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Legendär schlecht: Virtuoso - Rock-Tragödie in B-Müll

Ein früher Third-Person-Shooter zum Schreien: Diese Haare! Diese Musik! Und dann erst diese Gegner: Schneebälle, Roboter und mörderische Möwen sind hinter einem Rockstar her, der mit der Grazie eines hüftsteifen Terminator-Stuntdoubles durch absurde Levels stakst. Der unerbittliche Soundtrack zerstört dabei alle Lebensmut-Überreste.

von Heinrich Lenhardt,
03.09.2016 08:00 Uhr

Legendär schlecht: Virtuoso - Rock-Tragödie in B-Müll PLUS 4:21 Legendär schlecht: Virtuoso - Rock-Tragödie in B-Müll

Armer Rockstar. Zwar ist er »das größte musikalische Talent aller Zeiten«, aber wegen seiner aufdringlichen Verehrer traut er sich gar nicht mehr aus dem Hotelzimmer heraus. »Musik ist dein Leben, aber sie ist auch dein Gefängniswärter!« klagt die Anleitung. Um dieser schrecklichen Realität zu entfliehen, greift der blondgelockte Rockgott nicht etwa zu Groupies oder Schokolade, sondern der neuesten technischen Errungenschaft: per Virtual-Reality-Helm versetzt er sich in simulierte Welten.

Nur, wenn er in eine Wand läuft und sich dadurch automatisch umdreht, sehen wir den coolen Helden auch mal von vorne.Nur, wenn er in eine Wand läuft und sich dadurch automatisch umdreht, sehen wir den coolen Helden auch mal von vorne.

»Thai Dyed Suicide« sind bestimmt nicht die größten musikalischen Talente aller Zeiten. Ihre Gitarren schrubben der Grunge-Welle hinterher, Sänger Adam Bailey müht sich um wütendes Röhren, das Songmaterial ermüdet. Für einen Plattenvertrag hat es nicht gereicht, doch ein legendär schreckliches PC-Spiel hat die musikalischen Bemühungen der Briten verewigt. Denn ein Ballerspiel mit einem Rockstar als Helden verlangt nach einem rockenden Soundtrack.

Und so sind es nicht nur in unserem Rücken auftauchende Gegner und die mit der Eleganz eines überbreiten Schwertransporters gesegnete Steuerung, die uns bei Virtuoso in den Wahnsinn treiben. Jeder Level wird von einem »Thai Dyed Suicide«-Lied begleitet, das unerbittlich in der Dauerschleife schrammelt. Spätestens ab der dritten Wiederholung fragt man sich, warum die UNO diesen Soundterror nicht geächtet hat. Dazu nehme man surreale Gegner wie Schneemänner oder Meeresfrüchte, und fertig ist eine der erstaunlichsten Action-Verzweiflungstaten der Post-Doom-Ära.

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