachte hin. Wir kurven mit unseren Dreimastern um Untiefen, müssen den Wind berechnen, feuern Breitseiten mit unterschiedlichen Kanonenkugeln ab - Massivkugeln, Kettengeschosse, Kartätschen, kennt man ja. Das geht außerdem flott von der Hand, sodass wir uns gerne in die Schlachten werfen. Dröge sind allerdings Attacken auf Küstenstädte: Erst die Kanonentürme der Verteidiger wegballern, dann mit Soldaten in die Stadt marschieren - ohne Taktiken, einfach zugucken und Daumen drücken. Genauso macht's leider Grand Ages: Medieval in seinen Gefechten und Belagerungen.

Rise of Venice (2013)

Rise of Venice: Hier sehen Sie rund ein Drittel der kompletten Karte. Auch der Konflikt mit Genua motiviert zum Loslegen, immer wieder kommen neue Missionen rein.Rise of Venice: Hier sehen Sie rund ein Drittel der kompletten Karte. Auch der Konflikt mit Genua motiviert zum Loslegen, immer wieder kommen neue Missionen rein.

Uuuund wieder zurück in die Alte Welt, nach Europa: 1455, also 400 Jahre nach Grand Ages: Medieval, übernehmen wir in Rise of Venice (GameStar-Wertung: 82) ein kleines Kaufmannsunternehmen in, richtig geraten, Venedig. Unsere Import-Export-Firma soll natürlich nicht lange klein bleiben, daher bereisen wir mit unseren Schiffen das östliche Mittelmeer, inklusive Küstenstädten im Nahem Osten, am Schwarzem Meer und in Nordafrika. Die Kampagne wirft uns in einen Handelskrieg gegen das nahe Genua, die gezeichneten Zwischensequenzen und textlastigen Hintergrundinfos ähneln stark denen aus Grand Ages: Medieval. Auch der Stadtausbau ist sehr ähnlich, wir klicken Buttons, statt die Gebäude selber auf einem Stadtbildschirm zu platzieren.

Einzigartig ist der »Rat der Zehn«, quasi der Aufsichtsrat von Venedig - hier müssen wir uns ebenfalls behaupten, Missionen für Ratsmitglieder erledigen, spionieren und so weiter. So entsteht selbst dann kein Leerlauf, wenn unsere Handelsrouten gerade flutschen und wenig zu tun wäre. Militärisch rudert Rise of Venice stark zurück. Die lahmen Landschlachten aus Port Royale 3 sind rausgeflogen, seine tollen Seeschlachten hingegen fast eins zu eins übernommen. Zusätzlich können wir jetzt brennendes Öl auskippen, um Verfolger zu flambieren.

Rise of Venice: Wir müssen nicht nur handeln und Seeschlachten schlagen, sondern auch auf dem diplomatischen Parkett steppen. Denn ohne die Unterstützung vom »Rat der Zehn« geht auf der Karriereleiter nichts.Rise of Venice: Wir müssen nicht nur handeln und Seeschlachten schlagen, sondern auch auf dem diplomatischen Parkett steppen. Denn ohne die Unterstützung vom »Rat der Zehn« geht auf der Karriereleiter nichts.


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