Provider durchsucht Datenpakete - Ohne Kundenwissen

Virgin Media ist einer der größten Provider Großbritanniens, der auch für Privatkunden Internetanschlüsse mit bis zu 50 Mbit bietet. Nun will man bei 40 Prozent seines Netzwerks die übertragenen Datenpakete durchsuchen – ohne Wissen oder Zustimmung der Kunden.

von Georg Wieselsberger,
29.11.2009 15:07 Uhr

Eine Information der Kunden sei nur kontraproduktiv, außerdem würden die Kunden ja nicht direkt beeinflusst, so ein Sprecher gegenüber The Register. Zunächst wird der Datenverkehr nach Paketen durchsucht, die über Filesharing-Protokolle verschickt werden. Dann soll der Inhalt der Pakete analysiert werden, um festzustellen, ob es sich um urheberrechtlich geschützte Inhalte handelt. So will man Informationen gewinnen, welchen Anteil Filesharing am gesamten Datenverkehr hat. Diese Information soll dann wieder dazu dienen, entsprechende Gesetzesvorhaben zu untermauern.

Die Vorgehensweise, den Internetverkehr zu analysieren, entspricht in etwa dem Projekt »Phorm«, das die British Telecom und andere Provider für gezielte Werbung einsetzen wollten. Auch hier fanden Versuche ohne Wissen der Kunden statt, was die EU-Kommission im April 2009 zum Anlass nahm, ein Verfahren gegen Großbritannien im Bereich Privatsphäre und Schutz personenbezogener Daten zu eröffnen.

Besondere Sorgen dürften sich die Filesharer des Landes aber kaum machen, selbst wenn sie Kunden von Virgin Media sind. Es dürfte beispielsweise schwer fallen, den Inhalt von passwortgeschützten, komprimierten Archiven durch einzelne Pakete zu ermitteln, sofern kein verräterischer Dateiname vorhanden ist. Außerdem hat der Provider zugegeben, dass für die Analyse verschlüsselten Datenverkehrs die notwendige Rechenleistung fehlt – genauer kann man seine Kunden nicht darauf hinweisen, wie sie sich vor der Datenschnüffelei schützen, egal ob sie an illegalem Filesharing teilhaben oder nicht.

Der deutsche Kulturstaatsminister Neumann hatte kürzlich in einem Interview erklärt, er verfolge interessiert, wie man in Frankreich und Großbritannien gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet vorgeht.

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