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Kino-Review zu Logan - Max Payne wäre stolz auf diesen Film

Logan entpuppt sich in der Kritik als der brutalste Superhelden-Film und Titelheld Wolverine als mittlerweile ähnlich hinüber wie Max Payne. Zusammen ergibt das ein hartes, aber tolles Kinoerlebnis.

von Dimitry Halley,
24.02.2017 17:32 Uhr

Ein knallharter, aber mittlerweile sichtbar gealterter Krieger lässt sich fernab seiner Heimat nieder, verliert sich in Alkohol, Tabak und Selbstmitleid. Früher hat er für Recht und Ordnung gekämpft, doch ihm wurde alles genommen, was ihm einst lieb war. Jetzt kutschiert er in schlecht sitzendem Sakko reiche Kids, die ihm genauso wenig bedeuten wie die Welt, aus der sie stammen.

Er ist arm, im Eimer und ohne echte Hoffnung. Guter Kern hin oder her - eine brutale und gnadenlose Gesellschaft hat ihn zu einem desillusionierten Drecksack gemacht, der seine Routine abspielt und gar nicht mehr weiß, was »lebendig« eigentlich bedeutet.

Was in Max Payne 3 Sao Paolo ist, wird in Logan zu El Paso. Trotzdem sind die Ähnlichkeiten der beiden Anti-Helden verblüffend. Und deshalb auch meine Empfehlung: Wer Max Payne cool findet und keine Abscheu gegen Mutanten hegt, der sollte Logan, diesem martialischen Action-Fim für Erwachsene, unbedingt eine Chance geben.

Spoilerfreie Review: Ich werde mich hüten, hier allzu sehr auf Handlungsdetails des Films einzugehen, denn Logan lebt davon, dass man bis zum Ende nicht weiß, was als nächstes mit den Figuren passiert. Allerdings setze ich die Trailer voraus und spreche grob über die Ausganssituation des Films. Wer also absolut gar nichts über Logan wissen will, kann ruhig zu »Fazit zu Logan« springen.

Intime Charakterzeichnung statt Weltenretter-Bombast

Logan ist ein intimer Film. Es geht (anders als bei den großen X-Men-Filmen) nicht direkt um die Rettung der Welt, um kosmische Wesen oder Jahrtausende alte Bedrohungen, sondern um einen alten Helden, der seinen Lebenssinn verloren hat. Eine gute Entscheidung, denn so kann sich der Film auf einen Aspekt konzentrieren, der den X-Men-Filmen der letzten Jahre häufig fehlt: Spannende Charakterzeichnung.

Das Geschehen findet 2029 statt, die glorreichen Tag der X-Men sind lange vorüber und Logan verdingt sich als Uber-Fahrer in einer Welt, die die Mutanten überlebt hat.

Wolverine 3 - Bilder zum Kinofilm ansehen

Anders als bei der Comic-Vorlage Old Man Logan sieht die Zukunft hier nicht aus wie eine postapokalyptische Trümmerlandschaft, sondern sie ähnelt ganz unserer Gegenwart. Klar, hier und da fährt mal ein automatisierter Lastwagen über den Highway und Prothesen wie in Deus Ex gehören zum Standard-Inventar von Militärs und PMCs. Aber im Großen und Ganzen spielt Logan in einer Welt, die im Prinzip so funktioniert wie unsere. Heißt: Uber-Fahrer verdienen genauso frustrierend wenig wie 2017.

Folglich läuft es unaufgeregt und ziemlich mies für den verhärmten Logan, als plötzlich ein elfjähriges Mädchen in sein Leben tritt und alles über den Haufen wirft. Die Ereignisse überschlagen sich, böse Buben mischen mit und für Wolverine beginnt eine brutale Reise durch die Vereinigten Staaten. Mit dabei ist neben der kleinen Laura übrigens (wie die Trailer zur Genüge enthüllen) auch Charles E. Xavier, Wolverines mittlerweile 90-jähriger Mentor. Den alten Kerl mitzunehmen, entpuppt sich für die Story als unglaublich gute Entscheidung.

