Microsoft - Word darf weiter verkauft werden

Ein einem Rechtsstreit um die Nutzung eines XML-Patentes in der Textverarbeitung Word hat ein Richter Microsoft nun zu 290 Millionen Dollar Schadensersatz verdonnert und zugleich den Vertrieb aktueller Word-Versionen verboten.

von Georg Wieselsberger,
06.09.2009 10:32 Uhr

Ein Richter in den USA hat Microsoft zu einer Zahlung von 290 Millionen Dollar an die Firma i4i verurteilt, da Microsoft ein Patent im Zusammenhang mit dem XML-Format vorsätzlich verletzt haben soll. Gleichzeitig sprach der Richter ein Verbot von Microsoft Word in den USA aus, sofern die Textverarbeitung in der Lage ist, .xml-, .docx- oder DOCM-Dokumente zu öffnen. Das Verbot tritt in 60 Tagen in Kraft.

Während Microsoft noch keine Stellungnahme dazu abgegeben hat und vermutlich weitere Rechtsmittel ausschöpfen wird, hat der Aufsichtsratsvorsitzende von i4i gegenüber cnet erklärt, er nutzte Word selbst jeden Tag und wolle weder das Geschäft von Microsoft noch die ganzen Nutzer von Word schädigen. Dennoch hält er das Urteil für hart, aber fair.

Update 20. August 2009

Microsoft will laut The Register den Verkaufsstopp für Word nicht hinnehmen und hat vor einem US-Berufungsgericht eine Aufhebung beantragt. Laut Microsoft habe man keine Patente verletzt, doch selbst wenn Microsoft in einer Berufungsverhandlung Recht erhalte, würde bisher der Verkaufsstopp 60 Tage nach dem erstinstanzlichen Urteil wirksam.

Der wirtschaftliche Schaden, der durch den Verkaufstopp entstehe, sei unmöglich wieder aufzuholen, da das gesamte Office-Paket und nicht nur Microsoft selbst betroffen sei. Auch die vielen Geschäftspartner von Microsoft, beispielsweise Best Buy, Dell und HP, wären von dem Urteil betroffen und sehen sich massiven Verkaufseinbrüchen gegenüber. Auch dies soll das Berufungsgericht bei seiner Entscheidung über die Aufhebung berücksichtigen, so Microsoft.

Update 21. August 2009

Microsoft hat laut DailyTech über sein Rechtsanwälte-Team sogar damit gedroht, den Verkauf von Office zeitweise komplett einzustellen, wenn der Verkaufsstopp von Word nicht bis zu einer Entscheidung in der Berufungsverhandlung aufgehoben wird. Dabei müsste Microsoft anscheinend nur ein Feature in Word deaktivieren und könnte dann Office in einer minimal veränderten Version weiterverkaufen.

Doch Microsoft scheint sich nach wie vor im Recht zu sehen. Falls nicht, könnte ein Verkaufsstopp einen Boom für Alternativen wie Open Office auslösen.

Update 06. September 2009

Microsoft hatte mit seinem Antrag Erfolg und darf Word vorerst unverändert weiter verkaufen. Die einstweilige Verfügung, die Einstellung des Verkaufs innerhalb von 60 Tagen vorsah, wurde aufgehoben.

Das United States Court of Appeals for the Federal Circuit wird am 23. September damit beginnen, die Berufung des Konzerns gegen das Urteil prüfen. Der Gegner I4i bezeichnete das Verhalten von Microsoft und der Unterstützer wie Dell und HP als Angstmacherei.

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