Kolumne zu EA Access - Ein faires Angebot

Redakteur Tobias Veltin empfindet Electronic Arts' Abo-Service EA Access als lohnende Option, sieht für die Zukunft aber auch einige Fragezeichen.

von Tobias Veltin,
01.08.2014 13:00 Uhr

Was heckt EA jetzt schon wieder aus? Diesen Kommentar habe ich im Rahmen der EA-Access-Ankündigung nun schon mehrfach gelesen. Offenbar traut dem amerikanischen Videospielriesen nach den Querelen der Vergangenheit mit Origin, Dungeon Keeper und Co. kaum noch jemand ein Angebot ohne fiesen Hintergedanken zu. Dabei klingt EA Access doch ziemlich verlockend.

Für 3,99 Euro im Monat oder knapp 25 Euro im Jahr bekommt man auf der Xbox One über den sogenannten »Vault« (auf Deutsch »Magazin«) zukünftig unbegrenzten Zugriff auf bestimmte EA-Spiele, anfangs FIFA 14, Madden NFL 25, Peggle 2 und Battlefield 4. Klar, das sind nicht die frischesten Titel, dafür gibt's jetzt aber eine prima Möglichkeit, diese günstig nachzuholen. Außerdem verspricht EA zukünftig Rabatte auf DLCs und andere digitale Inhalte sowie die Möglichkeit, neue große Titel schon vor dem Start auszuprobieren.

Die Bekanntgabe ist zwar eine Überraschung, der Trend aber ganz gewiss nicht. Bei Filmen sind Flatrates bei Watchever, Amazon Prime, Netflix und Co. schließlich schon seit Jahren gang und gäbe. Kaum verwunderlich, dass das Spiele-Segment jetzt langsam aber sicher nachzieht.

Tobias Veltin

Aber Spiele im Wert von über 100 Euro für einen Bruchteil des Geldes anbieten? Was hat EA davon? Zum einen - angenommen es werden genügend Abos abgeschlossen - eine signifikant große Masse von Spielern, die unabhängig von großen Releases regelmäßig und brav 4 Euro abdrückt. Netter Nebeneffekt: Auch für vergleichsweise »alte« Spiele wie eben FIFA 14 gibt's für EA noch Geld. Der günstige Abo-Preis ist für die Spieler zudem äußerst verlockend.

Zum anderen platziert sich EA so prominent zwischen Diensten wie Games with Gold von Microsoft und PlayStation Now. Letzteres dürfte allerdings auch der Grund sein, warum Sony keinen Mehrwert in EA Access sieht - schließlich will man den eigenen Service möglichst breit und effektiv aufstellen. Dennoch wirkt die Sony-Stellungnahme auf mich zu sehr von oben herab. Allein der Kunde sollte entscheiden, ob sich ein Angebot lohnt oder nicht.

Meine Meinung daher: EA Access ist ein attraktives und vor allem faires Angebot. Super, dass die Spieler zumindest auf der Xbox One diese Option haben. Niemand wird schließlich gezwungen, sondern kann selbst entscheiden, ob er für den Service braucht und dafür zahlen will oder nicht. Bauchschmerzen habe ich eher im Hinblick auf die Zukunft, die viele Fragen aufwirft. Was, wenn EA nur alte Schinken zum freien Spielen anbietet? Ein Service wie EA Access steht und fällt schließlich mit dem Angebot und EA hat noch keine Angaben gemacht, wie viele Spiele zukünftig verfügbar sein werden und wie oft nachgelegt wird.

Was ist, wenn Rabatte für die DLCs oder kompletten Spiele mit teuren Mikrotransaktionen wie in Dead Space 3 wieder reingeholt werden? Und apropos Rabatte: Selbst mit 10% Nachlass auf ein komplettes Spiel dürfte ein Download immer noch teurer sein als die entsprechende verpackte Version im Laden.

Bislang hat nur ein ausgewählter Nutzerkreis Zugriff auf EA Access.Bislang hat nur ein ausgewählter Nutzerkreis Zugriff auf EA Access.

Meine schlimmste Sorge allerdings: Was passiert eigentlich, wenn diese Art der Distribution erfolgreich ist und Schule macht? Gibt es dann zukünftig auch eine Ubisoft-Flatrate oder den Activision All-you-can-zock-Dienst für die ich mich separat anmelden muss? Das wäre nervig (und teuer!): Ich will nicht tausend verschiedene Accounts haben, um an meine Spiele zu kommen, sondern eine zentrale Anlaufstelle für all meine Inhalte. Dieses Problem müssen die Publisher dann wohl unter sich ausmachen. Naja, hat auch was Gutes, dann hat EA weniger Zeit, um was auszuhecken.


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