Drei Generationen in einem Film

Neben der gnadenlosen Action (dazu komme ich noch) gehören die Gespräche zwischen Xavier, Logan und der kleinen Laura zu den Highlights des Films. Hier treffen drei Generationen aufeinander, die sich mal feindselig, mal fürsorglich gegenüberstehen. Der alte Charles steht für die goldenen Tage der X-Men, für das alte Ideal einer friedlichen Heimat für Mutanten. Logan verkörpert die Realität: Ein gescheiterter Schüler, der einst als Held gekämpft und am Ideal zerbrochen ist. Bleibt noch die kleine Laura, stellvertretend für die mögliche Zukunft der X-Men-Idee.

Ob Superhelden in dieser Welt weiterhin existieren können, stellt sich als zentrale Frage des Films vor allem in den Köpfen (und Dialogen) der Hauptfiguren. Um es kurz zu machen: Logan ist unter all der Action ein ähnlich intelligenter Film wie die allerersten X-Men-Streifen von 2000 und 2003. Und damit das mit Abstand beste Wolverine-Spin-Off.

Wolverine 3: Logan - Finaler Trailer zeigt Hugh Jackman und X-23 in Action 2:20 Wolverine 3: Logan - Finaler Trailer zeigt Hugh Jackman und X-23 in Action

Klar, die Handlung von Logan ist nicht perfekt. Die Bösewichte verhalten sich in vielen Situationen selten dämlich, in seltenen Fällen überspannen die Dialoge ein wenig den Theatralik-Bogen und das Ende fällt vorhersehbarer aus, als ich es mir gewünscht hätte. Aber diese Kleinigkeiten ändern nichts daran, dass der dritte Wolverine-Film unterm Strich eine der spannendsten Superhelden-Geschichten der letzten Jahre erzählt und bis zum Finale spannend und unvorhersehbar bleibt. Das liegt auch an der gnadenlos brutalen Action, die kein Blatt vor dem Mund nimmt.

Verdientes R-Rating

Dass Logan in Deutschland eine 16er-Freigabe erhält, hat die anderen Journalisten in der Pressevorführung genauso überrascht wie mich. Meine Güte, ist dieser Film brutal! Wer in der Vergangenheit die Augen darüber gerollt hat, dass Film-Wolverine mit seinen Krallen vergleichsweise harmlose Wunden reißt, der bekommt hier die lang ersehnte Abrechnung: In Logan wird geflucht, getötet, zerfetzt und jede Menge Blut vergossen. Insgesamt avanciert das Spektakel ohne Zweifel zu einem der brutalsten Superhelden-Filme überhaupt, wenn nicht gar zum brutalsten.

Dabei verkommt das Ganze aber nie zur leeren Gewaltorgie. Action wird pointiert und sinnvoll eingesetzt, und sie fügt sich sinnvoll in die Atmosphäre und Story des Films ein. Als Zuschauer kann man Wolverines Zorn nachvollziehen, wenn der Feind selbst Kinder mit Harpunen durchbohrt und Unschuldige abgeschlachtet.

Wolverine 3: Logan - Super-Bowl-Trailer mit Hugh Jackman, X-23 und Professor X 0:30 Wolverine 3: Logan - Super-Bowl-Trailer mit Hugh Jackman, X-23 und Professor X

Umgekehrt entfesseln die Mutanten ihre Kräfte auf eine Art und Weise, die einem ebenfalls Angst machen kann. Wolverine ist kein gebrochener Mann, weil er die Emo-Phase der frühen 2000er wiederbeleben und sich in Selbstmitleid suhlen will, sondern weil ihm diese brutale Filmwelt schlicht keine andere Wahl lässt. Und um das Ganze auch mal aus einer plakativeren Perspektive zu betrachten: Die Action ist auch großartig choreographiert mit intensiven Stunts, die sich direkt und real anfühlen.

Wolverine 3 - Erster Film-Trailer mit Hugh Jackman als Old Logan 1:42 Wolverine 3 - Erster Film-Trailer mit Hugh Jackman als Old Logan

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