Microsoft - Linux verletzt Microsofts Rechte

von Walter Reindl,
20.11.2006 12:54 Uhr

Vor knapp drei Wochen ging eine viel beachtete Meldung durch die Nachrichtenseiten: Microsoft beteiligt sich an dem Linux-Distributor Novell (SuSE), um durch einen geplanten Wissensaustausch besser mit der Open-Source-Welt zusammen arbeiten zu können. So weit so gut, dieses Vorhaben erweckte bei den meisten noch den Eindruck, Microsoft würde endlich seine Schleusen öffnen und proprietäre Schnittstellen freilegen, die einem besseren und vor allem freieren Datenaustausch zwischen den beiden Welten zu Gute kommen würden.

Doch wahrscheinlich ist diese Annahme nur Wunschdenken. Microsoft-Chef Steve Ballmer äußerte nämlich sich jetzt in einer Fragestunde der australischen Webseite computerworld.com.au ganz anders: "Linux verletzt geistiges Eigentum von Microsoft" ist seine klare Aussage. "Deswegen sind wir auch den Deal mit Novell und SuSE eingegangen, um einen ökonomischen Vorteil aus unserem Eigentum und für unsere Aktionäre zu erhalten." Der Deal ist mit einer kräftigen Finanzspritze für Novell verbunden, in den nächsten Jahre sollen insgesamt 440 Millionen Dollar in diese Richtung fließen. Umgekehrt zahlt Novell rund 40 Millionen, um seine SuSE-Kunden vor eventuellen Klagen seitens Microsoft zu schützen. Ballmer: "Novell zahlt uns Geld, um seinen Kunden sagen zu können, dass ihre Softwarerechte beim Gebrauch von SuSE-Linux umfassend geschützt sind. Nur SuSE-User haben für das geistige Eigentum von Microsoft bezahlt und dürfen dieses auch ohne Befürchtungen nutzen."

Klare Aussagen, um welche beanstandeten Teile anderer Linux-Distributionen es sich dabei handeln soll, machte Ballmer nicht. Möglicherweise zielt er auf Kernelfunktionen, die das Auslesen von NTFS-formatierten Festplatten ermöglichen. Die Linux-Communities äußerten sich bereits entrüstet und besorgt über diesen Vorstoß von Microsoft. Für eine eventuelle Auseinandersetzung zwischen den beiden Betriebssystemen sind die Linux-Jünger aber bereits gerüstet: "Wenn Microsoft das wahr macht, wird es einen virtuellen Krieg geben, bei dem nur Verlierer auf der Strecke bleiben." tönt es bereits aus vielen Foren.


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