Valves PC-Offensive - Neue Hardware fürs Wohnzimmer

Lange Zeit war es still um die Steam Machines, auf der GDC 2015 zeigt Valve aber mit neuer Hardware, dass der Angriff auf das Wohnzimmer immer noch in vollem Gange ist.

von Nils Raettig,
04.03.2015 17:59 Uhr

Kompakt und bezahlbar: Valves Steam Link soll 50 US-Dollar kosten und ab November 2015 die Möglichkeit bieten, PC-Spiele auf den Fernseher zu streamen.Kompakt und bezahlbar: Valves Steam Link soll 50 US-Dollar kosten und ab November 2015 die Möglichkeit bieten, PC-Spiele auf den Fernseher zu streamen.

Das Spielen im Wohnzimmer galt lange Zeit als eine Domäne der Konsolen, vor allem weil die entsprechende Hardware im Vergleich zu einem typischen PC kompakter und leichter handzuhaben ist und weil die übliche PC-Bedienung per Maus und Tastatur von der Couch aus nicht gerade sehr komfortabel gelingt. Bereits Ende 2013 hat es sich Valve dann auf die Fahnen geschrieben, PlayStation, Xbox & Co das Leben mit den so genannten Steam Machines schwerer zu machen, und dieses Vorhaben wurde jüngst auf der Game Developers Converence in San Francisco kräftig untermauert.

Dort hat Valve nicht nur einen konkreten Erscheinungstermin für die Steam Machines genannt (November 2015), nachdem lange Zeit kaum etwas darüber zu hören war, sondern mit Steam Link auch eine sinnvolle Ergänzung dazu vorgestellt, die sich zudem mit jedem Spiele-PC nutzen lässt, auf dem Steam installiert ist. Die ebenfalls ab November 2015 verfügbare Steam Link-Box soll 50 US-Dollar kosten und Spiele von einem PC oder einer Steam Machine über das heimische Netzwerk in Full HD und 60 Hertz mit angeblich sehr geringer Latenz auf den Fernseher streamen.

Kurzzeitig war die Streaming-Box sogar inklusive Bildern im Steam Store zu finden, mittlerweile hat Valve die entsprechenden Seiten aber wieder gelöscht. Auf den Bildern ist ein flaches Gehäuse zu sehen, dass an einen Mediaplayer wie etwa Amazons Fire TV erinnert. Neben dem Stromanschluss sind drei USB-Ports, eine Netzwerk-Buchse sowie ein HDMI-Anschluss vorhanden, ob Steam Link auch WLAN beherrscht, ist bislang nicht bekannt.

Die Möglichkeit, Spiele von einem PC auf den anderen zu streamen bietet Valve in Form des In-Home-Streamings (siehe Steam In-Home-Streaming in der Praxis) zwar schon seit einiger Zeit an, wer sie zum Spielen im Wohnzimmer nutzen wollte, musste sich bislang aber selbst um die Einrichtung eines passenden Wohnzimmer-PCs kümmern. Das wird mit Steam Link nicht mehr nötig sein, wobei für die Bedienung primär der Steam Controller gedacht ist, der zeitgleich mit den Steam Machines und Steam Link im November fertig werden soll. Neue Bilder gibt es dazu (noch) nicht, eine Vorstellung im Rahmen der momentan stattfindenen GDC gilt aber als sehr wahrscheinlich.

Für das Streaming per Steam Link ist ein zusätzlicher PC (oder eine Steam Machine) nötig, der sich im gleichen Netzwerk befindet, Eingabegeräte können per USB angeschlossen werden.Für das Streaming per Steam Link ist ein zusätzlicher PC (oder eine Steam Machine) nötig, der sich im gleichen Netzwerk befindet, Eingabegeräte können per USB angeschlossen werden.

Zu den Herstellern, die fertige Steam Machines auf der GDC präsentieren, gehören Alienware und Falcon Northwest. Valve betont in seiner Pressemitteilung zur GDC, dass Steam Machines bei höherer Leistung als aktuelle Spiele-Konsolen zu ähnlichen Preisen zu haben sein werden. Man muss allerdings dazu sagen, dass Steam Machines letztlich nichts anderes als Rechner mit unterschiedlichen Komponenten sind, auf denen Steam OS läuft. Im Gegensatz zu Konsolen können Sie also nicht von einer Spieleentwicklung profitieren, die auf genau eine Hardware-Konstellation ausgelegt ist und die vorhandene Leistung dadurch möglichst optimal ausnutzt.

Sehr spannend sind außerdem Valves Pläne im Virtual-Reality-Bereich. Das betrifft nicht nur die Kooperation mit HTC bei der Entwicklung einer VR-Brille, sondern auch die angekündigten Techniken zur Positionserfassung und zur Steuerung. Kern davon ist das so genannte »Lighthouse«-System, bei dem es sich vermutlich um eine (3D-)Kamera handelt, die sowohl die VR-Brille (und damit auch die Position ihres Trägers) als auch weitere Geräte wie etwa den Steam Controller zur Steuerung erfassen kann.

Das Konzept erinnert an PlayStation Move und könnte eine sinnvolle Lösung für das Steuerungsproblem beim Spielen mit VR-Brillen darstellen, weil es die Immersion weniger durchbricht als die Bedienung über klassische Eingabegeräte wie Tastatur und Maus. Valve will Lighthouse interessierten Hardware-Herstellern außerdem gratis zur Verfügung stellen und verspricht niedrige zusätzliche Produktionskosten bei der Implentierung in Fernseher, Monitore, Headsets oder Eingabegeräte.

Sollte es Valve gelingen, alle Pläne wie angekündigt umzusetzen, dann stehen die Chancen gut, dass sich das Steam-Universum nach anfänglichen Startschwierigkeiten doch noch im Wohnzimmer durchsetzt. Steam Link macht es schließlich deutlich einfacher, Steams In-Home-Streaming zu nutzen, auch wenn man sich keine Steam Machine kaufen will. Eine technisch überzeugende VR-Brille inklusive durchdachter Steuerungsmöglichkeiten wird außerdem kaum einen Spieler kalt lassen (auch wenn zu den Preisen bislang noch nichts bekannt ist).

Noch bleibt allerdings abzuwarten, ob Valve sich mit seinen ambitionierten Plänen nicht vielleicht doch etwas übernimmt, wobei die noch ausstehenden Präsentationen auf der GDC vermutlich bereits etwas mehr Licht ins Dunkel bringen werden. Momentan sehen wir Valve allerdings im Vorteil gegenüber Nvidias ebenfalls auf der GDC angekündigten Streaming-Konsole Shield auf Android-Basis, die mit einem Preis von 200 US-Dollar deutlich teurer ist als Steam Link (wenn auch inklusive Controller und mit eigener Onboard-Rechenleistung) und außerdem für das Streaming eine Nvidia-Grafikkarte voraussetzt.

Valve arbeitet gemeinsam mit HTC an einer VR-Brille, zur Positionserfassung und zur Steuerung wurde außerdem das so genannte Lighthouse-System entwickelt, bei dem es sich vermutlich um eine Kamera handelt, die Position und (Controller-)Gesten erfassen kann.Valve arbeitet gemeinsam mit HTC an einer VR-Brille, zur Positionserfassung und zur Steuerung wurde außerdem das so genannte Lighthouse-System entwickelt, bei dem es sich vermutlich um eine Kamera handelt, die Position und (Controller-)Gesten erfassen kann.

Steam In Home Streaming Guide - Screenshots ansehen


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