Nvidia Fermi - Gerücht: In Spielen langsam, trotzdem teuer

Die ersten handfesten Daten zum neuen Fermi-Grafikchip betreffen zwar Tesla-Karten, die für Berechnungen gedacht sind, dennoch werden gewisse Rückschlüsse auf die Grafikleistung gezogen.

von Georg Wieselsberger,
17.11.2009 16:50 Uhr

Diese Rückschlüsse zieht VR-Zone anhand der Ankündigung der Tesla-Karten, einem Datenblatt zu einer der neuen Karten und dem Verhältnis von deren Nachfolger zur Geforce GTX 280. Die neuen Tesla C2050 und C2070 erreichen bei Gleitkomma-Operationen doppelter Genauigkeit (DP, Double Precision) 520 und 640 GigaFLOPS. Die Leistung bei einfacher Genauigkeit (SP, Single Precision) gibt Nvidia nicht an. Genau diese wäre jedoch für die Spiele-Leistung wichtig, da einfache Genauigkeit bei Spielen ausreicht und daher auch genutzt wird.

Gerade die Leistung bei doppelter Genauigkeit soll laut Nvidia bei Fermi-GPUs aber eine besondere Stärke der neuen Architektur darstellen und wurde um den Faktor 8 erhöht. Daher scheint ein Vergleich dieser Tesla-Karte mit der Radeon HD 5870, die hier auch 544 GigaFLOPS bietet, bei einfacher Genauigkeit sogar 2,72 TeraFLOPS, zu überraschen. Dies war aber auch schon bei den älteren Karten und der Radeon HD 4870, denn hier war die ATI-Karte mit 240 GigaFLOPS auch deutlich schneller als die C1060 mit nur 78 GigaFLOPS.

Die Tesla C1060, der direkte Vorgänger der C2070, hatte jedoch zur Geforce GTX 280 identische Taktraten und den gleichen Chip. Wenn die durchgesickerte Information stimmt, dass die 512 Shader oder »CUDA Cores« des Fermi-Chips bei Geforce-Karten (GF100) mit 1,5 GHz betrieben werden , so VR-Zone, und man dann für die neue Tesla C2070 nur 1015 MHz für die 520 GigaFLOPS und 1.230 MHz für 640 GigaFLOPS annimmt, erhält man maximal 1,26 TeraFLOPS bei einfacher Genauigkeit. Weniger als die Hälfte einer Radeon HD 5870 , sogar weniger als eine Radeon HD 5770 mit 1,36 TeraFLOPS.

Dieser Gedankenflug mit einer theoretischen Leistung des Fermi ist jedoch sehr gewagt, da das Verhältnis zwischen DP und SP bei dieser GPU gar nicht bekannt ist. Bei der Tesla C1060, die nur 78 GigaFLOPS bei DP erreichte, lag dies mit 933 GigaFLOPS bei SP immerhin bei 1:12, dürfte aber nun die reinen DP-Verbesserungen deutlich geringer sein, aber eben unbekannt. Zudem handelt es sich um vollkommen neue »Cuda Cores«, deren Anzahl von 240 auf 512 erhöht wurde. Dies relativiert allerdings auch höhere DP-Leistung des Fermi etwas. Ohne die höhere Anzahl der Cores bleibt nur noch ein Faktor von 3,75 im Vergleich zum Vorgänger.

Wenn die SP-Leistung überhaupt nicht verändert wurde, hätte daher unserer Rechnung nach ein wie die C1060 im Shader-Bereich mit 1,3 GHz getakteter Fermi bereits 2 TeraFLOPS, rein aufgrund der 2,13 Mal höheren Shaderanzahl. Eine Verschlechterung wird Nvidia mit Sicherheit hier nicht vorgenommen haben. Bei den vermuteten 1,5 GHz wären das dann sogar 2,3 TeraFLOPS. Ohne jegliche Verbesserung »nur« bereits fast 85 Prozent einer Radeon HD 5870. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass Nvidia hier die Leistung ebenfalls gesteigert hat. Selbst 20 Prozent Steigerung per Core würden wohl reichen, um mit der Radeon gleichzuziehen. Details zur Spieleleistung und damit auch zur SP-Leistung will Nvidia aber erst noch nennen.

Doch selbst wenn man all diese Spekulationen verwirft, ein Fakt ist dennoch sehr bedenklich. Der für Tesla-Karten ohnehin hohe Preis für die ältere C1060 lag bei Erscheinen bei 1.699 US-Dollar und fiel auf nun 1.199 US-Dollar. Im gleichen Zeitraum kostete eine Geforce GTX 280 erst 600 Dollar, zuletzt 300 Dollar. Damit wäre eine Tesla-Karte, deren Grafikchip exakt dem einer Geforce entsprach, erst knapp 3x und danach 4x so teuer, weil die Geforce schneller billiger wurde.

Die neue Tesla C2070 kostet jedoch 3.999 Dollar. Damit könnte, das gleiche Verhältnis zwischen Tesla und Geforce vorausgesetzt, eine gleichstarke Spielekarte anfangs 1.333 Dollar kosten. Eine Radeon HD 5870 kostete bei Erscheinen 399 Dollar. Wie Nvidia diesen Preisunterschied den Spielern vermitteln will, wenn selbst eine Radeon HD 5970 angeblich nur 599 Dollar kosten soll, ist eine interessante Frage. Spiele, die eine Radeon HD 5970 überfordern, dürften nicht so schnell erscheinen. Senkt man den Preis jedoch auf 399 oder 599 Dollar, muss man vermutlich den professionellen Nutzern den dann fast zehnfachen oder immerhin siebenfachen Preis für die im Grunde gleiche Technik erklären. Das wird sicher spannend.

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