Kolumne zu Hatred - Feed the Troll! – Warum wir Hatred testen

In Hatred schlachten wir als Amokläufer Unschuldige ab. In der Vergangenheit haben wir solche Spiele gern ignoriert oder ihnen eine Wertung verwehrt. Chefredakteur Heiko Klinge erklärt, warum wir es dieses Mal anders machen.

von Heiko Klinge,
02.06.2015 13:15 Uhr

Mache ein mittelmäßiges Spiel, und niemanden interssiert's. Verpflanze es in ein Amokläufer-Szenario, und schon hast du die Auferksamkeit der ganzen Gamer-Welt.Mache ein mittelmäßiges Spiel, und niemanden interssiert's. Verpflanze es in ein Amokläufer-Szenario, und schon hast du die Auferksamkeit der ganzen Gamer-Welt.

Wenn jemand im Internet allgemein oder im Speziellen auf unserer Website provoziert und jemand darauf reagiert, dann heißt es häufig: »Don't feed the troll!« Denn Trolle ernähren sich von Aufmerksamkeit. Wenn jeder sie einfach ignoriert, dann würden sie verhungern.

Hatred ist so ein Troll. Würde der Top-Down-Shooter von Destructive Creations nicht bewusst und wohlkalkuliert provozieren, hätte sich vermutlich kein Schwein für dieses stumpfsinnige und ideenlose Geballer interessiert. Trotzdem schenken wir diesem Troll jetzt nicht nur einen umfangreichen Test, sondern auch eine Wertung und damit deutlich mehr Aufmerksamkeit, als solch ein mäßiges Spiel bei uns in der Regel verdient. Warum also füttert GameStar den Troll?

Der Autor
Heiko hat bereits als Zehnjähriger heimlich »Tanz der Teufel« beim Nachbarsjungen geschaut und wurde danach monatelang von Albträumen geplagt. Auch heute noch muss er bei expliziter Gewaltdarstellung ab und zu wegsehen – allerdings nur, wenn sie realistisch inszeniert ist. Platzender Kopf = großes Gelächter, offener Bruch in Nahaufnahme (The Descent!) = schlaflose Nächte. An der Hatred-Diskussion ärgert ihn vor allem, dass fast nur über das provokante Szenario gesprochen wird, aber nur selten über die mäßige Qualität des Spiels.

Grund 1: Der Troll ist bereits fett. In den internationalen Steam-Charts steht Hatred aktuell vor GTA 5 und The Witcher 3. Der aktuelle Gameplay-Trailer wurde allein auf dem Youtube-Kanal des Entwicklers schon über 560.000 Mal angeschaut. Google spuckt bei Eingabe des Suchbegriffs »Hatred Video Game« fast elf Millionen Links und über vier Millionen Videoverweise aus. Hatred ist zu solch einem großen Thema geworden, dass es zwar ignoriert werden kann, aber nicht ignoriert werden sollte. Und das bringt uns zu …

Grund 2: Videospiele sind erwachsen geworden und sollten auch erwachsen besprochen werden. Egal ob eine blutige Macbeth-Inszenierung im Theater, die Sado-Maso-Fantasien einer mäßig talentierten Romanautorin in 50 Shades of Grey oder die Folterszenen der Saw-Kinofilme: Provokation ist schon immer ein elementares, anerkanntes Stilmittel von Kulturmedien und muss per se nichts Schlechtes sein. Aber wenn es etwas Schlechtes ist, dann sollte es auch als Solches entlarvt werden. Vorhang auf für …

Grund 3: Wir wollen Hatred entlarven. Es ist keine zielsichere Kritik der Political Correctness von Videospielen. Es ist auch keine clevere Provokation, die aufrüttelt. Sondern nur ein mäßiges Actionspiel, das abseits seines Skandal-Szenarios kaum etwas zu bieten hat. Das heißt auch: Als »normales« Actionspiel, in dem man keine Unschuldige abschlachten muss, um zu gewinnen, hätte Hatred vielleicht einen mittlere 50er-Wertung von uns bekommen (siehe unsere Story/Atmosphäre-Beurteilung). Aber dann hätte sich wahrscheinlich auch niemand dafür interessiert.

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