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Seite 2: Hellblade: Senua’s Sacrifice im Test - Duell gegen die Unterwelt

Schleichende Krankheit

Schon früh im Spiel führt Hellblade die Dunkelheit als eine Krankheit ein, die Senuas Hand befällt und allmählich ihren Körper verrotten lässt - ein früher Preis für ihre Pläne, Hel zum Kampf herauszufordern. Jedes Mal, wenn Senua nun im Spielverlauf stirbt, wandert die schwarze Seuche etwas weiter an ihrem Arm herauf.

Das Spiel suggeriert uns mit einer Texteinblendung am Anfang deutlich, dass aller Spielfortschritt gelöscht wird, sobald die Fäulnis zu weit voranschreitet. Aber was ist schon real in der Welt von Hellblade? Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, können Sie den folgenden Spoiler-Kasten aufklappen. Alternativ experimentieren Sie selbst mit der Gefahr des Perma-Death, denn so ist es von den Entwicklern beabsichtigt.

Warnung: der folgende Absatz enthält Spoiler

Wir haben uns in unserem Test zuweilen sehr doof angestellt und starben während der acht Spielstunden ziemlich häufig. Trotzdem brachte uns die Fäulnis nicht wirklich an den Rand des Game Over. Mittlerweile scheint sich im Internet zu bestätigen, was wir anhand dieser Erfahrung vermuten: Der Perma-Death ist wahrscheinlich ein Bluff. Selbst nach über 50 Toden geht das Spiel weiter, und diese Zahl dürfte kaum ein Spieler erreichen - Hellblade führt uns offenbar bewusst auf eine falsche Fährte, um die Anspannung zu erhöhen. Das ist aus kreativer Sicht zwar clever, dürfte aber all die Spieler ernüchtern, die sich von solchen Features zum Kauf reizen lassen.

Game Over heißt in Hellblade nicht einfach nur Game Over. Nach einer gewissen Anzahl an Bildschirmtoden wird unser kompletter Spielfortschritt gelöscht.Game Over heißt in Hellblade nicht einfach nur Game Over. Nach einer gewissen Anzahl an Bildschirmtoden wird unser kompletter Spielfortschritt gelöscht.

Der Verzicht auf jegliche HUD-Hilfen bringt übrigens auch einige Nachteile mit sich, die Ninja Theory nicht so gelungen auffängt wie den fehlenden Lebensbalken. So macht sich besonders der Verzicht auf jegliche Orientierungshilfe in Form einer Karte oder auch nur Richtungshinweisen negativ bemerkbar, weil viele Areale vor allem im ersten Spieldrittel recht gleichförmig und austauschbar wirken. Hier haben wir deutlich mehr als ein paar Mal nach einer Zwischensequenz vorübergehend die Orientierung verloren und liefen minutenlang in die falsche Richtung.

Eigentlich ist das spektakuläre Setting ein dankbarer Quell der Inspiration für Leveldesigner, doch Ninja Theory lässt dieses Potential immer wieder liegen. Statt nachvollziehbaren Gebäudegruppierungen und kleinen, in der Welt versteckten Geschichten, wirkt die Ausgestaltung der Level im Gesamtzusammenhang immer wieder beliebig und unzusammenhängend.

Hellblade: Senua's Sacrifice - Offizieller Trailer & Infos zum PS4-Pro-Support 2:01 Hellblade: Senua's Sacrifice - Offizieller Trailer & Infos zum PS4-Pro-Support

Ein gigantisches Rätselspiel

Unglücklicherweise lenkt Ninja Theory unseren Blick immer wieder selbst auf diese Schwäche, indem sie ausgerechnet Umgebungsrätsel zum Kern der Spielmechanik machen. Die laufen trotz wechselnder Kulissen immer gleich ab: Senua betritt durch einen Zugang ein Areal, das mehr oder weniger kreisrund, einigermaßen weitläufig und durch ein massives Portal abgesperrt ist.

Die verschlossene Tür zeigt zwischen einer und drei Runen, die sich Senua einprägen muss. Anschließend laufen wir durch den abgeriegelten Level und suchen in der Umgebung nach auffälligen Steinformationen, umgestürzten Bäumen oder abgebrochenen Ästen, die aus dem richtigen Winkel betrachtet den Umriss der gesuchten Rune ergeben.

