iPhone & iPad - Jailbreak erlaubt, Klage wegen iPad

Apple hat auf der gestrigen Pressekonferenz allen iPhone 4- Besitzern kostenlose Schutzhüllen versprochen, die Existenz eines massiven Antennen-Problems aber bestritten.

von Georg Wieselsberger,
28.07.2010 11:11 Uhr

Die Vorgeschichte dessen, was Steve Jobs gestern als »Antennagate« (im Anklang an den Watergate-Skandal) bezeichnete, haben wir bereits in einer inzwischen sehr lang gewordenen Meldung immer auf dem neuesten Stand gehalten.

Gestern hielt Apple nun eine Pressekonferenz ab, bei der allerdings weniger eigene Fehler eingestanden als mit dem Finger auf Konkurrenten und die Berichterstattung in den Medien gezeigt wurde. So nannte Steve Jobs Produkte von Konkurrenten, bei denen es auch eine Verschlechterung des Empfangs geben soll, wenn man sie auf bestimmte Weise hält.

RIM, der Hersteller des Blackberry Bold 9700, hat sich bereits gegen die Behauptungen von Apple verwahrt, die laut RIM nur dazu dienen sollen, von den Apple-eigenen Fehlern abzulenken. RIM habe 20 Jahre Erfahrung im Antennendesign und bewusst ähnliche Entwürfe wie beim iPhone 4 abgelehnt. Auch Nokia lässt kein gutes Haar an den Behauptungen von Apple.

Egal woran das Problem nun liegt, Apple will es mit dem Angebot kostenloser Schutzhüllen an die iPhone 4- Besitzer aus der Welt schaffen. Unbeschädigte iPhones könne man auch innerhalb von 30 Tagen zurückgeben.

Etwas seltsam wirken einige der Argumente, die Steve Jobs als Beleg für die Qualität des iPhone 4 vorbrachte. So seien beim neuen iPhone »weniger als 1 Prozent mehr« Verbindungsabbrüche zu verzeichnen als beim iPhone 3GS. Kurz: obwohl das iPhone 4 laut Apple deutlich bessere Antennen hat, gibt es minimal mehr Verbindungabbrüche.

Nebenbei gab Apple zu, dass auch der Annährungssensor ein Problem hat, das mit dem nächsten iOS-Update behoben werden soll. Ob sich die Aufregung über »Antennagate« nun legt oder ob Apple weiterhin im Kreuzfeuer stehen wird, bleibt abzuwarten.

Update 18.07.2010

Wie zu erwarten, gehen die Diskussionen über das iPhone 4 unverändert weiter. Eine recht radikale Art, einen Schlussstrich unter das Thema zu ziehen, schlagen unsere Kollegen der US-amerikanischen PC World vor. Apple solle das iPhone 4 schlicht und einfach einstellen und aus dem Sortiment nehmen, da es einfach nicht mehr das »coolste Gadget« sei und seinen Zauber verloren habe. Daher seien auch Änderungen oder Verbesserungen an diesem Handy sinnlos.

Die einzige Lösung sei ein ganz neues Modell, denn statt wie bisher interessierte Blicke auf sich zu ziehen, sei das iPhone 4 nun der Auslöser für Fragen nach Empfangsproblemen oder ob man seine kostenlosen Schutzhülle schon habe. Das alleine könne dafür sorgen, dass sich Kunden lieber nach einem Konkurrenzprodukt umsehen, so PC World.

Anechoic Chamber Testeinrichtung.Anechoic Chamber Testeinrichtung.

Auch die Tour durch das bisher geheime Testcenter, die Apple einigen Journalisten gewährte, hat für viele einen faden Beigeschmack, denn das Antennenproblem trat offensichtlich trotz der Tests in der beeindruckend aussehenden Einrichtung auf. Andere halten die Tour sogar für ein weiteres Ablenkungsmanöver seitens Apple. Sicher ist auf jeden Fall, dass es momentan wohl nur Apple schafft, die Lager derart zu spalten, egal was das Unternehmen in dieser Angelegenheit auch unternimmt.

Update 21.07.2010

Nahezu alle großen Konkurrenten wehren sich laut inzwischen gegen die Darstellung von Apple, dass andere Handys genauso wie das iPhone 4 Empfangsprobleme bekommen, wenn sie auf bestimmte Weise gehalten werden. Samsung hat eine Presseerklärung veröffentlicht, in der betont wird, dass sich die Antenne bei dem von Apple genannten Omnia 2 am unteren Ende befindet und dadurch immer ein Abstand zwischen Hand und Handy gewährleistet ist. Tests hätten keinerlei Probleme ergeben.

