Jahresrückblick 2017 - Das Jahr der Lootbox

Prinz Harry verlobt sich mit einer bürgerlichen Amerikanerin, die Kelly-Family füllt wieder ganze Stadien, und Boris Becker ist irgendwie vielleicht ziemlich pleite – für die Boulevardblätter war 2017 ein super Jahrgang. Und für uns Spieler? Werfen wir doch einen Blick in die Lootbox.

von Martin Deppe,
30.12.2017 08:00 Uhr

Die Lootbox ist hier rein zufällig in der Null. Ehrlich.Die Lootbox ist hier rein zufällig in der Null. Ehrlich.

Es ist DAS Duell 2017: Klassische Spiele mit klassischer Solokampagne und ebenso klassischem Vollpreismodell gegen »Games as a Service«. Also Vollpreis-Spiele, die wir nicht nur ein paar Tage oder vielleicht Wochen (durch)spielen, sondern solche, die uns monatelang oder gar über Jahre hinweg bei der Stange halten sollen - aber bitte mit gezückter Kreditkarte.

Denn dieses Geschäftsmodell des kostenpflichtigen Inhalte-Nachschiebens, befeuert von kommerziell erfolgreichen Multiplayer-Titeln wie Overwatch, Destiny 2 oder GTA Online, ist für Publisher schon mittelfristig lukrativer als ein herkömmlicher AAA-Titel, der Unsummen kostet, aber nach der Einmalzahlung kein Geld mehr einbringt.

Grundsätzlich wäre das nichts Neues, schließlich gibt's kostenpflichtige DLCs, Erweiterungen, Skins und so weiter seit etlichen Jahren. Ist ja auch erstmal nichts Schlimmes, wenn die Qualität stimmt und das Spiel sinnvoll erweitert wird. Aber 2017 hat diese Dauerzahlpolitik ein neues Reizthema erschaffen, sozusagen das Unwort des Spielejahres 2017: die Lootbox.

Also eine virtuelle Kiste, die sich manchmal mit Ingame-Währung, gerne aber auch mit echtem Geld erstehen lässt. Diese Lootboxen bergen eine zufällige (!) Sammlung an Waffen, Ausrüstungsgegenständen, Skins oder anderen Objekten. Das Zufallssystem stammt ursprünglich aus Free2Play-Titeln wie Clash Royale oder Hearthstone.

Weil Free2Play-Anbieter ja auch von irgendwas leben wollen, geht das sogar halbwegs in Ordnung. Zumindest, wenn sie nur kosmetischen Tand feilbieten und keine spielerischen Vorteile. Denn auch in einem Gratisspiel wollen wir uns nicht einfach zum Sieg kaufen können. »Pay2Win«, wie der Fachmann sagt.

GameStar Podcast: Mehr als nur Lootboxen - Unser persönlicher Jahresrückblick 2017

GameStar erklärt die Welt
Genau wie die Realität wird auch unser Spiele-Hobby immer komplexer. Wäre doch super, wenn jemand mit leicht verständlichen Visualisierungen Durchblick verschaffen könnte. Bitteschön! Bei diesen Venn-Diagrammen haben wir uns von den Kollegen beim SZ-Magazin und ihrer Rubrik »Gefühlte Wahrheit« inspirieren lassen. Und bevor jemand wütend die Kommentarfeder spitzt: Ja, das ist Satire.

Zahlen, spielen, zahlen, spielen

So weit, so Free2Play. Spätestens seit 2017 stehen diese Lootboxen aber auch massiv in Vollpreisspielen herum. In Call of Duty: WW2 purzeln sie an Fallschirmen in die Strand-Lobby, sie tauchen in Destiny 2 und Forza Motorsport 7 auf, sogar im (fast) reinen Singleplayer-Titel Mittelerde: Schatten des Krieges.

Angespornt werden all diese Beutekisten-Apostel von Overwatch. Blizzards Multiplayer-Shooter steht (fast) zum Vollpreis in den Läden, offeriert aber zusätzlich Lootboxen mit Skins & Co. - und zwar derart erfolgreich, dass Blizzard bereits ein knappes Jahr nach Release 1,4 Milliarden Dollar Umsatz vermelden kann. Ja, Milliarden. Ja, alleine mit Overwatch. Kein Wunder, dass das Nachahmer anlockt.