New Moon: Bis(s) zur Mittagsstunde - Zweiter Teil der Vampir-Saga

Seit dem großen Harry Potter-Boom hat es keine Fantasy-Romanreihe mehr geschafft, solche Begeisterungsstürme auszulösen wie Stephenie Meyers Twilight-Serie. Wir haben uns die Verfilmung des zweiten Buches angesehen.

von Christian Mester,
29.11.2009 15:31 Uhr

Über 30 Millionen Mal hat sich die Buchserie weltweit verkauft, dazu legte der zweite Film (voller Titel: The Twilight Saga: New Moon - Biss zur Mittagsstunde) in den USA mal eben den erfolgreichsten Starttag aller Zeiten hin. Twilight ist also fraglos ein schier unaufhaltsames Phänomen, das jetzt elf Monate nach Deutschlandstart des ersten Filmes bereits in die zweite Runde geht. Auch hierzulande hat die Liebesgeschichte um Vampir Edward viele schmachtende Fans finden können. Diese sind hauptsächlich weiblichen Geschlechts, dafür aber nahezu mit jeder Altersgruppe vertreten. So zahlreich wie die Scharen der bekennenden Fans sein mögen, so groß ist andererseits die Skepsis aller anderen. Alteingesessene Horrorfilmfans können über diese eher zart besaitete Diät-Fassung des Vampirmythos nur mit dem Kopf schütteln. Und viele verstehen nicht, wieso ausgerechnet diese Teenagerromanze Unmengen von Menschen in die Buchläden, Bibliotheken und Kinos lockt.

Nachdem der erste Film mit relativ geringen Mitteln umgesetzt war und sich insgesamt zurück hielt, präsentiert sich der Zweite nun aufwändiger, dramatischer und mit einem interessanten Neuzugang: Werwölfe. Kann das Sequel den ersten Teil also toppen und dank der haarigen Flohfänger jetzt auch diejenigen ansprechen, die bislang nicht interessiert waren?

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New Moon: Bis(s) zur Mittagsstunde

Knoblauch und Silber

Dass die blutgierigen Verwandten ihres Vampirfreundes Edward (Robert Pattinson) für sie eigentlich gefährlich sind, ist für Bella (Kristen Stewart) wahrlich nichts Neues. Gerne geht sie das Risiko ein, um ihre Beziehung aufrecht erhalten zu können. Als es auf einer Geburtstagsparty eines Abends zu einem unangenehmen Zwischenfall kommt, kann Edward die ständige Angst um das Leben seiner Freundin jedoch nicht länger ertragen. Er beschließt sich von ihr zu trennen und darüber hinaus, das Land zu verlassen. Bella ist am Boden zerstört, findet allerdings bald Trost bei einem alten Bekannten: Jacob (Taylor Lautner). Der nette Indianer von nebenan kommt ihr mit der Zeit näher aber birgt selbst ein großes Geheimnis.

Er ist ein Werwolf, der wenig von Vampiren hält und es nicht mit ansehen kann, wie sich das Mädchen mit den blassen Blutsaugern abgibt. Echte Komplikationen kommen auf, als eine alte Feindin auftaucht und Edward im fernen Italien den Gedanken fasst, die Herrscher der Vampirwelt zu provozieren.

Bürsten und Selbstbräuner

Wer erinnert sich noch daran, wie das damals mit Harry Potter war? Viele stöhnten bei dem Hype ähnlich auf, belächelten das Ganze als alberne Kindergeschichte und konnten es sich nicht vorstellen, das Ganze jemals näher anzusehen. Als die Darsteller mit der Zeit allerdings älter und die Filme immer aufwändiger wurden, riskierte man schon einmal einen Blick – und war überrascht. Die Reihe mag sich zwar größtenteils um Kinder, sprechende Hüte und fliegende Besen drehen, doch spätestens seit dem dritten Teil sind die Filme mit so einer Bildgewalt inszeniert, dass sie allein schon wegen der stets großartigen Effekte und stimmigen Sets sehenswert sind. Heute genießt Harry Potter daher einen anderen Status: Die meisten alten Kritiker kommen mittlerweile nicht umhin, die vermeintlich kindische Reihe zu mögen.

Ob das bei Twilight ähnlich sein wird, darf aber bezweifelt werden. Schon der erste Film war für alle, die beim Anblick von Robert Pattinsons Wuschelfrisur keine weichen Knie bekommen, allenfalls mäßig. Das Debüt zeigte zwar relativ interessant, wie Bella sich nach und nach mit den Vampiren einlässt, konnte aber weder mit starken Gefühlen noch durch echte Dramatik überzeugen. Gerade die Auseinandersetzungen mit Bösewicht James fielen so lasch aus.

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New Moon: Biss zur Mittagsstunde

Frauenfilm?

Nun kann man sagen, dass Twilight hauptsächlich für Frauen gedacht ist. Sowas ließe sich aber auch über Interview mit einem Vampir behaupten, der 1994 mit Tom Cruise und Brad Pritt gleich zwei hockarätige Sexsymbole aufbot. Obwohl es auch da größtenteils um Liebeleien und Streitigkeiten über das ewige Leben ging, war es ein hervorragender Film, der in allen Belangen besser als beide Twilights ist, egal ob in Sachen Handlung, Machart, Schauspiel oder musikalischer Untermalung (klassische Musik statt hipper MTV-Soundtrack).

Sowohl Pattinson als auch Lautner sind offensichtlich kein Brad Pitt. Sie mögen zwar vergleichbare Sixpacks haben, echtes Talent blieb ihnen jedoch verwehrt. Abgesehen davon, dass sich inhaltlich vieles aus dem ersten Film wiederholt, bleibt die Handlung in New Moon: Biss zur Mittagsstunde platt, vorhersehbar und ohne echte Höhepunkte. Bellas Heimatstadt bleibt klein und langweilig, die Abstecher nach Italien nichts Besonderes, die Auseinandersetzungen zwischen Vampiren und Werwölfen klein und nichtssagend. Trotzdem ist es nötig, den ersten Teil zu kennen, da die Handlung darauf aufbaut. Das größere Budget ist dem Film dabei kaum anzumerken. Die computeranimierte Werwölfe überzeugen nicht, kein Vergleich zum genau so teuren Underworld 2.

Da sich der Film sehr nah an der ebenfalls nur mittelmäßigen Buchvorlage hält, werden Fans der Bücher sicherlich mehr als zufrieden sein, die bereits bekannte Geschichte im Kino erleben zu können, Neulinge werden es hingegen schwer haben. Ohne die durch die Bücher aufgebaute Faszination sieht man New Moon, als das was es ist: eine wenig ideenreiche Fantasy-Romanze, die weder gut gemacht, noch besonders spannend erzählt ist.

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New Moon: Bis(s) zur Mittagsstunde

Fazit:

Christian Mester (bereitsgesehen.de): "Wer Twilight bisher nicht mochte, wird auch wohl mit dem zweiten Streifen nichts anfangen können. Fans werden ohnehin begeistert sein und gekonnt darüber hinwegsehen, dass der Film lediglich mittelmäßig ist.“

Kinokritik in Kooperation mit bereitsgesehen.de.


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