Ich und die Spielekiller - Verständnis für Spiele fehlt

Spieler nehmen Anteil an Spielen. Gegner können das nicht verstehen.

von Gunnar Lott,
04.01.2008 13:37 Uhr

Ich diskutiere hin und wieder, meist auf Konferenzen, mit dem Feind. Mit sich ehrlich sorgenden Spielegegnern, aber auch den schäumenden Eiferern, den Hetzern, den Spieleverbietern. Ich tue das, weil es nun einmal jemand tun muss. Und es treibt mir den Blutdruck hoch. Denn eine Sache steht immer zwischen uns, die jegliche Verständigung zerstört. Ich sage: »Wer nicht spielt, versteht nicht, wie Spiele sind.« Der Feind sagt: »Wir sind Experten, wir haben Spielern zugeschaut und mit Spielern gesprochen. Das reicht.« Doch das ist ein Trugschluss – man begreift ein Spiel nicht, indem man es sich vorspielen lässt. Wir Spieler nehmen Anteil an Spielen, wir kontrollieren sie, wir können die Symbole als das deuten, was sie sind – wir erfassen Spiele als Regelsysteme. Wir sehen das Umfallen des Endgegners nicht als Mord, sondern als Symbol für das Erreichen eines Ziels.

Wer auf das Erleben verzichtet, kann nicht verstehen, dass selbst gewalthaltige Spiele eine Dramaturgie, Regeln und festgelegte Mechaniken haben. Und weit mehr sind als die Splatterstreifen, als die sie von den Leuten wahrgenommen werden, die sich in abgedunkelten Vorführräumen in Unis und Behörden einzelne Szenen zeigen lassen. Es würde ja auch niemand von sich sagen, er verstünde was vom Achterbahnfahren, wenn er nie in eine eingestiegen ist, sondern sich immer nur von anderen Menschen hat erzählen lassen, wie es war. Hoffentlich.


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