Gelingt uns dieses Rätselspiel und finden wir alle im Level verteilten Symbole, öffnet sich die Tür - und womöglich mit Unterbrechung in Form eines Kampfes oder einer Zwischensequenz gelangen wir in das nächste Rätselgebiet.

Wir haben ein verschlossenes Portal entdeckt. Nun heißt es: Augen auf und Runen in der Umgebung aufspüren!Wir haben ein verschlossenes Portal entdeckt. Nun heißt es: Augen auf und Runen in der Umgebung aufspüren!

Zwar lockert Hellblade im zweiten Spieldrittel die schnell etwas zäh werdende Runen-Schnitzeljagd mit einigen Extra-Schalterrätseln und Perspektiven-Spielereien auf, aber leider macht es in einem Großteil der Umgebungen von Hellblade nicht wirklich viel Spaß, nach jedem Detail Ausschau zu halten.

Zu wahllos sind Ruinen und Gebäude platziert, die für sich genommen zwar hübsch aussehen, im größeren Kontext allerdings keine besondere Geschichte erzählen. Die Level von Hellblade sind oftmals kaum mehr als Puzzle-Arenen und Hellblade ist nicht besonders gut darin, diese Tatsache vor unseren Augen zu verbergen.

An den wenigen Stellen, an denen sich Senuas Abenteuer von dieser Formelhaftigkeit loslöst, bekommen wir dafür aber auch wirklich innovative und spannende Sequenzen in die Hände gedrückt: Mal müssen wir einen Level in kompletter Dunkelheit und nur mit Hilfe des Gehörs passieren, mal müssen wir einen spärlich beleuchteten Dungeon durchqueren, in dessen Schatten eine tödliche Kreatur lauert — bleiben wir zu lange der Lichtquelle fern, sterben wir. Jedoch sind diese interessanten Gameplay-Ideen eher die Ausnahme, als die Regel.

Hellblade: Senua's Sacrifice - Trailer: Die wissenschaftliche Grundlage für die Psychose der Heldin 2:50 Hellblade: Senua's Sacrifice - Trailer: Die wissenschaftliche Grundlage für die Psychose der Heldin

Wer liebt hier eigentlich wen?

Eher verwirrt als mitgerissen hat uns außerdem die persönliche Geschichte von Senua, die mit jedem Infofetzen umfangreicher und komplexer wird. Ohne zu viel verraten zu wollen, entwickelt sich aus der Ur-Motivation von Senua (Geliebte steigt in die Hölle hinab, um Geliebten zu retten) allmählich ein Vaterkomplex-Drama, das schließlich um eine Grundsatzdiskussion über die Existenz oder Nicht-Existenz von Göttern erweitert wird - und wir sind uns nicht einmal sicher, ob das schon alles war, oder wir nicht doch noch einen weiteren Hakenschlag der Story schlichtweg nicht mitbekommen haben.

So spektakulär dann auch das Finale inszeniert ist, so bleiben wir nach dem, was als "die ultimative Auflösung mit Twist" gedacht ist, mit einem großen, großen Fragezeichen zurück.

Oberstes Ziel für Senua ist es, ihren Geliebten aus der Unterwelt zu befreien. Als moralische Unterstützung muss der Kopfs des verschiedenen Gatten herhalten.Oberstes Ziel für Senua ist es, ihren Geliebten aus der Unterwelt zu befreien. Als moralische Unterstützung muss der Kopfs des verschiedenen Gatten herhalten.

Deutlich interessanter und besser wird da die Geschichte der vielen Götter, Göttinnen, Riesen und sonstigen Ungetüme erzählt, die wir teilweise als einzige Collectibles des Spiels über Runensteine mit toll vorgetragenen Audiofiles kennenlernen, oder die den thematischen Rahmen für einen kompletten Levelabschnitt bilden.

Der wohl beständigste rote Faden ist und bleibt allerdings der Mythos vom Ragnarök, der die Welt der Nordvölker zerstören wird und auch Senua während ihres Marsches bis vor die Füße von Hel immer wieder niederschmettern wird. Aber genau so, wie die alten Völker davon erzählen, wie nach dem Weltenbrand eine neue Ära des Lichts und der Hoffnung anbrechen wird, so ist auch Senuas Abenteuer ultimativ und trotz aller spielerischen Mängel und verwirrender Erzählbögen eine Geschichte voller Hoffnung und Mut, die es wert ist, erzählt und erlebt zu werden.

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