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Inhaltsverzeichnis
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Making of Sid Meier's Pirates! - Großes Enter-tainment

Piraten sind frei, so ganz ohne Verpflichtungen und Kernarbeitszeiten. Pirates!-Spieler sind frei, weil Sid Meiers Meisterwerk 1987 die Karibik zur offenen Spielwelt-See erklärt. Unumstritten war das Projekt bei Microprose jedoch nicht, denn: »Wer soll schon ein Spiel über Piraten kaufen?«

von Heinrich Lenhardt,
25.11.2017 08:00 Uhr

Hall of Fame: Sid Meier's Pirates! - »Wer soll das denn kaufen?« PLUS 4:52 Hall of Fame: Sid Meier's Pirates! - »Wer soll das denn kaufen?«


Die Aufgabenverteilung zwischen den beiden Gründern von Microprose Software ist einfach: Sid Meier macht Spiele, und Bill Stealey bringt sie an den Mann. »Ich kopierte die Spiele auf Disketten und steckte sie in kleine Plastikbeutel. Bill lud sie dann in seinen Kofferraum und fuhr die Ostküste rauf und runter, um sie an Händler zu verkaufen«, erinnert sich Meier an die Anfangstage der Firma. »Ab und zu hielt er an einer Telefonzelle, um mir ein Update zu geben, wie die Verkäufe liefen. Und ich erinnere mich, wie Bill nach einem besonders erfolgreichen Tag zu mir sagte: "Ich glaube, wir sind da auf einer heißen Spur."«.

Sid Meier im Portrait - Als der Spiele-Professor den Fußball neu erfand
Da schreibt man das Jahr 1982, die Branche steckt noch in den Kinderschuhen, Computerspiele sind klein und überschaubar. Die ersten Sid-Meier-Werke sind simple Actiontitel für den Atari 800 mit Namen wie Chopper Rescue und Floyd in the Jungle. Am meisten Erfolg hat die Minifirma aber mit den Action-Flugsimulationen Hellcat Ace und Spitfire Ace, an denen hat nicht nur der ehemalige US-Luftwaffenpilot Stealey Spaß. In den nächsten Jahren etabliert sich Microprose als Anbieter von militärischen Strategiespielen und Simulationen.

F-15 Strike Eagle wird 1984/85 ein Riesenerfolg, da ist Sid Meier längst nicht mehr der einzige Entwickler der rasch wachsenden Firma. Er liefert weiter Simulationen wie Silent Service ab und arbeitet auch am Hubschrauber-Hit Gunship mit. Aber was ihn 1986 am meisten interessiert, ist ein ganz anderes Spiel, das irgendwie gar nicht zum Microprose-Image passt. Ein Spiel, das weder militärisch noch realistisch sein will und ganz nebenbei mit den spielerischen Gewohnheiten der C64-Ära bricht. Und dabei ein Thema aufgreift, das Meier schon seit seiner Kindheit fasziniert hat.

Pirates! liegt eine gedruckte Karte bei - der beste Kopierschutz überhaupt. Denn sie ist bei der Karibik-Navigation enorm hilfreich: Wo liegt noch gleich Tortuga?Pirates! liegt eine gedruckte Karte bei - der beste Kopierschutz überhaupt. Denn sie ist bei der Karibik-Navigation enorm hilfreich: Wo liegt noch gleich Tortuga?

Mit vollen Segeln

Rauschende Winde, scrollende Seekarte: Das Schiff-Sprite in der Mitte des Bildschirms ist winzig, bei der freien Erkundung der Karibik kommt dennoch große Entdeckerstimmung auf.Rauschende Winde, scrollende Seekarte: Das Schiff-Sprite in der Mitte des Bildschirms ist winzig, bei der freien Erkundung der Karibik kommt dennoch große Entdeckerstimmung auf.

Es ist Microprose-Designer Arnold Hendrick, der zuerst die Idee eines Piraten-Spiels aufbringt. Dabei denkt er an detaillierte taktische Schlachten mit Segelschiffen, inspiriert von Avalon Hills Brettspiel Wooden Ships and Iron Men. Doch die Verkaufszahlen vergleichbarer Computerspiele wie Broadsides von SSI sind nicht ermutigend, das Genre gilt als arg nischig.

Die Wiege der Civilization - So entstand die Kultserie
Hendrick widmet sich lieber der Arbeit an Gunship!, doch bei seinem Kollegen Sid Meier beginnen die Zahnrädchen im Kopf zu drehen: Piratengeschichten und Filme mit Hollywood-Star Errol Flynn fand er schon immer spannend. Nur vom ursprünglich angedachten Hardcore-Kriegsspiel hält er wenig: Was Meier an Piraten cool findet, passt nicht in ein bestimmtes Genre.

Seine bevorzugte Arbeitsweise ist es ohnehin, erst einmal ein interessiertes Thema zu finden und dann mit Prototypen auszuprobieren, welcher Spielablauf dazu passend könnte. So wird später aus einer Modelleisenbahn-Simulation das Aufbau- und Wirtschaft-Epos Railroad Tycoon und aus einem Echtzeitspiel im SimCity-Stil der Rundenstrategie-Klassiker Civilization. Auch Pirates beginnt in eigentümlichen Gewässern.