Auch die Vermutung, dass die Nutzung eines iPhones mit Schutzhülle nun automatisch als Bestätigung für Empfangsprobleme gesehen wird, bestätigt sich laut HardOCP. Dort bedankt man sich sarkastisch dafür, nutzt also anscheinend selbst das iPhone 4.

Die asiatische Webseite HKEPC schreibt, dass Steve Jobs durch sein Verhalten nach dem Motto »Die anderen haben den gleichen Fehler, warum merkt ihr das nur bei uns?« das Problem noch eine Stufe größer gemacht habe, anstatt einen Schlussstrich unter das Thema zu ziehen. Statt wie bisher nur einige iPhone-Besitzer zu verärgern, habe man nun die ganze Industrie gegen sich aufgebracht.

Das bestätigt in gewisser Weise auch ein erst gestern von Apple veröffentlichtes Video, in dem ein Nokia N97 mini zu sehen ist, dessen Empfangsanzeige von 7 auf 2 Balken fällt, wenn es auf bestimmte Weise gehalten wird. Apple macht aber keine Angaben dazu, ob das Nokia-Handy ebenfalls Verbindungen abbricht. iPhone-Besitzer, die tatsächlich Probleme mit ihrem Gerät haben, dürften sich deswegen kaum besser fühlen, nur weil ein Gerät der Konkurrenz ähnliche Probleme aufweisen soll. Nokia dürfte aber mit Sicherheit auf diese Art der »Mängelbehebung« durch Apple reagieren.

Währenddessen wurde bekannt, dass der Anteil des iPhones auf dem weltweiten Smartphone-Markt von 17% im 3. Quartal 2009 auf nur noch 14 Prozent gefallen ist und die verkauften Einheiten pro Quartal von 8,75 Millionen auf 8,4 Millionen Stück ebenfalls abgenommen haben. Der Smartphone-Markt wuchs im gleichen Zeitraum allerdings um 10 Prozent und »Antennagate« hatte auf diese Zahlen noch keinen Einfluss. Die größten Konkurrenten Nokia und RIM konnten ihren Marktanteil halten oder ausbauen und dabei zudem mehr Einheiten verkaufen.

Update 24.07.2010

Das iPhone 4 sorgt weiterhin für Probleme bei Apple. Während die Diskussion über »Antennagate« weiterhin vor sich hin brodelt, muss das Unternehmen nun das weiße iPhone verschieben. Erst Ende Juni hatte Apple die weiße Version verschoben und für Ende Juli angekündigt.

Doch nun hat Apple in einer sehr knappen Meldung auf seiner Webseite erklärt, dass die Herstellung der weißen iPhones eine »größere Herausforderung« darstelle als man ursprünglich dachte und die Geräte daher erst später im Laufe des Jahres erhältlich sein werden. Die Verfügbarkeit der schwarzen Versionen sei von dem Problem nicht betroffen.

Es dürfte nicht verwundern, dass im Internet nun darüber spekuliert wird, ob die Verzögerung nicht auch daran liegt, dass Apple bei neuen weißen Geräten eine Veränderung vornimmt, so dass keine Schutzhülle mehr nötig ist. Die schwarzen iPhones wurden vermutlich bereits in größeren Mengen produziert, aber auch hier sind neue Versionen nur logisch, damit Apple nicht auf ewig gratis Schutzhüllen anbieten muss.

Update 28.07.2010

In den Vereinigten Staaten hat das US Copyright Office wie gestern kurz gemeldet entgegen den Wünschen von Apple entschieden, dass Smartphones wie das iPhone von deren Besitzern durch einen sogenannten »Jailbreak« von Beschränkungen befreit werden dürfen, um so anderweitig legal erworbene Software auf den Geräten verwenden zu dürfen. Das sei kein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Auch das Entsperren von iPhones für den Betrieb in anderen Netzen sei das Recht des Nutzers. Obwohl beide Eingriffe nun also auch in den USA rechtmäßig sind, geht dabei laut Apple weiterhin die Garantie verloren, wie ein Apple-Sprecher gegenüber Cult of Mac erklärte. Die Mehrheit der IPhone-Nutzer würde von einem Jailbreak ohnehin absehen, da dies das Gerät instabil und unzuverlässig machen könne.

Auch das iPad betreffend gibt es Meldungen, die Apple nicht gefallen dürften. Während eine Studie Apple-Kritiker als »unabhängige Geeks« und iPad-Käufer als »egoistische Elite« bezeichnet, haben letzte eine Sammelklage gegen Apple eingereicht, weil das iPad im Sonnenlicht ihrer Meinung nach zu schnell überhitzt. Das Gerät würde den normalen Erwartungen der Kunden nicht gerecht.


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