Kolumne zum Internet-Ausbau in Deutschland - Affen gegen Breitband

Der Breitband-Ausbau in Deutschland kommt ungefähr so schnell voran wie die Kontinentalverschiebung. Das muss sich ändern, sagt Florian Klein, Chef der Hardware-Redaktion der GameStar.

von Florian Klein,
12.04.2015 11:00 Uhr

Deutschland steht beim Internetausbau ganz hinten an. Eine peinliche Situation, sagt GameStar-Hardware-Chef Florian Klein.Deutschland steht beim Internetausbau ganz hinten an. Eine peinliche Situation, sagt GameStar-Hardware-Chef Florian Klein.

Um das Land fit für die Zukunft zu machen, investiert Indien massiv in den Ausbau von Breitbandanschlüssen auf Glasfaser-Basis, stößt aber auf unerwartete Probleme: Die 3.000 Jahre alte Stadt Haranasi etwa beherbergt in ihren antiken Tempeln Hunderte von Makaken-Affen, die von den Pilgern gefüttert werden. Allerdings wohl nicht genug, denn auch die neu verlegten Glasfaser-Kabel munden ihnen vorzüglich und werden genussvoll samt Isolierung zerkaut.

In Deutschland haben wir zwar keine frei lebenden Makaken - die brauchen wir aber auch gar nicht, um uns im europäischen Vergleich tatsächlich auf dem letzten Platz in Sachen Glasfaser-Ausbau zu befinden. Stattliche ein Prozent der deutschen Haushalte sind laut einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums von Ende 2014 damit versorgt! Statt konsequent und vorausschauend auf das Internet der Zukunft (Bandbreite, Latenz und Stabilität) zu setzen, wird mit möglichst geringen Investitionen versucht, maximalen Ertrag zu erwirtschaften.

Am zukunftssichersten ist der durchgängige Anschluss mit Glasfaser bis in das Haus/die Wohnung. Erheblich preiswerter ist es, nur bis zum Verteilerkasten Glasfaser zu legen und ins Gebäude weiter die Kupferkabel (per V-DSL) zu verwenden. (Quelle: Telekom)Am zukunftssichersten ist der durchgängige Anschluss mit Glasfaser bis in das Haus/die Wohnung. Erheblich preiswerter ist es, nur bis zum Verteilerkasten Glasfaser zu legen und ins Gebäude weiter die Kupferkabel (per V-DSL) zu verwenden. (Quelle: Telekom)

Das sogenannte Vectoring (Verfahren zur Reduktion der Störeinflüsse) soll DSL nochmal um das Doppelte beschleunigen, um auch den letzten Cent aus den betagten Kupferkabeln zu pressen. Natürlich vornehmlich in dicht besiedelten Gebieten (sprich Städten), damit sich die »Neu«-Investition börsenfreundlich lohnt.

Aber selbstverständlich werden auch die ländlichen Gebiete nicht vergessen, bis 2018 soll jeder Bundesbürger mit satten 50 MBit/s online sein - zumindest solange, bis das begrenzte Übertragungsvolumen der drahtlosen LTE-Verbindung erschöpft ist und hart gedrosselt wird. Online-Spieler brauche ich von den Vorzügen einer drahtlosen Verbindung eh nicht zu überzeugen - der regelmäßige Ping-Schluckauf sorgt doch erst für den besonderen Kitzel in kritischen Situationen!

Der Autor Florian leitet das Hardware-Ressort der GameStar und überlegt, ob sich das Glasfaser-Gen der indischen Makaken nicht irgendwie isolieren und in Deutschland an den richtigen Stellen ausbringen ließe.

Digitale Spaltung

Ok, Sie haben mich durchschaut: Ich wohne auf dem Land, surfe und spiele im Jahr 2015 noch (oder besser: nach zehn Jahren Stadt erneut) mit DSL 6000. Und habe dabei sogar Glück: Hinter dem nächsten Hügel beginnt hier das digitale Niemandsland und die Menschen behelfen sich mit selbst installierten Funkstrecken zum nächstgelegenen (Pseudo-)Breitbandanschluss - bei acht Parteien nur tief nachts halbwegs praktikabel und dazu noch illegal.

Für mich ist die digitale Spaltung der Gesellschaft in Deutschland also kein düsteres Zukunftsszenario, sondern schon längst eingetreten. Ohne zuverlässigen Breitbandzugang machen Spielen (in meinem Fall: World of Tanks klappt, solange niemand Videos guckt), Streamen und sogar Surfen heute schon keinen Spaß mehr. Von familien- und verkehrsfreundlichen Arbeitsmodellen (Stichwort: Home Office) gar nicht zu reden.

Im Gegensatz zu den indischen Makaken täte unseren kurzsichtigen, profitorientierten Exemplaren also eine gehörige Portion Glasfaser-Affinität gut. Am besten schicken Sie Ihnen etwas davon per saftiger E-Mail oder (bei besonders hartnäckigen Vertretern) per mahnendem Wähler-Brief - falls Sie in Zeiten des flächendeckenden Breitband-Internets in Deutschland noch einen der gelben Kästen finden können.

Die Grafik zeigt den prozentualen Anteil an Glasfaser-Anschlüssen in Europa. Deutschland brauchen Sie dort gar nicht erst zu suchen, so gering ist die Verbreitung im Vergleich. (Quelle: FTTH Council Europe, Dez 2014)Die Grafik zeigt den prozentualen Anteil an Glasfaser-Anschlüssen in Europa. Deutschland brauchen Sie dort gar nicht erst zu suchen, so gering ist die Verbreitung im Vergleich. (Quelle: FTTH Council Europe, Dez 2014)


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