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Legendäre Studios: Red Storm - Teil 2: Team Rainbow eilt zur Rettung

Tom Clancys Spielestudio schippert durch schwere See – und nur ein Spiel kann es retten: Rainbow Six. Doch der revolutionäre Taktik-Shooter weckt auch Begehrlichkeiten.

von Heinrich Lenhardt,
27.01.2016 08:00 Uhr

Gemeinsam mit dem Programmierer David Smith und dem ehemaligen U-Bootkapitän Doug Littlejohns hat der Bestsellerautor Tom Clancy 1996 Red Storm Entertainment gegründet, sein eigenes Spielestudio. Doch dessen erste Spiele sind wenig bemerkenswert, um nicht zu sagen: langweilig. Mit einer prominenten Ausnahme – Rainbow Six. Doch der revolutionäre Taktik-Shooter verursacht dem Team lange Zeit Kopfschmerzen. Denn er wird und wird nicht fertig.

Rainbow Six wird zum Schicksalsspiel für Red Storm.Rainbow Six wird zum Schicksalsspiel für Red Storm.

Eine Hauptrolle im Entwicklungsdrama von Rainbow Six spielt Brian Upton, Designer, Produzent und Programmierer in Personalunion. In einem 2000 veröffentlichten Rückblicksartikel fasst er zusammen, welche Ziele sein Team ursprünglich verfolgt: »Von Anfang an wollten wir die Spannung von Filmen wie ›Mission: Impossible‹ und ›Das dreckige Dutzend‹ einfangen: den Nervenkitzel, einem Team ausgebildeter Spezialisten dabei zuzusehen, wie sie einen Einsatz mit der Präzision eines Uhrwerks erledigen.

»Ein realistischer Shooter, der auch Spaß macht, wenn man nicht die Abzugsfinger-Reflexe eines Quake-Spielers hat. Der Spielablauf würde sich um eine Planungsphase drehen, auf die eine Actionphase folgt. Die Spieler wählen ihre Teams aus einem Kader von Agenten mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen.«

»Die Kämpfe sollen schnell und tödlich, aber realistisch sein. Auch wenn ein einziger Schuss töten kann, begünstigt das Spiel vorsichtiges Zielen anstatt des Run-&-Gun-Stils, der typisch für damalige Ego-Shooter war.« Klingt gut , wenn Revolutionen nicht die Angewohnheit hätten, schrecklich in die Luft zu fliegen.

Red Storm, Teil 1
Heute fungiert Tom Clancy nur noch als Ubisoft-Dachmarke für pseudo-realistische Spielwelten à la The Division. Doch in den Neunzigern war der Bestsellerautor noch aktiv an der Spieleentwicklung beteiligt. Im ersten Teil unseres Reports beleuchten wir die abenteuerliche Gründung seines Studios Red Storm – und enthüllen ein Science-Fiction-Spiel von Tom Clancy, das nie das Licht der Welt erblickte.

Clancy schätzte strategischer Kriegsspiele wie Harpoon von Larry Bond, der auch als Co-Autor am Roman »Red Storm Rising« mitarbeitete.Clancy schätzte strategischer Kriegsspiele wie Harpoon von Larry Bond, der auch als Co-Autor am Roman »Red Storm Rising« mitarbeitete.

Tom Clancy: Bestsellerautor und Militär-Nerd
Tom Clancy (1947-2013) war ein Versicherungsvertreter mit einem Faible für Militärtechnologie und Marinegeschichte, bis er 1984 seinen ersten Roman veröffentlichte. Der damalige US-Präsident Ronald Reagan pries den U-Boot-Thriller »Jagd auf Roter Oktober« als »perfekten Schmöker«, den man nicht aus der Hand legen könne. Bessere Publicity gibt's nicht, das Buch wurde mit Sean Connery erfolgreich verfilmt und war der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Bestsellern, insgesamt fanden die Clancy-Romane weltweit über 100 Millionen Abnehmer. Der selbsternannte Militär-Nerd wurde sogar verdächtigt, Zugriff auf Geheimunterlagen zu haben, so realistisch war seine Beschreibung moderner Technologien und Strategien.

»Hätte ich solche Informationen ausgeplaudert, würde man mich in den Tower von London stecken«, gab der britische U-Boot-Kommandant Doug Littlejohns zu Protokoll, der von 1996 bis 2000 Clancys Spielestudio Red Storm Entertainment leitete. Tom Clancys Romane sind ebenso spannend wie ideologisch, üblicherweise mit den USA in der Heldenrolle und Nationen wie Russland, Japan oder China als Bösewichten. Die realistische und positive Darstellung der Militärs machte Clancy zum Lieblingsautoren vieler US-Offiziere und -Verteidigungsexperten, für die Recherche seiner Bücher konnte er auf ein Netzwerk kompetenter Berater zurückgreifen.

Clancy war kein sonderlicher Computerspieler, ihn faszinierten strategische Kriegsspiele wie Harpoon von Larry Bond, einem ehemaligen US-Marineoffizier. Bereits 1979 erschien das Tabletop-Original, eine PC-Umsetzung wurde 1989 von Three-Sixty Pacific veröffentlicht. Clancy trat 1980 mit Bond in Kontakt und verwendete Harpoon als Hilfsmittel, um Schlachtszenarien für seinen zweiten Roman Red Storm Rising (dt.: »Im Sturm«) durchzuspielen, der 1986 erschien.

»Schnell und tödlich, aber realistisch«

Die Entwickler experimentieren zunächst mit verschiedenen Szenarien wie dem Zweiten Weltkrieg und den 60er-Jahren. Tom Clancy hat sich inzwischen in die Arbeit am Rainbow-Roman gestützt und bestätigt im April 1997, dass die Terroristenbekämpfung in der Gegenwart stattfindet. Sowohl Buch als auch Spiel sollen, nein, müssen im Herbst 1998 erscheinen, pünktlich zum Weihnachtsgeschäft.

CEO Doug Littlejohns macht deutlich, dass Termine auf Gedeih und Verderb einzuhalten sind: »Ich erinnere mich, wie ich einem Mitarbeiter einmal sagte: ›Mir ist es egal, ob du dich draußen nackt von einem Baum baumeln lässt, solange du das Spiel zu dem Zeitpunkt fertigmachst, auf den wir uns geeinigt haben.‹ Manchmal musste man die Spieler daran erinnern, was wir machen und warum sie hier sind« meint Littlejohns.